Reutlingen Gemeinschaft in Vielfalt

Reutlingen / JÜRGEN HERDIN 02.03.2015
Rund 400 katholische Christen haben am Samstag die Fusion von vier katholischen Gotteshäusern zur St. Lukas-Gemeinde gefeiert. "Wir wollen mit Gott neue Wege gehen", so Pfarrer Matthias Dangel.

Als Gaben mit auf den Weg überreichten die Pfadfinder der Heilig-Geist-Kirche eine Gitarre. Die Gönninger von St. Michael legten eine Blumensamen-Sammlung auf den Altar. Die Kirche Bruder Klaus aus Betzingen überreichte ein Radbild, und eine Schale Taufwasser gab es von St. Johannes in Ohmenhausen.

Aus zwei Reutlinger Seelsorgeeinheiten mit vier Kirchen wurde zu Jahresbeginn die neue St. Lukas-Gemeinde mit 10.900 Christen. Und das sollte gebührend gefeiert werden, zumal der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst für diese Neuorganisation schon früh und gerne grünes Licht gegeben hatte. Kam doch der Vorschlag samt Vorbereitung aus den Seelsorgeeinheiten selbst. Die offizielle Gründungsfeier war dann in der Aula der Hochschule, und das kam so: Der Kirchengemeinderat wollte dieses Fest "auf neutralem Boden feiern". Aber es sollten genügend Menschen Platz haben. Die Stadthalle war den Katholiken zu teuer - und dann trat Prof. Georg Obieglo in Aktion. Selbst Kirchengemeinderat war er ein Vierteljahrhundert Rektor der Hochschule - und gehört dieser weiter an. "Ja und dann haben sich die Türen auf dem Campus geöffnet", sagte er schmunzelnd, mit dem Schlüsselbund in der Hand spielend. Obieglo war es dann auch, der die Gäste unten an der Garderobe begrüßte.

Während dort später Kinderkirche war, sagte in der Aula Matthias Dangel: "Es ist ein denkwürdiges Fest - und ich finde es schon spannend, dass die St. Lukas-Gemeinde gar kein eigenes Gotteshaus hat".

Dafür behalten aber alle vier physisch vorhandenen Kirchen ihre Namen. Und niemand solle Angst haben vor "einer Monstergemeinde, die oh so weit weg sei". Genau das sei nicht so. Und es seien nun sogar "ganz große Freiheiten da", so Dangel. In kleinen Gremien könnten die Reutlinger Katholiken vor Ort, in Betzingen, in Ohmenhausen, in Gönningen und in der Reutlinger Alteburgstraße - ohne dass es irgendwelcher Strukturen oder Wahlen bedarf - agieren, ihre Ziele formulieren, "ohne dass da immer der Pfarrer dabei sein muss", so Dangel. Der hat es nun mit 22 statt 30 Kirchengemeinderäten zu tun. "Wir suchen neue Wege mit Gott und der Gemeinde", sagte Dangel.

Im Gebet hörte es sich, im Beisein von Dekan Hermann Friedl, dann so an: "Segne unseren Weg als Gemeinde aus vier Gemeinden, als Gemeinschaft in Vielfalt: die Heimat mit Dir und die Sehnsucht nach Zukunft mit Dir. Lass' uns Brücken bauen." Es gelte, sagte Dangel in seiner Predigt, auch einmal Abstand zu suchen, eingefahrene Ansichten zu überprüfen - "und auch Grenzen zu überschreiten und mit Gott immer neue Wege zugehen".

Das charakterisiert auch das Tun des Evangelisten Lukas, des Namensgebers, der hinter dem Altar in Form eines großen Lichtbildes der Gründungsfeier beiwohnte. Lukas ist zudem der alte Namenspatron Reutlingens. Der Evangelist siegte bei der Wahl zur Namensgebung nur knapp vor Mutter Teresa.

"Ob's klappt, Familie zu sein? Wir probieren's", sagte Matthias Dangel, der sich im Übrigen auch über eine nun schlankere, zentrale Verwaltung freut. Jetzt habe man also den Aufbruch gewagt, wobei Dangel auch versprach, immer vor Ort präsent zu bleiben.