Betzingen Gereinigtes Abwasser gibts nicht umsonst

SER-Bereichsleiter Anton Schmuker, Arno Valin, Leiter des Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt, sowie Klärwerksleiter Klaus Baumann (von links). Foto: Spieß
SER-Bereichsleiter Anton Schmuker, Arno Valin, Leiter des Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt, sowie Klärwerksleiter Klaus Baumann (von links). Foto: Spieß
Betzingen / JÜRGEN SPIESS 28.08.2013
Hier wird das Abwasser von rund 140 000 Einwohnern behandelt und gereinigt: Aufgrund der langen Betriebszeit soll nun die Kläranlage West in Betzingen saniert werden - für über 30 Millionen Euro.

Mehr als 70 Jahre hat sie bereits auf dem Buckel. Seit die Stadtentwässerung Reutlingen (SER) die Kläranlage West im Jahr 1951 in Betrieb nahm, wurde sie nach und nach ausgebaut und erweitert. Allerdings erlangte die Schlammbehandlung ihren heutigen Ausbauzustand bereits in den 1970er Jahren und wird auch heute noch mit einem Großteil der damaligen Anlagenteile betrieben.

Verschleiß und Abnutzung machen deshalb umfangreiche Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen unumgänglich und sollen in den nächsten zehn Jahren in vier Stufen realisiert werden. Hierfür werden über 30 Millionen Euro veranschlagt.

Zudem wurden bei dem Hagelunwetter vom 28. Juli die Dachabdichtungen von zwei großen Faulbehältern zerstört. Diese nicht eingeplanten Reparaturarbeiten müssen nun vorgezogen werden und kosten die Stadtentwässerung Reutlingen (SER) "an die 300 000 Euro", so Arno Valin.

Der Leiter der SER und des Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt stellte mit seinen Kollegen, dem SER-Betriebsleiter Anton Schmuker und dem Leiter des Klärwerks, Klaus Baumann, die Schritte des Sanierungsvorhabens vor. Bereits im Frühjahr diesen Jahres wurde die Erweiterung der Prozesswasserbehandlungsanlage nach einer Bauzeit von 15 Monaten abgeschlossen.

"Die Anlage wurde erforderlich", so Arno Valin, "um die Werte des Kläranlagenablaufes zu stabilisieren und die Stickstoffspitzen zu reduzieren". Rund zwei Millionen Euro kostete diese erste Maßnahme.

Als aufwendigste und kostenintensivste Aufgabe steht als nächstes die Erneuerung und Modernisierung der Schlammbehandlung und des Energienetzes an. Während die Schlammentwässerung bereits vor 35 Jahren in Betrieb genommen wurde, sind auch die Anlagen des Energienetzes völlig veraltet und müssen erneuert werden. Die Mittelspannungsanlage wurde 1962 gebaut, die Trafos stammen aus dem Jahr 1964.

Ziel der Modernisierung ist, die Energieeffizienz zu steigern und "die zu entsorgende Klärschlammmenge möglichst weit zu verringern", betont Klaus Baumann. Mit der baulichen Realisierung soll im Jahr 2015 begonnen werden, der Abschluss der umfangreichen Maßnahmen, die alle im laufenden Betrieb auszuführen sind, ist bis spätestens 2019 geplant. Der Investitionsbedarf liegt bei ungefähr 15,5 Millionen Euro.

Ein weiterer dringender Erweiterungsbedarf besteht beim Betriebsgebäude und hier speziell bei den Umkleideräumen, Duschen und Sanitäranlagen für die insgesamt 16 Mitarbeiter. 2017 sollen diese und andere Maßnahmen wie Erneuerungen von Betonteilen, technischen Einrichtungen und Steuerungstechnik abgeschlossen sein, die Kosten bewegen sich in einer Größenordnung von insgesamt rund elf Millionen Euro. Nicht zuletzt rechnen Arno Valin und seine Kollegen damit, dass in den nächsten Jahren im Zuge der EU-Wasserrahmen-Richtlinie eine Reduzierung des Phosphorgrenzwertes im Neckareinzugsgebiet von derzeit zwei Milligramm pro Liter auf 0,5 Milligramm pro Liter umgesetzt wird.

Um diesen Grenzwert einzuhalten, wäre eine Sandfilteranlage mit einem Investitionsaufwand von rund 14,5 Millionen Euro notwendig. Zudem wird im Land derzeit die Reduzierung von weiteren gefährlichen Stoffen (zum Beispiel Arzneimittel und Chemikalien) im Abwasser diskutiert, was den Bau einer Aktivkohle-Anlage für 9,5 Millionen Euro erforderlich machen würde. "Wann diese Anlagen zum Bau anstehen", so Anton Schmuker, "ist letztendlich von den weiteren Auflagen der Genehmigungsbehörde abhängig."

Daten und Fakten zu der Anlage
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