Pfullingen / Von Evelyn Rupprecht  Uhr

Ade Ursel, mach’s gut. Schade, dass Du aufhören musst“: Den Satz hört die Inhaberin des Bauernladens in den Pfullinger Rathaus-Arkaden derzeit täglich – und das Dutzende Male. Den Stammkunden geht der Abschied nahe. Aber noch schwerer fällt er Ursel Erdmann selbst. „Ich gehe unter vielen Tränen“, sagt die Pfullingerin, die das Geschäft vor 19 Jahren zusammen mit drei anderen Frauen gegründet hat. „Wir wollten die Bauern aus der Umgebung unterstützen und haben nur regionale Produkte ins Sortiment aufgenommen“, blickt sie zurück. „Damals waren wir die einzigen, die auf Regionales gesetzt haben. Heute macht das jeder. Und das ist das Problem“. Doch nicht nur deshalb hat Erdmann beschlossen, „die Reißleine zu ziehen“ und den Bauernladen, der einst ein Pfullinger Vorzeigeprojekt war, am 31. August zu schließen.

Große Investitionen

Das finanzielle Risiko war für die Geschäfts-Inhaberin nicht mehr kalkulierbar. „Es sind vor allem gesetzliche Vorschriften, die mir das Leben schwer machen“, berichtet Erdmann, die nicht nur zwei neue Kühltheken hätte anschaffen müssen, sondern auch eine neue Kasse. „Die, die ich jetzt habe, ist gerade mal zwei Jahre alt, aber es gibt neue Richtlinien und deshalb darf ich sie demnächst nicht mehr benutzen“, sagt die Geschäftsfrau, die die Investitionen einfach nicht mehr stemmen wollte, weil auch die Kunden nach und nach weniger geworden sind. „Baustellen, Baustellen, Baustellen“, macht sie dafür verantwortlich. Und tatsächlich hat sich diesbezüglich direkt vor ihrer Ladentür auf dem Marktplatz in den vergangenen Monaten viel getan. Erst wurde das Dach der Tiefgarage saniert und Teile des Platzes waren gesperrt, jetzt ist es der Turm der Martinskirche, der saniert wird – weshalb ein riesiger Bauzaun aufgestellt werden musste. Demnächst soll die eigentliche Marktplatz-Sanierung folgen – doch dann wird es den Bauernladen schon längst nicht mehr geben. Nur die Bäckerei, die vorn in den Rathaus-Arkaden ihren Platz gefunden hat, bleibt weiter geöffnet, der gesamte hintere Bereich des Ladens wird geräumt.

Was Ursel Erdmann macht, wenn sie die Pforten des Bauernladens, in dem sie die Arbeit momentan mit nur einer einzigen Aushilfe zusammen stemmt, nach 19 Jahren für immer schließt? „Erst mal mache ich Urlaub, ich brauche eine Pause. Und dann werde ich mir eine Anstellung suchen“, schaut sie voraus.

Aber auch die nächsten Wochen bis zum 31. August werden kein Zuckerschlecken. Fast jedes Kundengespräch dreht sich um das Ende des Bauernladens, der für viele nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit ist, sondern auch ein Treffpunkt für ein ausgiebiges Schwätzle.