Pfullingen / ANGELA STEIDLE  Uhr
"Als Lieferant für Lebensqualität ist die Echaz Entspannung pur," meint IKuh-Chef Sieger Maier. Im Fünf-Achtel-Takt nahm das "Kultur-Geplätscher" halb Pfullingen mit auf die Walz durch "Klein Venedig".

"Die Echaz hat es in den letzten Tagen spannend gemacht", erklärte Kulturgeplätscher-Veranstalter Sieger Maier, "vom wilden Milchkaffee bis glasklar plätschernd. Es könnte angenehmer nicht sein." "Natürlich Pfullingen - Gütle, Gärten und Geplätscher" lautet in diesem Jahr das Kulturwege-Motto. Die Performance der örtlichen Kunst- und Kulturschaffenden zum Thema "Geplätscher" am Sonntagnachmittag hatte "Kreuzfahrtcharakter auf Klein Venedig". Mit Anspruch für alle Sinne, kurzweilig, prickelnd und hochamüsant führte der Stadtbach vorbei an denkwürdigen Stationen.

2001, erklärt Sieger Maier vom Veranstaltungs-Duo IKuh und den Freunden der Stadtbibliothek, hatte es bereits mit den "Bach-Kantaten" einen Vorgeschmack aufs standesgemäße "Pfullinger Kulturgeplätscher" gegeben.

Diesmal verlockte die Echaz um jede Biegung mit einem weiteren szenischen Theater: mal liebevoll-poetisch, voller Fantasie und immer überraschend.

Ein Höhepunkt gleich zu Beginn an der "Urfall": Der Tübinger Profi-Jazzer Dieter Schuhmacher und Pfullingens Sinfoniker Achim Nörz teilten sich den Kanal an den Percussions in Drei- und Fünfachtel auf: "Wir werden mit diesem Jazz-Groove starten und irgendwann wieder zusammen kommen. Was dazwischen passiert - keine Ahnung." "Verschachtelung" heißt der Text, den Helmut Bachschuster dem Echaz-Kanalgeflecht gewidmet hat. Miedel Stuhlinger und Eberhard Hermann warfen die Worte ins arhythmische Geplätscher: "Bitte nicht mitsingen. Es ist für uns schon schwer genug."

Das Pfullinger Generationentheater "Mixed Pickles" gab eine Werkschau zum neuen Stück, das eigens zum Kulturwege-Thema geschrieben wurde. Klaus Tross machte auf seinem Gummischuh-Hocker mitten im seichten Wasser der Echaz Station, wo er die schwülstigen Schwärmereien eines spazierengehenden Mörike, Hölderlin, Schlegel, Novalis, Eichendorff und immer wieder Heinrich Heine zum Abkühlen rezitierte. "Marie-Therese von Schönblum-Artenlust" als Chefredakteurin der neuen Pfullinger "Gartenlust" hatte Figur und ihre Autoren von den Freunden der Stadtbücherei eine spitze regionalsatirische Feder.

Eine Rast mit dem jungen Bläserensemble der Musikschule Pfullingen am Samariterstift war auch für dessen Bewohner einfach viel zu kurz. Das "Kulturgeplätscher" führte vorbei an der Fladschen Sägemühle mit ihrer vielgestaltigen Tradition. Am Schlösslespark erwartete die Kulturgänger ein kleines Wunderwerk: Die Plastiken von Patrice Bérard, Gaby Frey-Bantle, Axel Standke, Renate Schöck und vier Vertreterinnen der Lichtensteiner Künstlergruppe "Auszeit" waren zum Staunen, Erfahren und Begreifen gut. Die Echaz umarmte sie alle: ein buntes Ausrufezeichen neben dem andern.

Das Highlight zum Abschluss: Eine Reihe von Mitmach-Aktionen der Neugreuthschule im Schlösslespark. Die selbstgebastelte provisorische Kneippanlage direkt am Echazufer wollten die Pfullinger schon beim Aufbau am Vortag vor lauter Begeisterung gleich gar nicht mehr hergeben.

"Jede Kulturveranstaltung sollte etwas Bleibendes hinterlassen", davon ist Kulturwege-Veranstalter Sieger Maier überzeugt, "von der Veranstaltung soll ein Impuls ausgehen, dass die Echaz mehr von ihren Bürgern in Beschlag genommen werden soll". Das Pfullinger "Kulturgeplätscher" zeichnete dazu ganz neue Motive.