Reutlingen Geträumte Landschaften

Reutlingen / OTTO PAUL BURKHARDT 02.01.2012
Ihre letzten Bilder drehten sich um ein großes Thema - die Vergänglichkeit allen Lebens. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ist Gude Schaal, eine der bedeutendsten Malerinnen der Region, mit 96 Jahren gestorben.

Den 60. Geburtstag des Reutlinger Künstlerinnenverbands Gedok - den hat Gude Schaal noch mit erlebt. Ihr "Männerbildnis" (2011), zu sehen in der Jubiläumsausstellung, erzählte von Sterblichkeit und Einsamkeit. Bis zuletzt war sie als Malerin aktiv und mit ihren Bildern präsent auf zahlreichen Ausstellungen in der Region.

"Ich male nicht vor dem Motiv, sondern aus dem Inneren", das war ihr Credo. Und so hat Gude Schaal, 1915 als Tochter der Romanschriftstellerin Grete Rehder in Hamburg-Altona geboren, die Meerlandschaften ihrer Jugend stets in sich bewahrt und auch später, als sie 1928 nach Stuttgart und 1942 nach Reutlingen zog, immer wieder neu malerisch erinnert und umkreist, immer wieder neu mit Seele belebt.

Studiert hat Gude Schaal in Hamburg, München und Leipzig, wo sie Meisterschülerin des Bauhaus-Künstlers Prof. Hans Tiemann war. Beeinflusst von den Stilrichtungen Expressionismus, Surrealismus und Neuer Sachlichkeit nahm sie 1957 die Malerei wieder auf.

Gude Schaal hat, abseits aller künstlerischen Moden, eine eigene, in der klassischen Moderne verwurzelte Bildsprache entwickelt. Ihre Landschaften, häufig Erinnerungen an die Nordseeküste, spiegeln nichts anderes als Seelenzustände - ernst, melancholisch, stumm, einsam, karg. Auch ihre Portraits loten tief, erforschen die existenzielle Spannung zwischen Mann und Frau und "zeigen Menschen in Lebenskrisen", wie eine Kunsthistorikerin es beschreibt.

Gude Schaals Bilder, motivisch oft angesiedelt an der Grenze von Land und Meer, künden in reduzierten Formen und dunklen, verhangenen, zuweilen glühenden Farben von einem ganz eigenen Erleben zwischen Dramatik und Stille, zwischen Tragik und Meditation, zwischen Intensität und Magie. "Ich kann nur aus meinem Inneren schöpfen", sagte sie einmal. Und: "Ich habe erst spät gemerkt, dass ich eine wilde Malerin bin", denn "die Seele kennt kein Alter".