Reutlingen Gnadenfrist bis zum Frühjahr

Auch eine Vitalisierung durch Impfung hat der Marktplatz-Kastanie nicht viel gebracht.
Auch eine Vitalisierung durch Impfung hat der Marktplatz-Kastanie nicht viel gebracht. © Foto: Dietmar Czapalla
Reutlingen / DIETMAR CZAPALLA 12.09.2015
Den auf dem Marktplatz wachsenden sieben alten Kastanien geht es nicht gut. Ihr extremer Standort hat für deutliche Spuren gesorgt. Ein Exemplar wurde im November 2014 vergeblich "vitalisiert".

Dass viele der vor etlichen Jahren im Stadtgebiet gepflanzten Bäume unter meistens nicht guten alten Standorten zu kleinen Pflanzgruben, schwieriger Durchlüftung und Verdichtung zu leiden haben, ist den Mitarbeitern der städtischen Grünflächen-Abteilung bewusst. Rund 40 Jahre mehr oder weniger darunter zu leiden hatten auch die sieben auf dem Marktplatz stehenden Bäume, deren Habitus nur noch bei genauem Hinsehen dem eines Kastanienbaumes gleicht.

So wie das knapp acht Meter hohe, einen Stammumfang von einem Meter aufweisende, direkt neben dem Pavillon in einer leichten Mulde stehende Exemplar. Im Gegensatz zu den allermeisten Kastanien im Stadtgebiet hat sie sich laut Martin Schmid, Projektleiter Grünflächen und Gewässer, gegen die Kastanienminiermotte und den einhergehenden Blattbräunepilz bislang erfolgreich gewehrt. Gelitten hat sie unter ihrem extremen Standort, schädigenden Umwelteinflüssen und Salz in den Wintermonaten sowie sich an ihrem Stamm erleichternde Hunden und auch Zweibeinern. Um die Kastanie für die Zukunft fit zu machen, hatte man im Mitte November des vergangenen Jahres versucht, dem Baum mit einer ganz besonderen Maßnahme auf die Sprünge zu helfen: Mit einer "Baumvitalisierung durch Impfung und Belüftung", so Thomas Rein, Inhaber der Rottenburger Firma European Tree Technician. Der Unternehmer war sich des Erfolges der durchgeführten, 400 Euro kostenden Vitalisierungsmaßnahme sicher, seitens der Stadt war man guter Hoffnung.

Doch schon in diesem Frühjahr wurde deutlich, das die Kastanie im Gegensatz zu ihren fünf Marktplatz-Kollegen nicht richtig in die Gänge kam. Nur sehr spärlich sprießende Blätter und quasi verhungernde Blütenansätze verhießen nichts Gutes. Ende Juni, und damit schon vor der Sommerhitze, machte der Baum einen geradezu trostlosen Eindruck. Doch man hoffte weiterhin auf Besserung seines Zustandes, auch, nach den in diesem Sommer extrem hohen Temperaturen. Jetzt aber scheint sein Ende besiegelt zu sein.

Für Martin Schmid war "die Vorschädigung der Kastanie so groß, dass ihr auch mit der Vitalisierungsmaßnahme nicht mehr geholfen werden konnte. Weil der Baum in Sachen Verkehssicherheit keine Probleme macht, werden wir ihn wohl erst nächstes Frühjahr fällen. Wir schauen ihn uns dann nochmal genau an, doch er wird mit Sicherheit keine 100 Jahre alt werden".

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