Reutlingen Hagel und Starkregen

Nur noch 50 Zentimeter unter der Brücke schoss die Echaz in Betzingen (und nicht nur dort) am Donnerstagabend talabwärts.
Nur noch 50 Zentimeter unter der Brücke schoss die Echaz in Betzingen (und nicht nur dort) am Donnerstagabend talabwärts. © Foto: Privat
swp 09.06.2018

Im Parkhaus Lederstraße suchten am Donnerstagabend zahlreiche Autofahrer Schutz, als der Hagel mit voller Wucht auf die Innenstadt prasselte. Gegen 19.20 zog eine starke Unwetterfront von Süden her über den Landkreis Reutlingen hinweg. Innerhalb kürzester Zeit waren Gebäude in der Innenstadt und in den nördlichen Stadtteilen Sondelfingen, Oferdingen und Altenburg mit Wasser vollgelaufen. Betroffen waren ebenso die Gemeinden Pfullingen, Eningen und Pliezhausen. Die Feuerwehren hatten insgesamt 62 Einsätze zu bearbeiten, die über das Führungszentrum der Feuerwehr Reutlingen koordiniert wurden.

Gegen 19.27 Uhr liefen die ersten Einsatzmeldungen von der Gemeinde Sonnenbühl in der Integrierten Leitstelle in Reutlingen ein. Der Schwerpunkt lag im Ortsteil Undingen. Die Sonnenbühler Feuerwehrabteilungen hatten an 30 Einsatzstellen eindringendes Wasser aus Kellerräumen zu beseitigen.

In der Stadt Reutlingen musste an 27 verschiedenen Einsatzorten eindringendes Wasser abgepumpt werden. Die Schwerpunkte lagen mit 17 Einsatzstellen in der Innenstadt und mit zehn Einsatzstellen in Sondelfingen.

Die Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr in der Stadtmitte, Sondelfingen, Rommelsbach, Reicheneck, Oferdingen, Betzingen und Altenburg waren zur Beseitigung der Starkregenfolgen eingesetzt.

Zeitgleich mit den ersten Regentropfen löste die Brandmeldeanlage der Christian-Morgenstern-Schule in Rommelsbach aus. Nach dem Eintreffen der Abteilung Freiwillige Feuerwehr Rommelsbach und der Berufsfeuerwehr stellte sich heraus, dass die Brandmeldeanlage aufgrund eines technischen Defekts ausgelöst hatte. Die Freiwillige Feuerwehr aus Eningen musste zu einer ausgelösten Brandmeldeanlage aufgrund eines Blitzschlags ausrücken. Die Pfullinger Feuerwehr sicherte das Feuerwehrhaus vor eindringendem Wasser.

Die Echaz in Betzingen schwoll sehr schnell an. Das Wasser stand noch 50 Zentimeter unter der Brücke beim Rathaus. Nachdem die Regenfälle aufgehört hatten, ist die Echaz sehr schnell wieder zurückgegangen.

Kreisbrandmeister Wolfram Auch verschaffte sich einen Überblick über die Einsätze in der Gemeinde Sonnenbühl. Feuerwehrkommandant Harald Herrmann koordinierte mit der Führungsunterstützungseinheit aus dem Führungszentrum der Feuerwache in der Hauffstraße die Einsätze und überwachte laufend die Pegel und die Wettermeldungen, um auf eine veränderte Lage schnell reagieren zu können.

Gegen 21 Uhr wurde in Degerschlacht festgestellt, dass ein unbekannter Stoff aus einem Fabrikgebäude austrat. Der austretende Gefahrstoff wurde gesichert und mit Bindemittel aufgenommen.

Kurz vor 21 Uhr entspannte sich die Lage zusehends. Alle Einsatzstellen waren abgearbeitet, es gingen keine neuen Einsatzmeldungen mehr ein, sodass die Einsatzkräfte entlassen werden konnten.

Die Reutlinger Feuerwehr war mit insgesamt 17 Fahrzeugen und 94 Einsatzkräften im Einsatz.  In Sonnenbühl waren acht Fahrzeuge und 80 Feuerwehrangehörige eingesetzt. Die Leitstellendisponeten des DRK-Kreisverbandes und der Berufsfeuerwehr hatten insgesamt neun Einsatzleitplätze und fünf Notaufnahmeplätze besetzt.

Auch die Polizei hatte alle Hände voll zu tun. Innerhalb von zwei Stunden gingen in der Notrufzentrale des Polizeipräsidiums Reutlingen 103 unwetterbedingte Notrufe ein, die zu 42 polizeilichen Einsätzen führten. Im Kreis Esslingen kam es infolge eines Blitzeinschlags zu einem Dachstuhlbrand in Aichwald mit einem Sachschaden in Höhe von 80 000 Euro. Vermutlich aufgrund eines Blitzeinschlags in ein Wohnhaus in der Hermann-Kurz-Straße in Kirchheim fiel im dortigen Wohngebiet der Strom aus. An dem Gebäude ist glücklicherweise kein Schaden entstanden. Die L 1209 war in der Unterführung der B 27 zwischen Bernhausen und Plattenhardt überflutet. Ein VW Passat blieb in dem kniehohen Wasser stehen und konnte aufgrund eines Motorschadens nicht mehr weiterfahren.

62

Einsätze verzeichnete die Feuerwehr im Landkreis Reutlingen am Donnerstagabend, die allesamt über die Leitstelle in Reutlingen koordiniert wurden.

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