Kreis Reutlingen Gomadinger Betten fehlen

Kreis Reutlingen / PETER U. BUSSMANN 13.05.2015
Die Bilanz von Tourismus-Chef Wolfgang Schütz für 2014 fällt nicht berauschend aus: Die Zahl der Übernachtungen im Kreis sank um 0,3 Prozent. Doch das ist kein Wunder, wenn plötzlich ein ganzes Feriendorf wegfällt.

Fast 16 000 Ankünfte mit über 73 000 Übernachtungen verzeichnete das idyllische Gomadingen auf der Alb in seinen besten Zeiten Mitte der 80er Jahre. Dank seines Feriendorfs, das Scharen von Familien beherbergte.

Doch die Anlage war in die Jahre gekommen, hatte ihren Reiz verloren. Gut 10 000 Ankünfte und knapp 27 000 Übernachtungen verbuchte man in der Gemeinde nur noch im Jahr 2013. Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart zog als Eigentümerin der Anfang der 70er Jahre gebauten Siedlung angesichts des laufenden Defizits die Reißleine und verkaufte das Ganze an einen privaten Investor.

Zum 1. Januar 2014 schloss das Dörfle für Urlauber seine Pforten, es sollte abgerissen werden und komplett neu aufgebaut werden. Übergangsweise leben jetzt Asylbewerber dort, doch die fallen nicht unter die Tourismus-Statistik der Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbische Alb und Albvorland im Landkreis Reutlingen, wie Mythos Schwäbische Alb etwas sperrig heißt. Damit kam Gomadingen 2014 gerade noch auf gut 3000 Ankünfte und 6600 Übernachtungen - ein Minus von 69 respektive 75 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.

Ein solcher Einbruch schlägt auch auf das Landkreisergebnis mit seinen 357 339 Ankünften (plus 2,7 Prozent gegenüber 2013) und 1 023 814 Übernachtungen (minus 0,3 Prozent) durch. "Ohne wären wir bei einem Zuwachs von fast zwei Prozent", erläuterte Schütz dem Verwaltungsausschuss des Kreistags am Montag.

Mit diesem Wert hätte der Landkreis das Übernachtungs-Plus der gesamten Schwäbischen Alb von 1,8 Prozent erreicht und den Schwarzwald mit plus 0,9 Prozent deutlich überflügelt. Wesentlich mehr legten nur die Region Bodensee-Oberschwaben (plus 3,8 Prozent) und die Region Stuttgart (plus 6,9 Prozent) zu, was insgesamt zu einem Zuwachs der Übernachtungen im Land von 2,9 Prozent führte.

Überdurchschnittlich ist dabei die Entwicklung im Landkreis bei ausländischen Gästen: 9,7 Prozent mehr Ankünften und 5,3 Prozent mehr Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland standen nur 1,7 Prozent mehr Ankünfte und minus ein Prozent mehr Übernachtungen bei deutschen Gästen gegenüber. Die Werte der Ausländer erreichten dabei weder die Schwäbische Alb insgesamt noch das Land. Die größte Gästeschar stellt mit 8216 Ankünften immer noch mit deutlichem Abstand die Schweiz. Weniger als die Hälfte dieser Gästezahl stammen aus Frankreich, Italien, Niederlande und Österreich.

Lokale Spitze beim Zuwachs ist 2014 Zwiefalten, das sowohl bei Ankünften als auch bei Übernachtungen um über 41 Prozent zulegte. Schütz nennt hier als Gründe die Fertigstellung der innerörtlichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen sowie die Wiederinbetriebnahme eines Gasthofs. In Dettingen sorgt ein wieder an den Markt gegangener Betrieb und die günstige Lage zur Outletcity für Zuwächse um 14 Prozent bei den Ankünften und knapp 17 Prozent bei den Übernachtungen.

Erfreulich findet der Tourismus-Chef auch die Entwicklung in der Stadt Reutlingen mit einem Anstieg bei den Ankünften um fast 14 Prozent und bei den Übernachtungen von 4,8 Prozent, Hier mache sich sicher auch schon das neue Achalm Hotel bemerkbar, glaubt Schütz.

Auffällig ist bei Bad Urach die Diskrepanz zwischen den um 12,4 Prozent gestiegenen Ankünften und den Übernachtungen, die lediglich um 0,9 Prozent zulegten. Die ebenfalls zurückgehende Aufenthaltsdauer weist auf einen wachsenden Anteil von Kurzreisenden hin und auf eine kürzere Verweildauer in den Kliniken. Dagegen trage die vergangenes Jahr eingeweihte und als Premiumweg zertifizierte Grafensteige sicher zu den Zuwächsen bei.

Weil die Zahlen des Statistischen Landesamts aus Datenschutzgründen nur Betriebe über zehn Betten erfassen, liegt die Zahl der tatsächlichen Übernachtungen im Kreis um rund zehn Prozent höher. Schütz gründet diese Schätzung aus den Zahlen von vier Kommunen, in denen Übernachtungen kurtaxepflichtig sind und deshalb erfasst werden. Nicht erfasst wird im Übrigen in der Statistik auch der wichtige Bereich des Tagestourismus, der ebenfalls Wesentliches beiträgt zum wichtigen Wirtschaftsfaktor Tourismus.

Beim Blick ins laufende Jahr stimmen Schütz die Zahlen des ersten Quartals positiv: "Das war kein schlechter Jahresauftakt."

Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbische Alb und Albvorland im Landkreis Reutlingen

Wortungetüm Dieser sperrige Titel verbirgt sich hinter dem eingängigen Begriff "Mythos Schwäbische Alb". Die mit nur anderthalb Vollzeitstellen besetzte Geschäftsstelle ist dabei schon fast omnipräsent. Sämtliche Broschüren - von denen 75 000 neben 13 000 Flyern ausgegeben wurden - wurden aktualisiert, neu konzipiert wurde das Heft "Die schönsten Wanderrouten". Mittlerweile erscheinen Broschüren in drei Sprachen. International ist auch die App für Smartphones, die 2014 einen Zuwachs von 35 Prozent hatte. Mythos ist mit einem YouTube-Kanal und auf facebook vertreten. Dringend überarbeitet gehört dagegen der biedere Internetauftritt von Mythos aus dem Jahr 2009.

Präsenz An 32 Tagen war Mythos auf Tourismus-Messen präsent. Auf der CMT 2015 wurde erstmals der neue Stand der Erlebniswelt Albtrauf gezeigt. Hier wurden Münsingen, Gomadingen und Sonnenbühl als familienfreundliche Gemeinden ausgezeichnet. Mythos ist eine von fünf Regionen im Land beim Pilotprojekt "Nachhaltige Mobilität im Tourismus". Der Qualitätssicherung bei Ferienwohnungen und Gastgebern ist ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit von Mythos gewidmet.

SWP