Reutlingen Gut Ding braucht Weile

Der Südhang des Monte Kiki am 13. Oktober nach der Arbeit der Listhöfler.
Der Südhang des Monte Kiki am 13. Oktober nach der Arbeit der Listhöfler. © Foto: Dietmar Czapalla
Reutlingen / DIETMAR CZAPALLA 21.10.2015
Der Südhang des "Monte Kiki" im Markwasen soll seit September des vergangenen Jahres der Natur zuliebe in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden. Doch das wird noch Jahre dauern.

Dem Südhang des nach dem einstigen Leiter des Garten- und Friedhofamtes Peter Kik benannten, in den Jahren 1980 bis 1982 mittels städtischen Erdaushub aufgeschütteten "Monte Kiki", war sein ursprüngliches Gesicht längst verloren gegangen. Zu Beginn hatte sich ein artenreicher Trockenrasen und damit ein Paradies für unterschiedlichste Fauna und Flora entwickelt. Doch die Artenvielfalt wurde nach und nach von spontan gewachsenen Gehölzen verdrängt. Unter den Bäumen hatte sich ein nahezu undurchdringliches Gestrüpp etabliert.

Um den knapp 18 Meter hohen "Berg" wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, erarbeitete die Stadt ein mehrstufiges Konzept für die Landschaftspflege. Ab dem 19. September des vergangenen Jahres wurde der Südhang von elf Burenziegen des Umweltbildungszentrums Listhof vier Wochen lang beweidet, sprich: von niedrigem Gehölz weitgehend kahlgefressen.

Weiter ging es am 4. Februar dieses Jahres, als die mit den Rodungsarbeiten beauftragte Pfullinger Firma Försterwerkstatt anrückte. Schon zwei Tage danach waren die Arbeiten abgeschlossen. Matthias Scheider von der Grünflächenabteilung sowie Günther Neuhäuser von der städtischen Abteilung Umwelt blieb nur die Aufgabe, einzelne sinnvoll verbleibende Bäume und Strauchwerk festzulegen.

Im Frühjahr zeigte sich dann, dass die allesamt auf Stock geschlagenen Gehölze naturgemäß kräftig austrieben. Das auch als logische Folge der im Herbst durchgeführten Beweidung mit ihrer reichhaltigen "Stickstoffdüngung" durch die Burenziegen. Der erste von jährlich zwei geplanten Auftritten der mittlerweile auf sieben Exemplare geschrumpften Ziegenherde startete Anfang Juni und währte neun Wochen. Die Ziegen aber schafften es bei weitem nicht, ihren Auftrag zu erfüllen. Zum einen wuchsen die Gehölze allzuschnell wieder nach. Als Folge gab es nicht wenige, welche ",die knapp 10 000 Euro teure Maßnahme mit Fördermitteln von rund 3200 Euro nach der Landschaftspflegerichtlinie", so hieß es aus dem Rathaus, als gescheitert betrachteten. "Sinnlos" für Ziegen-Chef Robert. "Die nur sieben Ziegen können das niemals schaffen, die Gehölze wachsen auch wegen derer Ausscheidungen viel zu schnell nach, das ist kontraproduktiv."

Problematisch sah das Ganze auch Roland Herdtfelder vom Sprecherteam der Nabu-Gruppe. Als ausgewiesener Experte auch auf dem Gebiet sah er die Chance, den Südhang in seinen ursprünglichen Zustand und damit in einen Trockenrasen zu versetzen, nur darin, "dass man die Gehölze immer wieder abschneidet und sie damit zunehmend schwächt". Und weiter: "Ihn auf diese Art loszuwerden, das geht nicht von heute auf morgen, das dauert einige Jahre."

Derartige Gedanken machte man sich derweil auch auf dem Rathaus, wo man "nach den Ferien" rausgehen wollte, um "zu schauen, wie es weitergehen soll". Gesagt, getan. Anstatt die Listhof-Vierbeiner, wie ursprünglich geplant, ein zweites Mal antreten zu lassen, war als letzte Pflegemaßnahme dieses Jahres der Einsatz von Listhof-Mitarbeitern angesagt. Sie rückten dem widerspenstigen Gehölzaufwuchs an etlichen Tagen mit Motorsense zuleibe und schafften das haufenweise anfallende Material nach unten, wo es durch die Stadt abtransportiert wurde. Danach wurde deutlich sichtbar, dass sich am Südhang zwischenzeitlich eine nicht zu übersehende krautige Flora angesiedelt hat. Dazu beigetragen haben die Listhof-Mitarbeiter Robert, Daniela, Ewald und die anderen. Die nämlich haben nicht nur blindlings gerodet, sondern die eine oder andere Wildrose bewusst stehen lassen. Nachtkerzen, Karde, Wilde Möhre, Disteln und noch andere Wildkräuter ohnehin. "Damit die sich aussäen können, wir denken doch mit", begründete Robert das sinnvolle Tun. Für Matthias Scheider war es "die richtige Maßnahme zum richtigen Zeitpunkt". Wann es so weit sein wird, dass sich der Südhang des "Monte Kiki" als erhoffter Trockenrasen präsentiert, darauf konnte und wollte auch er sich nicht festlegen. Nur so viel: "Das wird dauern, die Gehölze sind extrem hartnäckig."

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