Reutlingen Gold ist was für die Seele

Uwe Burkert, Dr. Ulrich Kater, Jens Schmitt und Moderatorin Cornelia Frey (von links) diskutierten in der Reutlinger KSK über die Weltwirtschaft und die Internationalen Finanzmärkte.
Uwe Burkert, Dr. Ulrich Kater, Jens Schmitt und Moderatorin Cornelia Frey (von links) diskutierten in der Reutlinger KSK über die Weltwirtschaft und die Internationalen Finanzmärkte. © Foto: Norbert Leister
Von Norbert Leister 20.04.2018

Der knuddelige Pandabär will nicht nur spielen“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Dekabank, am Dienstagabend auf dem Podium in der Reutlinger Kreissparkasse zur weltweiten wirtschaftlichen Situation vor mehr als 500 Zuhörern in der proppenvollen Kundenhalle. Die Chinesen hätten bereits eine Vormachtstellung erreicht, stimmte Uwe Burkert als Chef-Volkswirt bei der LBBW zu. Der dritte Finanzfachmann in der Runde richtete seinen Blick in die andere Richtung: „Donald Trump macht uns keine Sorgen – er provoziert, poltert, kommt dann aber an den Verhandlungstisch zurück“, sagte Jens Schmitt, Managing Director bei JP Morgan.

Nach einem „sehr ruhigen Jahr an den Wertpapiermärkten“, wie Michael Bläsius eingangs betont hatte, gerate nun doch einiges in Bewegung. Warum? Gründe gebe es genug, ein möglicherweise drohender Handelskrieg etwa, der Krieg in Syrien sowie die Konfrontation von Russland und den USA, Facebook, Trump und anderes mehr, so Reutlingens Kreissparkassen-Vorstandsvorsitzender. Die drei Experten auf dem Podium – die an diesem Abend die Lage der Weltwirtschaft und an den Internationalen Finanzmärkten analysierten – sahen das jedoch extrem entspannt: „Hier sitzen drei absolute Optimisten“, resümierte Moderatorin Cornelia Frey vom „Börse Stuttgart TV“. Die Provokationen des amerikanischen Präsidenten hätten einiges bewegt, „und es muss ja nicht alles falsch sein, nur weil Trump es sagt“, betonte Burkert.

Und die deutsche Wirtschaft? Die boome laut Kater seit sieben Jahren, ein Ende sei momentan nicht in Sicht. „Das kann sogar sehr lange gehen, in Australien gab es seit 25 Jahren keine Rezession mehr“, so der Dekabank-Volkswirt. „Es gibt momentan keinen Ansatzpunkt, dass es irgendwo knackt“, sagte auch Jens Schmitt. Typisch deutsch sei aber wohl, dass „wenn es so gut läuft, müsse es doch irgendwann schlechter werden“. Die berühmte Suche nach „dem Haar in der Suppe“ sei stets zu spüren. Aber wo denn das Unternehmertum in Deutschland sei, wenn Milliarden Euro auf Sparkonten bei null Prozent Zinsen vergammeln, so der Fachmann von JP Morgan.

Europa habe in nächster Zukunft eine Menge zu erledigen, mit den Brexit-Verhandlungen, die bis nächstes Jahr laufen werden, und auch mit der Europawahl im Mai 2019, betonte Uwe Burkert. „Das sind riesige Aufgaben.“ Und wenn der EZB-Chef Mario Draghi einst seinen Sitz räumen sollte? „Auch dann werden die Zinsen wohl nicht so schnell steigen“, betonte Schmitt. Und das sei ja eigentlich auch gut so, Firmen würden zur Kreditaufnahme animiert, genauso wie Immobilienbauer. Und die Sparer?

Alle drei Finanzfachleute rieten dazu, in Aktien zu investieren, denn: „Wir fahren gerade im Rückwärtsgang“, sagte Burkert mit Blick auf die Spareinlagen der Deutschen. Altersvorsorge werde grundsätzlich schwieriger angesichts des demografischen Wandels und zwangsläufig sinkenden Renten. Vorsorge sei gefragt, allerdings mit den rein klassischen Sparkonten könne das nicht funktionieren.

Ob denn die Deutschen zu viel Angst vor Aktien hätten, fragte Frey. Wer sein Geld einfach auf ein Sparkonto legte, um für das Alter vorzusorgen, „der muss bald an die Substanz ran – und dann irgendwann zwangssterben“, fragte Jens Schmitt zurück. „Wer nichts tut, hat jedes Jahr zwei Prozent weniger Vermögen“, stimmte Frey zu. Sofern man überhaupt Vermögen hat. Auf jeden Fall führe kein Weg an Aktien vorbei. Dabei über Nacht pleitezugehen, wie viele Anleger laut Kater befürchten, werde nicht passieren – „eine wesentliche Regel ist, nicht auf eine Firma allein zu setzen, sondern auf 100 Unternehmen zu streuen“.

Und was sei mit der Anlage in Gold oder Öl? Der Ölpreis werde zwar aufgrund der stärkeren Nachfrage und der boomenden Weltwirtschaft steigen, „das bringt aber kein Risiko“, so Dr. Ulrich Kater. „Gold ist hingegen was für die Seele, wer damit besser schlafen kann, soll das tun.“ Zwar seien „fünf  bis sieben Prozent Zuwachs in zwölf Monaten möglich – der Goldpreis kann aber genauso gut runtergehen“.

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