Bühne Gut ist das Leben, böse die Kunst

Das Tonne-Team startet sein Monospektakel: Sandra Omlor,  Enrico Urbanek, Karen Schultze. Kathrin Kipp
Das Tonne-Team startet sein Monospektakel: Sandra Omlor, Enrico Urbanek, Karen Schultze. © Foto: Kathrin Kipp
VIII / Kathrin Kipp 24.01.2018

Zurzeit geht es an der Tonne Schlag auf Schlag: Am vergangenen Wochenende noch die feierliche Eröffnung samt Tag der offenen Tür mit geschätzten 5000 Besuchern, kommenden Donnerstag Eröffnungspremiere mit dem Jahrhundert-Stück „Von Weimar bis Merkel“ – und am Freitag schon das erste Theater-Festival.

„Wir sind noch ganz überwältigt“ vom Publikumsansturm am Wochenende, meint Tonne-Chef Enrico Urbanek, aber „schön, dass die ganze Arbeit im Vorfeld dann auch funktioniert hat“. Und schön, wenn das Tonne-Theater durch den Neubau jetzt ganz im Zentrum der Öffentlichkeit steht. „Wir sind voll im Flow“, meint auch Dramaturgin Sandra Omlor, die mit Kollegin Karen Schultze das jährliche Monospektakel organisiert – diese Saison trotz Umzug und Eröffnung.

Aber es sei ja mittlerweile einfach „eine schöne Tradition“. Mit dem Festival kann man außerdem die kleineren Dimensionen der neuen Räume ausspielen und darauf hinweisen, dass der Tonne-Spitalhofkeller nach wie vor bespielt wird.

Und so kommen vom 26. Januar bis zum 4. Februar sieben Ein-Personen-Stücke auf die Bühne, mit denen die Tonne wieder das breite Spektrum dieser Kunstform präsentiert. Mittlerweile hat sich auch eine Zuschauer-Jury zusammengefunden, die am Ende das aus ihrer Sicht beste oder spannendste Stück mit der „Tonnella“ prämiert.

Stammgast beim Monospektakel und an der Tonne ist mittlerweile Marc von Henning von der Kompanie „Meyer&Kowski“ aus Hamburg, der nun mit dem provokanten Titel „Kunst ist böse“ (Freitag, 26. Januar) anreist: Schauspieler Hans-Jörg Frey erinnert sich darin an eine Generalprobe, bei der ein Regisseur völlig ausgerastet ist, weil er sein Meisterwerk durch die Schauspieler gefährdet sah.

Und so stellt sich die Frage, ob Kunst nicht erst alles zerstören muss, bevor sie zur Kunst wird. In einem zweiten Teil zeigt Hans-Jörg Frey eine komplett andere Figur, und so wird auch in diesem Doppel-Monolog mit den verschiedenen Ebenen zwischen Kunst, Realität und Verwandlung gespielt – ein Markenzeichen von Hennings.

Dass Kunst vielleicht böse sein muss, aber das Leben auch gut sein kann, findet der Schweizer Barkeeper und Schriftsteller Max, dessen Frau zum ersten Mal für längere Zeit auf Reisen geht, während Max in seiner Bar genug Welt zu Gesicht bekommt: Alexandre Pelichet spielt den Barkeeper in „Das Leben ist gut“ (27. Januar) nach dem Bestseller von Alex Capus.

Am 31. Januar ist wieder Bridge Markland zu Gast, die schon mehrere Klassiker „für die Generation Popmusik“ „verkleinert“, schräg, mit viel Musik und Puppen interpretiert. Dieses Mal steht „ratten in the box“ auf dem Programm: Gerhard Hauptmanns „Ratten“ für Einsteiger.

Um kleine und große Familiengeheimnisse geht es in „Für C.“ (1. Februar), Regie: Stephanie Rolser, Schauspiel: Sebastian Hammer. Ein Enkel findet die Liebesbriefe seines Großvaters und macht sich auf die Suche nach dieser mysteriösen „C.“.

Um den eher unbekannten, aber genialen Künstler Antonio Ligabue geht es in „Ein Kuss“ (2. Februar) von Mario Perrotta. Der Schauspieler Marco Michel taucht in die Biografie des Künstlers ein, zeichnet großformatige Porträts und tritt mit ihnen in den Dialog.

Um wilde Verschwörungstheorien geht es dann in der „Echokammer“, einer Uraufführung von Robert Atzlinger, der ja an der Tonne schon in vielen Produktionen mitgespielt und jetzt ein eigenes Stück geschrieben hat: Echokammer ist die Blase, der virtuelle Raum voller Gleichgesinnter, in dem fast nur die eigenen Ansichten bestätigt werden.

Den Abschluss macht dann am 4. Februar: „Name: Sophie Scholl“ von Rike Reininger. Nina-Mercedés Rühl, die auch beim letzten Tonne-Sommertheater auf der Bühne stand, spielt eine junge Jura-Studentin namens Sophie Scholl, die wie die Widerstandskämpferin mit einem großen Gewissenskonflikt zu kämpfen hat.

Monospektakel im Tonne-Theater: Die Termine

Das achte Monospektakel steigt vom kommenden Freitag, 26. Januar, bis zum Sonntag, 4. Februar.

Die Termine: Freitag, 26. Januar, 20 Uhr: „Kunst ist böse“: Tonne 2 (im Neubau in der Jahnstraße 6).

Samstag, 27.Januar, 20 Uhr: „Das Leben ist gut“: Tonnekeller (Spitalhof). Mittwoch, 31. Januar, 20 Uhr: „ratten in the box“: Tonnekeller. Donnerstag, 1. Februar, 20 Uhr: „Für C.“: Tonne 2, Freitag, 2. Februar., 20 Uhr: „Ein Kuss“: Tonnekeller.

Samstag, 3. Februar, 20 Uhr: „Echokammer“: Foyer (Neubau), Sonntag, 4. Februar, 18 Uhr: „Name: Sophie Scholl“: Tonne 2.

Es gibt wieder einen Festivalpass für das Monospektakel. Karten unter (07121) 93770.