Reutlingen Gewalt an Frauen: Aktion "One billion rising" auf dem Marktplatz

Auch Reutlingen ist am Donnerstag bei "One billion rising" am Start: Judith Quack, Irene Köpf und Linda Heitmann (von links) laden ab 17 Uhr zum Tanzen zu Trommelklängen auf den Markplatz ein. Foto: Karin Lober
Auch Reutlingen ist am Donnerstag bei "One billion rising" am Start: Judith Quack, Irene Köpf und Linda Heitmann (von links) laden ab 17 Uhr zum Tanzen zu Trommelklängen auf den Markplatz ein. Foto: Karin Lober
Reutlingen / KARIN LOBER 13.02.2013
Der Valentinstag ist nicht nur ein Tag für Verliebte. Auch die Künstlerin Eve Ensler ruft am 14. Februar mit der Aktion "One billion rising" weltweit dazu auf, ein Zeichen gegen die Gewalt an Frauen zu setzen.

Jede dritte Frau wird einmal im Leben Opfer von Gewalt. Weltweit sind also rund eine Milliarde (one billion) Frauen betroffen. Auf diesen Missstand macht die Aktion "One billion rising" aufmerksam: Sie fordert auf, gegen diese Misshandlungen zu protestieren - und zwar auf tanzende Art und Weise. Auch Reutlingen zeigt sich solidarisch: Ein Aktionsbündnis, bestehend aus Vertreterinnen des Frauenhauses, des Mädchencafés Görls sowie weiteren engagierten Frauen, lädt alle interessierten Frauen, Männer und Kinder zum Treffen auf den Marktplatz ein. Dort kann am 14. Februar ab 17 Uhr zu den Klängen der Trommlergruppe "oyibo" getanzt werden. Außerdem soll es Ansprachen geben.

Für jede misshandelte Frau soll eine Frau, ein Mann oder ein Kind in der Öffentlichkeit tanzen und protestieren, so die Idee von Eve Ensler. Die New Yorker Theaterautorin und Aktivistin initiierte 1998 erstmals einen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen und wählte dafür den Valentinstag aus. Ihr Leitgedanke: Frauen brauchen an diesem Tag keine Blumen, sondern das Versprechen der Gewaltfreiheit.

Dieses Jahr startet Ensler mit "One billion rising" weltweit durch: Bislang haben sich nach Internetangaben rund 13 000 Organisationen aus etwa 190 Ländern zum Mitmachen registriert. "Durch das Tanzen bringen wir zum Ausdruck, dass wir uns den Raum nehmen, um gegen die Gewalt an Frauen zu demonstrieren", erläutert Linda Heitmann, die mit Judith Quack und Irene Köpf zum Pressegespräch eingeladen hatte. Die drei Frauen gehören dem Reutlinger Aktionsbündnis an, das Prof. Dr. Monika Barz ins Leben gerufen hat. Der Reutlinger Dozentin, die an der Evangelischen Fachhochschule in Ludwigsburg unterrichtet, war es wichtig, dass auch an ihrem Wohnort eine Aktion steigt.

Für Irene Köpf ist die Kampagne ein gutes Mittel, um darauf aufmerksam zu machen, dass auch hier - mitten in unserer Gesellschaft - Frauen misshandelt werden. Dazu muss man nicht nach Indien fahren, spielt die Geschäftsführerin des Reutlinger Frauenhauses auf die Vergewaltigung und Misshandlung der indischen Studentin an, die an deren Folgen starb.

Die Kampagne sei gut, sagt Köpf zu "One billion rising". Doch sie sei nur dann sinnvoll, wenn die Einrichtungen, die betroffenen Frauen und Kindern Hilfe bieten, auch finanziell und personell ausreichend ausgestattet werden. Hieran hapere es in Reutlingen. "Wir sind hier seit 30 Jahren rund um die Uhr erreichbar", sagt Köpf. Dieses und einige weitere Angebote seien bislang nur durch den ehrenamtlichen Einsatz der Mitarbeiterinnen des Frauenhauses möglich. Zudem komme man nach wie vor nicht ohne Spenden über die Runden.

Einen Lichtblick hat sie derzeit allerdings: Kreis und Stadt werden voraussichtlich Zuschüsse für die therapeutische Arbeit mit von Gewalt betroffenen Kindern bewilligen. Das sei eine wichtige Aufgabe, da Kinder, die häusliche Gewalt erleben, ein vierfach erhöhtes Risiko haben, später selbst gewalttätig zu werden oder in einer von Gewalt geprägten Beziehung zu landen.

Vergangenes Jahr wurden rund 300 Frauen vom Frauenhaus und der Frauenberatungsstelle geholfen, informiert Köpf über die Arbeit vor Ort. Insgesamt 56 Frauen und 50 Kinder suchten Unterschlupf und Schutz im Reutlinger Frauenhaus. 66 Frauen wurden in 198 Gesprächen beraten, weitere 38 Frauen nach ihrem Aufenthalt im Frauenhaus bei ihrem Weg in ein eigenständiges Leben unterstützt. Hinzu kommen 151 telefonische Beratungen von Frauen, die Gewalt erlebt haben sowie 125 Beratungen von helfenden Personen, also Nachbarn oder Freunden.

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