Das Motto des siebten internationalen Festivals für Menschen – unabhängig von Behinderung und Benachteiligung – markiert den Schwerpunkt: Hast du Töne! Es wird also viel getönt und gesungen. Alle drei Jahre findet das bundesweit einmalige Festival statt, das 2014 rund 6000 Besucher und 80 Veranstaltungen meldete. Diesen Sommer bietet es Musik, Theater, Hip-Hop, Bildende und Straßen-Kunst, Elementartheater und eine bombastische Mitsing-Aktion auf dem Marktplatz. Wie immer sind internationale Künstler(innen) zu Gastspielen und Workshops geladen.

Veranstalter sind Baff („Bildung, Aktion, Freizeit und Feste“ von Lebenshilfe und Bruderhaus-Diakonie) mit Rosemarie Henes als organisatorischer Leiterin, außerdem die Fakultät für Sonderpädagogik der PH Ludwigsburg mit der emeritierten Professorin Elisabeth Braun als künstlerischer Leitung, und das Kulturamt der Stadt Reutlingen, das nicht nur finanzielle Unterstützung bietet, sondern auch den Zugang zu vielen öffentlichen Plätzen und Räumen ermöglicht.

Denn nach wie vor will das inklusive Festival nicht nur Kultur bieten und schaffen für alle Menschen ohne Ausnahme, sondern auch in der ganzen Stadt mit den Aktionen sichtbar sein. Und auch mit nachhaltigen Projekten in die Zeit zwischen zwei Festivals hineinwirken. Nach Fertigstellung von Stadthalle und Bürgerpark kann das Festival nun auch wieder ins Zentrum der Stadt ziehen, wo es sein Zelt auf die Rasenfläche neben dem Krankenhäusle stellt: für alle sichtbar.

Erstmals soll ein komplett barrierefreier, mobiler Toiletten-Container zum Einsatz kommen, der gekauft und dann der Stadt für alle zukünftigen Groß-Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden soll.

Das Zelt ist das Zentrum

Das Zelt bildet traditionell das Zentrum der Kultur-Sause, hier befinden sich Festival-Café und Kartenschalter. Und jeden Tag steigen hier ab 14 Uhr Workshops und andere interaktive Aktionen, beispielsweise die „Kunst am Echazufer“, bei der allerlei Stühle zu Kunstwerken umgestaltet werden und durch die ganze Stadt wandern.

Zu den (Theater-)Workshops wurden dieses Jahr teilweise die Regisseure mit ihren Gruppen gewonnen, die abends auftreten. Sie sollen nachmittags allen Interessierten einen Einblick in ihren Arbeitsalltag geben, in offenen Improvisations- oder Tanz-Workshops. Das Kunstmuseum Spendhaus und die Stadtbibliothek sind auch wieder mit von der Partie, wie überhaupt unzählige Helfer(innen).

Und damit auch die „Normalbevölkerung“ mitbekommt, was alles abgeht, zieht das Festival durch die Gemeinde, mit Straßentheater und anderen Spektakeln, die Lust machen sollen auf die bisher 16 geplanten Gastspiele internationaler und inklusiver Ensembles mit Tanz, Theater, Kabarett und Gedichten: Künster(innen) aus USA, Kanada oder Chile sind zu Gast, und Ensembles aus Frankreich, Italien, Großbritannien mit anspruchsvollen und unterhaltsamen Produktionen, die auch ohne Sprache verständlich sind. Aber auch die regionalen Initiativen sind am Start.

Irre ist menschlich

Die Baff-Tonne-Theatergruppe zeigt ihr Stück: „Irre ist menschlich“. Die zentralen Abendveranstaltungen finden jeweils im franz.K, in der Planie 21 oder im Zelt statt, mit anderen (interaktiven) Projekten geht man auch in die Einrichtungen selbst, um den Zugang noch niedrigschwelliger zu gestalten.

Zum Beispiel mit dem Erlebnistheater für alle Sinne –  „Labor der Elemente“ – vom Figurentheater Tübingen. Zwei andere „basale“ Projekte richten sich an Menschen mit starken Beeinträchtigungen, aber auch deren Betreuer und Angehörige als Inspiration für den täglichen Umgang.

Um auch Jugendliche mehr einzubeziehen, gibt’s außerdem erstmals einen ganzen Hip-Hop-Tag für alle Fans von Rap, Breakdance und Graffiti – organisiert von Markus Christ vom Büro „Kultur ohne Ausnahme“, mit Workshops zu allen Disziplinen und offener Bühne, mit dabei ist das T.A.L.K. Projekt für Jugendliche mit Diskriminierungserfahrungen.

Und am Ende steigt eine große Show mit dem Berliner Rapper Graf Fidi sowie der Breakdance-Gruppe ILL-Abilities, zu der auch „Lazylegs“ aus Kanada gehört, der 2008 schon mit seinem Breakdance auf Krücken für Stimmung sorgte.

Ein weiterer Höhepunkt bietet der Abschluss-Sonntag mit einer großen Sing-Aktion auf dem Marktplatz, bei dem sich das Festival als Mitsingzentrale betätigt: alle (inklusiven) Chöre des Landes, aber auch alle anderen Menschen, die gern singen, klatschen oder zuhören, mit oder ohne Talent, sind aufgefordert, an diesem Tag unter der Leitung von Patrick Bopp (von der A-cappella-Band „Füenf“) mit Evergreens, Schlager und Volkslieder den Marktplatz zu beschallen.

Über das Festival: Zeitraum, Chorinfos


Kultur vom Rande – Internationales Festival für Menschen unabhängig von Behinderung und Benachteiligung, 24. Juni bis 2. Juli 2017 in Reutlingen.

Interessierte Chöre sind aufgefordert, im Vorfeld ihre Proben an ungewöhnlichen Orten abzuhalten. Infos/Anmeldung/Probeheft: www.kultur-vom-rande.de.