Reutlingen Gewerkschaft setzt sich für faire Preise ein

Billig, billiger … noch billiger geht es nicht: Die Lebensmittel-Gewerkschaft NGG fordert faire Preise für gute Qualität – erst recht in den Fleischregalen der Discounter.
Billig, billiger … noch billiger geht es nicht: Die Lebensmittel-Gewerkschaft NGG fordert faire Preise für gute Qualität – erst recht in den Fleischregalen der Discounter. © Foto: Tobias Seifert/NGG
Reutlingen / swp 25.07.2018

2,19 Euro für 600 Gramm Nackensteak? Mit Blick auf die Grillsaison im Landkreis Reutlingen warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vor Ramschpreisen beim Fleisch. Rabattschlachten in den Supermärkten gefährdeten nicht nur die Qualitätsstandards bei Schwein, Rind und Geflügel. „Auch Jobs sind bedroht, wenn immer mehr und immer billiger produziert wird“, sagt Karin Brugger von der NGG Ulm-Aalen/Göppingen. Nach Angaben der Arbeitsagentur sichert die Fleischwirtschaft rund 1440 Arbeitsplätze im Landkreis Reutlingen. In Baden-Württemberg beschäftigt die Branche rund 29 700 Menschen.

„Von der Aufzucht im Stall bis zur Zerlegung im Schlachtbetrieb – Fleisch ist in der Herstellung extrem aufwendig. Allein für ein Kilo Rindfleisch sind in der Produktion 15 000 Liter Wasser nötig“, macht Karin Brugger deutlich. Das müsse sich aber auch am Preis zeigen. Statt auf das Billig-Prinzip zu setzen, sollten Discounter mit gutem Beispiel vorangehen und sich gemeinsam zu fairen Mindestpreisen bekennen. „Und auch Verbraucher haben die Wahl. Die Packung Bratwürste sollte dem Käufer schon mehr wert sein als ein Bund Bananen“, sagt Karin Brugger. Die NGG Ulm-Aalen/Göppingen appelliert: „Statt bei Aldi & Co. kann man sein Steak auch beim Metzger im Ort kaufen. Der bietet Qualität und sichert Arbeitsplätze in der Region.“ Mit Blick auf die industrielle Fleischverarbeitung fordert die Gewerkschaft verpflichtende Branchen-Standards: „Nur wer eine Ausbildung hinter sich hat, sollte schlachten und Fleisch zerlegen dürfen. Und diese anstrengenden Jobs müssen auch vernünftig bezahlt werden“, so Karin Brugger weiter.

Der Hunger auf Fleisch ist indes auch außerhalb der Grillzeit ungebrochen groß. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aß jeder Deutsche zuletzt durchschnittlich gut 36 Kilogramm Schweinefleisch pro Jahr. Beim Geflügel waren es 12,5 und beim Rindfleisch 9,7 Kilo.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel