Verdi macht mobil. Die Dienstleistungsgewerkschaft will heute gegen "Profitgier und Tarifflucht" auf dem Rücken der Beschäftigten demonstrieren. Die Beschäftigten von Kaufhof Reutlingen, H&M Reutlingen, Esslingen, Tübingen, Esprit Metzingen wurden zu Warnstreiks aufgerufen. "Zusammen mit Beschäftigten der Deutschen Post AG demonstrieren wir gegen Lohndrückerei gute Bezahlung für gute Arbeit", schreibt Carola Gross, Gewerkschaftssekretärin von Verdi Fils-Neckar-Alb.

Die Teilnehmer an Demonstration und Kundgebung treffen sich am heutigen Freitag um 10 Uhr vor dem Kaufhof, danach geht es ab 10.30 Uhr im Demonstrationszug Richtung Marktplatz, wo um 11 Uhr die Kundgebung sein wird. Damit will die Gewerkschaft Druck auf die Arbeitgeber ausüben. Schließlich gehen die Tarifverhandlungen im Einzelhandel am Montag, 22. Juni, in die dritte Runde.

Gross wertet die gestern bekannt gegebene OT-Mitgliedschaft, also die Mitgliedschaft von Real im Arbeitgeberverband ohne Tarifbindung, als Kampfansage an die Beschäftigten. Es scheine, so Gross, als ob die Arbeitgeber von Real, die Hoffnung haben, dass sie mit einem Haustarifvertrag "billiger" davonkämen. Gross: "So geht es nicht!"

Die Tarifauseinandersetzung um Einkommensbedingungen und Arbeitzeit weiten sich täglich weiter aus. Bereits mehr als 20 000 Beschäftigte bundesweit befinden sich im unbefristeten Streik. Die Beschäftigten aus dem Briefverteilzentrum Reutlingen und andere demonstrieren gegen die Tarifflucht des Arbeitgebers aus dem Haustarifvertrages der Deutschen Post AG mit Verdi.

Hintergrund des Tarifkonfliktes bei der Deutschen Post AG ist der Bruch des Tarifvertrages zum Schutz vor Fremdvergabe durch den Aufbau von 49 Regionalgesellschaften für die Paketzustellung. Statt auf das umfangreiche Tarifangebot von Verdi zu reagieren, werde der Tarifkonflikt durch den Einsatz von Leiharbeitnehmern und durch Werksvertragsvergabe noch angeheizt. Befristet Beschäftigte und Abrufkräfte würden unter Druck gesetzt und befristet Beschäftigte wegen nicht weiterbeschäftigt.

"Die Beschäftigten im Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes befinden sich seit 1. Januar in ihrer Tarifauseinandersetzung und haben trotz sechs Verhandlungsrunden und mehreren Streikwellen immer noch kein Angebot vom Kommunalen Arbeitgeberverband erhalten." Die Arbeitgeberseite sei zuletzt den Arbeitnehmern nicht entgegengekommen, sondern ganz im Gegenteil: Sie wertschätzten die Arbeit der sozialen Berufe in Sonntagsreden, aber ließen am Montag keine Taten folgen.