Das Parlament wird am Donnerstag, 20. Dezember, über den Reutlinger Antrag entscheiden, einen eigenen Stadtkreis zu gründen. Doch nachdem seit Dienstag der gemeinsame Antrag der beiden Regierungsfraktionen  von Grünen und CDU vorliegt, gilt dieser Entscheid wohl nur noch als Formsache. Die grün-schwarze Regierungskoalition lehnt die Auskreisung und damit die Gründung eines Stadtkreises Reutlingen ab. Es würden „keine überwiegenden Gründe des öffentlichen Wohls für eine Erklärung der Stadt Reutlingen zum Stadtkreis sprechen“, heißt es in dem gemeinsamem Antrag, der der SÜDWEST PRESSE vorliegt. Der Gebietszuschnitt des Landkreises Reutlingen soll erhalten bleiben. Gleichwohl sieht man auch bei Grün-Schwarz, dass die Verteilung der Pflichten und Rechte nicht ganz optimal ist. Stadt und Landkreis sollen, so heißt es weiter in dem Antrag, „gemeinsam Möglichkeiten der Verbesserung der kommunalen Zusammenarbeit und der Aufgabenerfüllung herausarbeiten“. Eventuell sollen in diesem Zusammenhang Aufgaben an die Stadt übertragen werden. Ein Trostpflaster möglicherweise, um das Verhältnis zwischen Stadt und Landkreis wieder ins Lot zu bringen.

Die Stadt Reutlingen hatte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder die Verschleppung einer Entscheidung beklagt. Im Juni hatte eine Anhörung vor Vertretern der Regierungskoalition stattgefunden, wo Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und Landrat Thomas Reumann nochmals ihre Positionen verdeutlichten. Mitte Oktober hatte die Stadt bekannt gegeben, dass sie eine Klage vorbereite, zum einen wegen der Untätigkeit gegenüber des Reutlinger Antrags, der immerhin seit 2015 vorliegt. Zum anderen hat die Stadtverwaltung mehrfach deutlich gemacht, dass sie im Falle einer Ablehnung der Stadtkreis-Gründung durch den Landtag gegen diese Entscheidung klagen werde.

Die Stadt Reutlingen hat in ihrer Argumentation vor allem das starke Stadt-Land-Gefälle ins Spiel gebracht. Reutlingen zählt derzeit 116 000 Einwohner, die nächst größere Stadt des Landkreises ist Metzingen mit rund 22 000 Einwohnern. Stadt und Kreis warten nun gespannt auf die Landtags-Entscheidung in der kommenden Woche. Und auf die Reaktionen darauf. Sollte die unterlegene Seite klagen, geht der Streit um die Auskreisung in die nächste Runde.

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Jahre ist es her, dass der Reutlinger Gemeinderat den Beschluss fasste, den Landkreis zu verlassen. Auf eine Entscheidung des Landtags warten Stadt und Kreis nun ungeduldig.