Ein Generationenprojekt gewinnt immer mehr an Kontur: Im Mössinger Rathaus fand gestern die Gründungsversammlung des Zweckverbands Regionalstadtbahn Neckar-Alb statt. Die solidarische Grundstimmung der Sitzung – alle Entscheidungen wurden einstimmig gefällt – mache laut Thomas Reumann Mut für eine positive Entwicklung des ehrgeizigen, aber auch spannenden Projekts: „In der Gemeinschaft werden wir das schaffen“, ist sich der Landrat des Kreises Reutlingen sicher. Reumann wurde zum Vorsitzenden des Zweckverbands gewählt. „Wir sind bereits ganz gut unterwegs.“

Eines der wichtigen Ziele sei zunächst eine arbeitsfähige Struktur aufzubauen. Die Geschäftsstelle des Zweckverbands wird in Mössingen sein. Dort sitzt auch der Regionalverband Neckar-Alb – dessen Verbandsdirektor Dr. Dirk Seidemann hat beim neu gegründeten Zweckverband den Posten des nebenamtlichen Geschäftsführers inne.

Bei der nächsten Verbandsversammlung am 21. Mai sollen bereits Personalentscheidungen gefällt werden, gesucht werden neben einem hauptamtlichen Geschäftsführer sechs weitere Mitarbeiter. Zwar sei die Arbeitsmarktsituation in diesem Bereich etwas angespannt, so Reumann: „Aber wir können durch die faszinierende und spannende Aufgabe punkten, die sich stellt.“

Bereits zum Regionalstadtbahn-Team gehört Gabriel Garreis: „Er ist ein ausgewiesener Fachmann und ein Glücksfall für uns, er brennt für diese Aufgabe.“ Die Aufgabe ist in der Tat gewaltig, Regionalverbandsvorsitzender Eugen Höschele spricht von einem Quantensprung in der Mobilität auf Schienen: Durch das gemeinsame Projekt Regionalstadtbahn Neckar-Alb des Regionalverbands der Kreise Reutlingen, Zollernalb und Tübingen, werde die Infrastruktur einer prosperierenden Region mit den ebenfalls involvierten Oberzentren Reutlingen und Tübingen verknüpft – immerhin betrifft das dann rund 700 000 Menschen. „Das ist mehr als ein Meilenstein, das ist ein Sechs-Meilenstein“, freute sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.

Nun müssten die Menschen in der Region Neckar-Alb nach Ansicht der Verantwortlichen ausreichend über das Projekt informiert werden und man muss es schaffen, ihre Begeisterung zu wecken: „Wir müssen sichtbar sein“, machte Thomas Reumann bei der Pressekonferenz zur Gründungsversammlung deutlich. Eine weitere, zentrale Aufgabe sei die Aufstellung eines Finanzierungsschlüssels: „Ich bin mir sicher, dass wir ihn solidarisch und fair erarbeiten werden“, unterstrich Günther-Martin Pauli, Landrat des Zollerbalb-Kreises. Denn immerhin hätten die sechs Partner das Projekt in großer Solidarität zur Startfähigkeit gebracht: „Gemeinsam haben wir bereits einen langen Atem bewiesen.“

Die Regionalstadtbahn sei noch nicht auf den Schienen, aber „die Gleise sind sichtbar“, so Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Reutlingen, mit seinem hohen Einpendler-Anteil, sei mit den Vorbereitungen weit vorangeschritten, weil die Stadt zu dem Projekt stehe und seit 2003 mit Nachdruck daran arbeite. So werde das neue Stadtbuskonzept, das im September umgesetzt wird, die Regionalstadtbahn andienen. „Wir profitieren von ihr in vielfacher Hinsicht“, machte Bosch deutlich.

In der Mobilität und der Luftreinhaltung, und letztlich steige dadurch die Lebensqualität der Menschen. Nun gelte es laut dem Verbandsvorsitzenden Reumann, so schnell wie möglich die Gespräche mit dem Land und vor allem mit dem Bund über das auf eine Milliarde Euro kalkulierte Projekt aufzunehmen, das bis jetzt von beiden Seiten positiv begleitet und bewertet wurde. „Ich hoffe, es bleibt dabei“, so Reumann.

Die Realisierung der Regionalstadtbahn Neckar-Alb stehe und falle mit der Förderfähigkeit durch den Bund. „Sonst werden wir das Generationenprojekt nicht durchsetzen können.“ Auf zeitliche Eckpunkte wollten sich der Verbandsvorsitzende Reumann und seine Stellvertreter Höschele, Bosch, Palmer, Pauli und Joachim Walter (Landrat Kreis Tübingen) angesichts der komplexen Planung nicht festlegen, sie erwarten einen sehr dynamischen und spannenden Prozess.