Reutlingen Hat sich vom Acker gemacht Ambrosia-verseuchtes Sondelfinger Blumenbeet hat Nachwuchs im Griff

Die Blütenstände der Ambrosia verstreuen die schädlichen Pollen.
Die Blütenstände der Ambrosia verstreuen die schädlichen Pollen.
Reutlingen / DIETMAR CZAPALLA 28.08.2013
Die gefürchtete Allergiker-Pflanze Ambrosia macht auch in diesem Jahr bundesweit von sich reden. Im Kreis hat man sie vor allem auch auf dem einst total verseuchten Sondelfinger Blumenbeet im Griff.

Die vor über 100 Jahren aus Nordamerika eingeschleppte Hohe Ambrosia taucht seit dem 20. Jahrhundert auch in Deutschland auf. Ihr erster Standort in der Region wurde dem Landratsamt am 18. August 2008 aus Sickenhausen gemeldet. Im Gegensatz zu dieser einzelnen Pflanze wurde kurz danach auf einem "Blumenfeld zum Selberschneiden" in Sondelfingen eine Vielzahl von Exemplaren zweifelsfrei festgestellt.

Grünflächen-Berater Ulrich Schroefel vom Landratsamt nahm zum Pächter des 15 Ar großen städtischen Feldes Kontakt auf, der dann der freiwilligen Auflage, die mit Ambrosia bewachsene Fläche abzumulchen, nachkam.

Zu diesem Zeitpunkt hatten allerdings zahlreiche Pflanzen bereits ihre Samen ausgestreut. Und weil ohnehin große Mengen des bis zu 40 Jahre keimfähigen Ambrosia-Samens im kargen Boden des Blumenfeldes schlummern, kam es auch in den beiden folgenden Jahren, wie es kommen musste: Abermals grünten tausende Pflanzen und wurden auf Drängen des Landratsamts erst entfernt, als viele davon bereits blühten und ihre von Allergikern gefürchteten Pollen in alle winde vertreuten. Anfang Juni 2010 zeigten sich hunderte der da schon bis zu 30 Zentimeter hohen Ambrosia, denen zunächst Günter Neuhäuser von der Abteilung Umweltschutz des Rathauses eigenhändig zu Leibe rückte. Danach machte Pächter Hans-Jörg Luik den ungeliebten Pflanzen mit chemischen Mitteln den Garaus. Schon da sah Neuhäuser die Möglichkeit, "dass Luik auf der Fläche auf Blumenaussaat verzichtet und durch Kulturwechsel, zum Beispiel als Kleeacker, das jährliche Aufkommen von Ambrosia verhindert".

Im Frühjahr 2011 wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht. Von dem für die Verpachtung des Grundstücks zuständigen städtischen Amt für Wirtschaft und Immobilien erhielt Luik die Auflage, "auf dem Grundstück keine Blumen mehr anzubieten". Vielmehr sollte er "die Fläche mit geschlossenem Klee-Gras-Bestand nutzen" - einerseits "um den Samen an der Keimung zu hindern", andererseits um "aufkommende Ambrosiapflanzen zu ersticken". Diese zwingende Auflage setzte der Bio-Landwirt kooperativ in die Tat um.

Im späten Frühjahr brachte er eine Luzerne-Rotklee-Mischung in den Boden. Sich zunächst noch entwickelnde, einzelne Ambrosiapflanzen erwischte es gleich beim ersten Mulchvorgang - zwei weitere folgten. Die Erfolgsgeschichte setzte sich auch 2012 fort: Ende Juli zeigten sich nur noch drei Mini-Pflänzchen der Ambrosia.

Nachdem auch in diesem Jahr die bewährte Mischung in den Boden kam, hat sich die in etlichen Regionen Deutschlands in großen Beständen vorkommende Ambrosia wohl endgültig vom Acker gemacht.

Nach kühler und feuchter Witterung im Frühjahr beschattete die Klee-Aussaat die aufkommenden Wärme liebenden Ambrosia-Keimlinge und ließ ihnen dadurch nicht den Hauch einer Chance.

Derweil wurde im Rathaus sowohl der Abteilung Umweltschutz als auch der Grünflächenabteilung "kein einziges Auftauchen der Ambrosia" gemeldet. Ebenso wenig auch dem Landratsamt, wo Grünflächenberater Ulrich Schroefel sagt: "Toi, toi, toi, bisher ist es in der gesamten Region ruhig geblieben - keine Meldung."

Somit brauchen sich Allergiker im noch verbleibenden Sommer und Herbst vor eventuellen Ambrosia-Pollen des Sondelfinger Blumenbeetes und vermutlich auch darüber hinaus nicht mehr zu fürchten. Die zuständigen Stellen des Landkreises haben der ungeliebten Pflanze zumindest für ein weiteres Jahr ein Ende bereitet.

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