Honau Große Erlebnisse in kleinen Gewölben

Drei Tage Kunst im Tuffsteinkeller: Im Haus der Familie Speidel ließ Thomas Ulm die Echaz von ihrer Quelle aus durch den Keller fließen.
Drei Tage Kunst im Tuffsteinkeller: Im Haus der Familie Speidel ließ Thomas Ulm die Echaz von ihrer Quelle aus durch den Keller fließen. © Foto: Herdin
Honau / Jürgen Herdin 25.06.2018

Für jede Menge ästhetischer Überraschungen gut waren die Kunstschaffenden, die am Wochenende in neun Honauer Kellern ihre zum Teil außerordentlich verblüffenden Installationen präsentierten. Hinzu als Austragungsort die Olgahöhle, die Serge le Goff und Jan Groeneveld auf fantastische Weise ganz neu illuminierten.

Das Publikum hatte zusätzlich die Möglichkeit, zahlreiche oberirdische Angebote  wahrzunehmen. Da gab es ebenfalls jede Menge Kunst, so in der alten Schreinerei von Peter Häußler mit bezaubernden Skulpturen. Häussler bekam in seinem Domizil  Verstärkung von Birgit Hartstein und Sabine Heid.

In der Echazmühle gab es Führungen und ansonsten auf den 500 Metern zwischen Olgahöhle und Hauff-Museum auch Kulinarisches. „Wir hatten schon zum Auftakt den Eindruck, dass  noch mehr Besucher kommen würden als beim letzten Mal“. Die Organisatorin von „Kunst im Tuffsteinkeller“ hatte ihren eigenen auch zur Verfügung gestellt – für ein ganz besonderes Spektakel:  Martina Geiger-Gerlach aus Stuttgart sorgte für ein vielfältiges Trommeln – in einer Dauerschleife.

Fast täglich versammeln sich im Golden-Gate-Park in San Francisco Menschen aller Nationen und aus allen sozialen Schichten – um einfach nur zu trommeln. Geiger-Gerlach machte daraus ein Video. Und im Ortsamt von Honau waren neben anderen auch die Kuratorinnen von „Kunst im Tuffsteinkeller“ mit ihrer Schau „Paarweise“ und „Comestible“ präsent.

Und ebenfalls mit einer Endlosschleife – dort als Bilderschau – wartete Jutta Kraak im Seniorenzentrum Martha Maria auf. „Wir wollen, dass Menschen mit Mobilitätsschwierigkeiten alle Installationen auch sehen könne“, so Kraak. immerhin geht es oft sehr steil in manche Keller hinunter. Und nicht überall waren durchgängige Geländer vorhanden.

Eng war’s fast überall in den Gewölben, die ihrerseits auch mit baulichen Überraschungen aufwarteten. So traf der Stuttgarter Künstler Thomas Ulm auf einen Keller nahe des Freibads, dessen Wände überhaupt nicht aus Tuffstein sind.

Kurzerhand nannte er seine Installation einfach „Tuff im Kalksteinkeller“. Er griff diesen Fehler in der Ankündigung auf „und ich lieh mir einen markanten Tuffstein aus und präsentiere ihn hier im Keller in der Manier einer Kleinplastik.

„Ortsbezug“ hieß das Thema der Schau – und was bietet sich da besser an als die Echazquelle keine 300 Meter von Ulms Keller entfernt. Zwei Picknickdecken mit Teelichtern erwartete die Besucher, die ihrerseits dahinter die Echazquelle sprudeln sahen. „Ganz wunderbar und täuschend echt“ entfuhr es einer Besucherin. Denn das Wasser kam den Leuten im Keller entgegen. Und wieder eine Installation als Endlosschleife. „Ich habe zehn Minuten lang die Quelle gefilmt – und daraus eine Videoprojektion gemacht“, so Ulm. Und der hatte sich ganz offenbar so in Honau verliebt, dass er sich für die Tage der Kunst in eine Pension einquartiert hatte. Obwohl er und fast alle anderen Künstler aus der Umgebung kamen.

Ob „Financial Basement Lichtenstein“ von Wolfgang Raetz oder das „Spider Hole“, in dem Christel Friedmann Spinnennetze, Wolle, Faden und Lichteffekte zeigte: Das Publikum war begeistert und erwartet nun eine Neuauflage 2019 mit einem ebenso ambitionierten Thema.

500

Meter liegen zwischen Olgahöhle und Hauff-Museum in Honau. Und die gehörten am Wochenende ganz der Kunst, sowohl in den Tiefen der Höhle als auch oberirdisch.

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