Reutlingen / SWP Ob E-Book, E-Audio, E-Paper oder E-Video: Die öffentlichen Bibliotheken halten mit dem digitalen Trend Schritt. Im Juli starten zehn Bibliotheken mit der E-Ausleihe Neckar-Alb - Medien zum Download.

ANNE LEIPOLD

Interkommunal gestaltet sich die neue Ausleihe der elektronischen Medien. Ob Bücher, Hörbücher, Zeitschriften oder Videos - all diese Medien stehen ab Juli in zehn öffentlichen Bibliotheken der Region für die dortigen Kunden zum Herunterladen bereit. Den festen Rahmen gibt die jetzt unterzeichnete Vereinbarung zwischen den Bürgermeistern der Kommunen Bodelshausen, Dettingen, Dußlingen, Laichingen, Langenau und Münsingen sowie den Oberbürgermeistern von Metzingen, Mössingen, Tübingen und Reutlingen im großen Studio der Stadtbibliothek.

Seit Oktober 2008 ist die digitale Ausleihe in der Reutlinger Stadtbibliothek möglich. Bereits 4500 elektronische Medien sind hier eingepflegt, auf die momentan rund 1200 Kunden zugreifen. Davon nutzen 13 Personen ausschließlich die Ausleihe per Internet, ein Leser wohnt sogar auf Teneriffa.

Allein im vergangenen Jahr wurden rund 11 000 Medien auf elektronischem Weg ausgeliehen. Besonders nach Weihnachten sei die Nachfrage stark angestiegen, hat Bibliotheksleiterin Christa Gmelch beobachtet. Weitere 2000 digitale Medien werden zum Start am 5. Juli in Tübingen angeschafft und schließlich kontinuierlich weiter ausgebaut, sagte Gmelch. Im Bereich der Zeitschriften kann im ersten halben Jahr Dein Spiegel, die Wirtschaftswoche und Der Spiegel online genutzt werden.

Die gemeinsame Homepage präsentiert sich in frühlingshaftem Grün mit einem gemeinsamen Logo, aber auch von jeder Seite der teilnehmenden Bibliotheken ist der Zugriff möglich. Benötigt wird lediglich ein gültiger Bibliotheksausweis. Wie beim Online-Einkauf wird das gewünschte Medium in den Medienkorb gelegt und ausgeliehen. Schließlich kann der Titel in den Formaten ePUB, PDF, wma oder wmv heruntergeladen werden, ob auf den Computer, das Notebook, den E-Book-Reader, das iPad, Smartphone, den Tablet-PC oder MP3-Player. Nach Ende der Leihfrist - Bücher und Hörbücher 14 Tage, Video sieben Tage und Zeitschriften einen Tag - erklärt Alexandra Piper von der Stadtbibliothek, werden die Titel vom Benutzerkonto gelöscht und können auf den Datenträgern nicht mehr genutzt werden. Der Kunde hat den Vorteil, dass keine Mahngebühren anfallen und die Vormerkung im Internet für ihn kostenlos ist.

"Wenn wir schon digital unterwegs sind, bietet es sich an, das gemeinsam zu machen und gemeinsam der Bürgerschaft in der Region die Medien zur Verfügung zu stellen", freute sich Reutlingens OB Barbara Bosch über dieses "denkwürdige Ereignis" und die "außerordentlich lobende Sache". Sie ist überzeugt, mit dieser Vereinbarung den richtigen Weg einzuschlagen, zumal die gesellschaftliche Entwicklung dies den Bibliotheken abverlange. Finanziert wird die digitale Ausleihe über die Kommunen, die jährliche je fünf Cent pro Einwohner für die Anschaffung der Medien zur Verfügung stellen. Darüber hinaus leisten sie einen jährlichen Beitrag an die digitale virtuelle Bibliothek.

An dieser interkommunalen Zusammenarbeit können sich weitere öffentliche Bibliotheken der Region beteiligen, bis zu einer Gesamtzahl von maximal 500 000 Einwohnern. Für das kommende Jahr gibt es bereits Interessenten, weiß Gmelch.