Als der Belgier Adolphe Sax um 1840 das Saxophon erfand, war Johann Sebastian Bach schon fast 100 Jahre tot. Doch an den Goldbergvariationen, wie sie das Trio Sax Allemand interpretiert, hätte der Leipziger Thomaskantor sicher seine Freude gehabt. Furios und doch fein ausgehorcht, verspielt-beschwingt und doch voller Noblesse.

Kurz, Glücksmomente der Kammermusik. Womit wir auch schon beim Thema der Herbstlichen Musiktage wären. Dieses lautet "Glück in allen Variationen" und stellt als obersten Euphoriefaktor (natürlich) die Musik in den Fokus. Wie folgerte doch zur Eröffnung am Freitag Festredner Bernhard Lassahn (Berlin) am Ende seines Vortrags? "Wenn das Glück verloren gegangen ist, kann die Musik helfen, dieses Glück wiederherzustellen."

Noch bis zum kommenden Freitag, 9. Oktober, machen sich die Bad Uracher mit täglichen Konzerten auf die Suche nach dem seligmachenden Zustand. Die Stadt wird zu einem "Hot-Spot" der Musik, wie Bürgermeister Elmar Rebmann sagte.

Rebmann, zugleich Vorsitzender des Stiftungsrates des Festivals, freute sich, dass wieder etliche Prominente der Klassik-Szene die Kurstadt beehren - von Weltklasse-Bariton Michael Volle bis hin zu Star-Geigerin Lena Neudauer.

Dem "Glückschmied" (Rebmann), Leiter Florian Prey, sei es zu verdanken, dass sich die Musiktage weiterentwickelt hätten und heuer auch junge Talente in den Mittelpunkt rücken. Zu hören ist der musikalische Nachwuchs etwa am heutigen Montag, 19 Uhr, bei einem Klavierabend mit jungen Wettbewerbssiegern im Bürgerhaus Schlossmühle. Außerdem beteiligt sich der Meisterkurs unter Michael Kraus am Operettenabend mit Schuberts "Dreimäderlhaus" (Mittwoch, 20 Uhr) in der Reutlinger Stadthalle.

Für Sänger und Zuhörer, die sich nach Konzerten im Residenzschloss sehen, hatte der Bürgermeister gute Nachrichten parat: Die Landesregierung geht die gut 2,5 Millionen teuren Sanierungsarbeiten am Schloss wohl in naher Zukunft an. Bis in drei, vier Jahren könnten die Festspiele wieder ins Schloss ziehen.

Denn: das Land stehe zum Uracher Musikherbst, machte Claudia Rose, Ministerialdirigentin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, deutlich. "Das Festival ist nach 35 Jahren nicht mehr aus dem Kulturleben in Baden-Württemberg wegzudenken", sagte die Vertreterin der grün-roten Regierung - und legte nach: In diesem Jahr habe das Land den Zuschuss für die Herbstlichen Musiktage um zehn Prozent erhöht, und zwar auf 70 000 Euro.

Hauptsponsor der ersten Stunde ist indessen auch die Volksbank Ermstal-Alb, die ihren Vorstandsvorsitzenden Bernd-Dieter Reusch auf die Bühne schickte. Auch dem Banker beschert die Musik Glücksmomente, plauderte Reusch aus Nähkästchen. Früher verzauberte ihn Gitarren am Lagerfeuer und die Klänge von Simon und Garfunkel. "Heute begeistert mich die klassische Musik."

Unvergessen: Beethovens Neunte bei den Musiktagen, so der Volksbank-Chef, der augenzwinkernd eine Brücke zum Gewinnspar-Modell seines Hauses schlug. "Auch dafür braucht man Glück."

Info Karten und weitere Informationen: Herbstliche Musiktage Bad Urach Telefon: ( 0 71 25) 94 60 6. Weitere Artikel zum Thema lesen Sie auf unserer Seite "Kultur in der Region".