Eine völlig wirre Geschichte präsentierte ein 27-jähriger Angeklagter am Dienstag in der Verhandlung vor dem Landgericht Tübingen. Er soll mit insgesamt 40 Kilo Marihuana gehandelt haben. Hatte er am ersten Verhandlungstag noch vehement bestritten, Marihuana auch nur besessen zu haben, gestand er nun die 40 Kilogramm von albanischen Händlern erhalten zu haben. Die Zusammenhänge blieben jedoch sehr konfus.

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Metzingen

Marihuana, Haschisch und eine nicht geladene Schusswaffe

Klar ist einem ermittelnden Polizeibeamten zufolge: Dass in einer Autowerkstatt im Kreis Reutlingen eine größere Menge Gras gelagert werde, ging als Tipp eines verdeckten Ermittlers bei seiner Dienststelle am 18. Januar 2019 ein. Bei der Durchsuchung wurden tatsächlich unter einer Treppe versteckt rund 17 Kilo Marihuana und etwa fünf Kilo Haschisch gefunden. Dazu eine nicht geladene Schusswaffe. Ursprünglich ging es laut Staatsanwaltschaft wohl um eine noch größere Menge Drogen. Der Werkstattbesitzer sowie eine weitere Person kamen in Untersuchungshaft – und wurden im Sommer vergangenen Jahres rechtskräftig verurteilt: ein Angeklagter zu drei Jahren und sieben Monaten, der andere zu sechseinhalb Jahren Haft. Die Auswertung einer Riesenmenge Daten auf dem Handy des Werkstattbesitzers führte zu weiteren Durchsuchungen, etwa bei dem nun angeklagten Libanesen.

Aus Angst vor der albanischen Mafia mehrfach umgezogen

Der lebt seit 2006 in Deutschland, hat laut Staatsanwaltschaft mit dem Kreis Reutlingen aber eigentlich nichts zu tun, er wohnte in Stuttgart, Ludwigsburg und vor seiner Verhaftung in Heilbronn. An seinen letzten Wohnort sei er aus Angst vor der albanischen Mafia gezogen, sagte er vor Gericht, nachdem Albaner vor seiner Stuttgarter Wohnung aufgetaucht seien und die Tür eingetreten hätten. Doch er war nicht zuhause. Auf den Rat eines Kumpels hin habe er sich zwischen 23. Dezember 2018 und 20. Januar 2019 in den Libanon verzogen.

Mittlerweile dritte Version einer Geschichte über Drogen und die albanische Mafia

Klar ist nach den Worten des Polizeibeamten auch, dass das in der Werkstatt gefundene Marihuana aus Albanien stammte. Dennoch: „Das ist heute die dritte Version ihrer Aussage, die Sie uns präsentieren“, sagte die Vorsitzende Richterin Manuela Haußmann. Dabei sei die auch nicht glaubwürdiger als die beiden vorherigen. Diesmal führte der Angeklagte aus, er sei als Drogenkurier angefragt worden, weil der Auftraggeber keinen Führerschein gehabt habe.

Zwei Gramm Kokain für 4000 Euro im Monat

Warum er das machte? „Ich war unter Drogen.“ Täglich habe er zwei Gramm Kokain zu sich genommen, das Gramm zu 70 Euro. „Das macht im Monat rund 4000 Euro für die Drogen. Wie haben Sie das bezahlt?“, fragte Haußmann. Angegeben hatte der Angeklagte, dass er durch den Handel mit Autos rund 3000 Euro im Monat verdient. „Manchmal habe ich was umsonst gekriegt“, lautete die wenig glaubwürdige Antwort des 27-Jährigen. Bei vorherigen Vernehmungen hatte er stets behauptet, er konsumiere nur gelegentlich Kokain. Auf Zweifel der Richter hin sagte der Mann am Dienstag: „Das ist wirklich die Wahrheit.“ Doch das hatte er zuvor schon stets beteuert.

Bereits verurteilter Werkstattbesitzer soll Geld des Angeklagten unterschlagen haben

Kaum glaubhaft schien auch die Geschichte, dass der Werkstattbesitzer dem 27-Jährigen noch 16 000 Euro schuldete, der Angeklagte den Autohändler aber trotzdem angezeigt hatte. Warum? „Der Mann hat 10 000 Euro unterschlagen“, so die Antwort. Und, nochmal: Angst vor der albanischen Mafia. Den Werkstattbesitzer anzuzeigen, dann das säumige Geld einzutreiben, um einen Teil dem verurteilten Inhaftierten zurückzugeben – „das verstehe ich nicht“, sagte Richterin Haußmann. Die Verhandlung wird am 17. Juli fortgesetzt.