Lichtenstein Gesucht: Ein Spender für Joel

Lichtenstein / Jürgen Herdin 06.12.2017

Nach der Chemotherapie, die leider nicht erfolgreich war, spielt der kleine Bub wieder, lacht und tobt herum wie fast alle Gleichaltrigen. Doch sein Leben ist in akuter Gefahr. Helfen soll dem an Leukämie erkrankten Joel Neubrander eine „passgenaue“ Stammzellen-Spende.

Weil es praktisch einer hundertprozentigen Übereinstimmung mit dem genetischen Gewebe von Joel bedarf, gleicht das oft der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Allerdings sind bei einem „Treffer“ die Chancen recht gut, die Krankheit zu besiegen. Um Spender zu finden, die Joel und anderen Menschen das Leben retten können, haben sich seine Eltern mit dem Handball-Verein SG Ober-/Unterhausen und der „Deutschen Stammzellspender-Kartei“ DKMS zusammengetan. Die große Registrierungsaktion ist am Sonntag, 17. Dezember, von 10 bis 16 Uhr in der Unterhausener Lichtensteinhalle. Die Schirmherrschaft hat Professor Peter Lang von der Universitäts-Kinderklinik in Tübingen. Er behandelt auch Joel.

Die DKSM-Sprecherin Laura Riedlinger räumte bei einem Treffen im Rathaus Unterhauen gleich eingangs mit einem Gerücht auf, von dem kein Mensch weiß, wie es je aufkommen konnte. „Viele Leute meinen, dass die Stammzellen aus dem Rückenmark der Wirbelsäule gewonnen würden. Das ist Unsinn“. Vielmehr findet die Stammzellenentnahme  zu rund 80 Prozent über die Blutbahn statt. Das andere Fünftel stammt aus einer ungefährlichen, kleinen Knochenmarks-Entnahme am Beckenkamm. „Mit der Wirbelsäule hat das also nichts zu tun“, so Riedlinger.

Als potenzielle Stammzellspender kommen für die DKMS alle Personen im Alter zwischen 17 und 55 Jahren in Frage, die keine Vorerkrankungen des blutbildenden Systems oder diverse andere gesundheitliche Probleme haben oder chronische Erkrankungen wie etwa Diabetes.

Bei der Registrierung am 17. Dezember reichen für den Check Wattestäbchen zur Bestimmung aus. Über 7,7 Millionen Menschen sind bei der DKMS bereits registriert – weltweit. In Deutschland allein sind es mehr als 5,3 Millionen. Länger als zehn Minuten dauert das Prozedere übrigens nicht.

Bei einer früheren Kampagne in Mössingen kamen über 1000 Menschen. Und das scheut den Initiator Timo Pfeiffer, den Vorsitzenden der SG Ober-/Unterhausen (SGOU), überhaupt nicht. „Wir haben 50 Helfer vor Ort, die als kleines Dankeschön für die Teilnehmer auch für kostenlose Verpflegung sorgen“, so Pfeiffer.

Joels Vater, der Lichtensteiner Jens Neubrander, er ist auch Handballer bei der SGOU, berichtete über den Schock im Sommer des Jahres. Am Anfang hatte der kleine Bub nur Schwellungen der Lymphknoten am Hals. „Dann nahm das Unheil seinen Lauf“, so Neubrander. „Und vor zwei Wochen stand nach den Chemotherapien fest, dass die nicht ausgereicht haben.“

„Eine Heilung ist in 85 Prozent der Fälle möglich“, weiß der ärztliche Direktor der Uni-Kinderklinik Tübingen, Professor Peter Lang. Neue, passende Stammzellen könnten dafür sorgen. „Sie sorgen für den Aufbau eines neuen Immunsystems, man muss sich das vorstellen wie eine Organtransplantation“, erläuterte Lang, der Joel behandelt. Joel bekommt demnächst  zwölf Wochen lang eine – nun stärkere – Chemotherapie. Bis dann aber sollte ein passender Spender feststehen.

„Rund 50 Kinder werden bei uns jedes Jahr behandelt“, so Lang. „Wir gehören damit zu den größten Zentren in diesem Bereich der Pädiatrie“. Das Zentrale Knochenmarkregister befindet sich in Ulm, wo ebenfalls elektronisch der Abgleich zwischen dem genetischen Material der Patienten und dem der Spender vorgenommen wird.

Typisierung und Geldspenden

„Gemeinsam für Joel und andere“ heißt die Aktion der Lichtensteiner Sportler und der DKMS am 17. Dezember. Die benötigt aber auch Geldspenden. Wer auf diese Weise helfen möchte: Verwendungszweck „Joel“, Kreissparkasse Tübingen. IBAN: DE58 6415 0020 0002 0840 17.