Bruderhaus-Diakonie Gemeinsam Freizeit gestalten

Beke Weis, Projektkoordinatorin beim Jugendmigrationsdienst der Bruderhaus-Diakonie, zieht bereits jetzt eine positive Bilanz des „Do-it!“-Projekts, das noch bis Herbst 2019 läuft.
Beke Weis, Projektkoordinatorin beim Jugendmigrationsdienst der Bruderhaus-Diakonie, zieht bereits jetzt eine positive Bilanz des „Do-it!“-Projekts, das noch bis Herbst 2019 läuft. © Foto: Eissler
Reutlingen / Carola Eissler 19.05.2017

Die Sprache in einem fremden Land zu lernen ist die eine Sache. Doch wer sie im Alltag nicht anwendet, weil ihm die entsprechenden Kontakte und sozialen Bindungen fehlen, wird nur schwer in die fremde Kultur hineinfinden und sich in der neuen Heimat wohlfühlen. Damit dies bei jungen Flüchtlingen anders ist, hat der Jugendmigrationsdienst der Bruderhaus-Diakonie seit geraumer Zeit das Projekt „Do-it!“ aufgelegt, auf drei Jahre finanziert von der Baden-Württemberg-Stiftung. „Wir haben festgestellt, dass es gut ist, wenn Kinder und Jugendliche neben der Sprachförderung auch Kontakte zu Gleichaltrigen bekommen, zu Gruppen und Vereinen“, sagt Christa Herter-Dank vom Jugendmigrationsdienst.

Rund 200 Jugendliche sind bereits mit dem Programm in Kontakt gekommen, viele konnten an Vereine vermittelt werden, andere wiederum sind an neu entstandenen Gruppen beteiligt. Das Prinzip ist denkbar einfach: Die Kinder und Jugendlichen werden an den Nachmittagen zu Freizeitaktivitäten motiviert. Gemeinsam etwas unternehmen, lautet das Motto. Da entstehen dann Koch-, Sport- oder Tanzgruppen. Ganz neu hat Anfang Mai ein Hip-Hop-Tanz-Workshop im Haus der Jugend begonnen. Gleichzeitig bringen die Projektmitarbeiter die jungen Leute in Kontakt zu bereits bestehenden Gruppen, sei es in Vereinen oder sonstigen Einrichtungen.

„Es geht darum, Freizeitangebote zu schaffen und zu koordinieren“, sagt Projektkoordinatorin Beke Weis. „Denn oft ist es so, dass die Kinder und Jugendlichen morgens in die Sprachförderung gehen, mangels Kontakten das Erlernte aber nachmittags nicht anwenden können.“ Dabei versteht sich das „Do-it!“-Projekt durchaus auch als Brücke zu bereits bestehenden Gruppen. So entstanden zum Beispiel Kontakte zum Kickboxen der TSG Reutlingen, wo gemeinsam trainiert wird.

Acht neue Angebote

Gruppen, Angebote und Aktivitäten gibt es an allen drei Standorten des Jugendmigrationsdienstes in Reutlingen, Metzingen und Bad Urach. Acht neue Angebote und Gruppen konnten inzwischen aufgebaut werden. Der Vorteil beim „Do-it!“-Projekt: Der Jugendmigrationsdienst bietet umfassende Hilfen und Angebote und ist gut vernetzt. Hauptamtliche Mitarbeiter und Honorarkräfte haben Kapazitäten, um die Kinder und Jugendlichen zu begleiten. Gleichzeitig stehen auch Ehrenamtliche zur Verfügung, um zu unterstützen. Christa Herter-Dank formuliert es so: „Wir können aus der Bundes-Aufgabe heraus agieren.“ Will heißen: Da der Jugendmigrationsdienst vonseiten des Bundes mit der Betreuung und Begleitung der jungen Flüchtlinge  bis 27 Jahre beauftragt ist, stehen die Hilfen auf solider und breiter Basis. Neben den Gruppenangeboten gibt es da im Bedarfsfall auch schnell die Möglichkeit zu einer Einzelfallberatung.

Seit September vergangenen Jahres läuft das Projekt in den drei Städten, Beke Weis kann bereits jetzt eine überaus positive Bilanz ziehen. „Die Jugendlichen sind enorm dankbar für diese Angebote, viele machen mit.“ Relevant sei die Niederschwelligkeit und die Bezugspersonen, die im Projekt zur Verfügung stehen. „Wenn’s sein muss, geht ein Mitarbeiter auch fünf Mal mit zum Fußballtraining, um den Jugendlichen zu unterstützen. So lange eben, bis der Jugendliche selbst Kontakte zu Gleichaltrigen geknüpft hat.“

Das „Do-it!“-Projekt, das bis Herbst 2019 über das Programm „Vielfalt gefällt“ der Baden-Württemberg-Stiftung gefördert wird, darf gerne noch erweitert werden, sagt Beke Weis. Und auch Leute, die mit Jugendlichen arbeiten und diese gerne ins Projekt bringen würden, können sich an sie wenden.

Durch die Flüchtlinge in der Region Neckar-Alb hat sich auch die Arbeit des Jugendmigrationsdienstes in den vergangenen Jahren verändert. Einst ins Leben gerufen, um die jungen Spätaussiedler zu betreuen und sie in Deutschland zu integrieren, öffnete sich der Jugendmigrationsdienst 2004 für alle Nationalitäten. Durch die Ankunft von Flüchtlingen hat sich seit Herbst 2015 das Aufgabengebiet des Jugendmigrationsdienstes nochmals erheblich erweitert.

„Do-it!“-Projekt für Jugendliche

Das „Do-it!“-Projekt, gefördert von der Baden-Württemberg-Stiftung, bietet Freizeitangebote für Kinder, Jugendliche und junge Menschen mit und ohne Fluchterfahrung. Die Mitarbeiter unterstützen die jungen Leute zudem dabei, Angebote anderer Träger kennen zu lernen. Koordinatorin: Beke Weis, Telefon (01 76) 34 20 18 26 oder über das Büro des Jugendmigrationsdienstes unter Telefon (07121) 29171. ce