Reutlingen Großeinsatz der Polizei beendet Heilig-Morgen

Reutlingen / Von Jürgen Spieß 26.12.2017

Eine aus dem Ruder gelaufene Personenkontrolle sorgte am Sonntagnachmittag gegen 14.40 Uhr in der Oberamteistraße beim so genannten Heiligen Morgen für einen größeren Polizeieinsatz. Eigentlich war alles wie die Jahre zuvor: Obwohl Außenbars in der  Umgebung der Marienkirche verboten waren, verbrachten wieder tausende den Vormittag des Heiligabends in der Innenstadt und feierten feuchtfröhlich ins Weihnachtsfest. Selbst in den Sperrbezirken wie Oberamteistraße, Weibermarkt und Kanzleistraße herrschte großer Andrang. Die Leute holten sich ihre Getränke in den Bars und feierten draußen.

Im „Bermudadreieck“ Oberamtei-/Kanzleistraße hielten sich am frühen Nachmittag laut Polizei rund 200 Leute  auf. Weiter heißt es im Polizeibericht: „Als Einsatzkräfte der Polizei eine Person einer Kontrolle unterziehen wollten kam eine zweite bislang unbeteiligte männliche Person hinzu und wollte einem Einsatzbeamten einen Gegenstand aus seiner Einsatzjacke ziehen. Nachdem dies verhindert werden konnte, versuchte der Aggressor den Beamten mit der Faust zu schlagen, worauf der Täter zurückgedrängt werden konnte. Im Laufe dieser Auseinandersetzung zerrten schreiende Frauen zusätzlich noch an den Einsatzjacken der Beamten, woraufhin eine größere Personengruppe aus einer angrenzenden Bar aggressiv auf die Einsatzkräfte zugingen. Die Beamten wurden mit gefüllten Plastikbechern beworfen, geschubst, getreten und mit Schlägen attackiert. Um sich dieser Angriffe zu erwehren mussten die Einsatzkräfte Schlagstock und Pfefferspray einsetzen. Nachdem weitere Einsatzkräfte aus dem Präsidiumsbereich hinzugezogen wurden, beruhigte sich die Lage.“

Bei diesen Auseinandersetzungen wurden vier Personen vorläufig festgenommen, die nach Feststellung der Personalien wieder entlassen wurden.

Ein Beamter zog sich an der Unterlippe eine leichtere Verletzung zu. Mindestens eine weitere Person musste nach dem Pfeffersprayeinsatz von den Rettungssanitätern kurzfristig behandelt werden, so die Polizei.

Abgesehen von dieser unschönen Eskalation kurz vor Ende der an sich harmlosen „Tradition“ hatten wohl nicht wenige damit gerechnet, dass die beschwingte Zusammenkunft auf ein oder mehrere Glühweine oder Biere in diesem Jahr etwas beschaulicher ausfällt. Denn erstmals seit 2006 fiel Heiligabend wieder auf einen Sonntag. Das bedeutete, der normale Sonntagsgottesdienst in der Marienkirche wurde bereits um 10 Uhr abgehalten und das württembergische Feiertagsgesetz besagt, dass „an Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen im Umfeld von Kirchen alle Handlungen zu vermeiden sind, die geeignet sind, den Gottesdienst zu stören“. Deshalb untersagte das Ordnungsamt im Umfeld der Marienkirche den Ausschank an Außenbars.

Der Sperrbezirk um die Marienkirche begann in der Wilhelmstraße auf Höhe der Nürtingerhofstraße, zog sich bis zur Stadtbotenstraße, umfasste außerdem die Museumstraße bis zum Haus der Jugend, Teile der Kanzleistraße und die komplette Oberamteistraße, den Weibermarkt, die Metzgerstraße von der Weinstraße bis zur Schmiedstraße samt Aulberstraße, Obere und Untere Weibermarkstraße.

Von den Einschränkungen ließen sich die Feierwütigen aber keineswegs abhalten und auch die Gastwirte konnten mit dem Getränkeumsatz alles in allem zufrieden sein. Während sich die Jugend wie die Jahre zuvor vorwiegend im Feier-Epizentrum rund um die Oberamteistraße und vor dem Alexandre drängelten, trafen sich die älteren Semester entweder vor dem Visavis, beim Café Winkler oder gleich in und vor der Kaiserhalle.

Ein weiterer Grund für den Andrang war das wenig weihnachtliche Wetter und Temperaturen um die zehn Grad, wie geschaffen, um im Freien Bier oder Glühwein zu trinken: „Ich war letztes Jahr auch schon hier“, meinte die Studentin Anja aus Tübingen, „aber ich habe nicht das Gefühl, dass heute weniger Leute auf den Straßen unterwegs sind als im vergangenen Jahr“. Auch Wolfgang aus Reutlingen hatte kein Problem damit, dass es in diesem Jahr weniger Außenbars gab: „Das hat mich sowieso nicht tangiert, da meine Heiligmorgen-Strecke wie jedes Jahr vom Rappen über den Marktplatz führt und beim Kohla (Kaiserhalle) endet.“

Um 15 Uhr war dann überall endgültig Zapfenstreich bei dem Weihnachts-Happening, die Außenbars wurden pünktlich abgebaut und ab 18 Uhr saßen vermutlich die meisten Heilig-Morgen-Gänger – ob nüchtern oder mit leicht glasigen Augen – im Kreis der Familie um den Weihnachtsbaum.

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