Es begann im Dezember 2014 mit einer knapp gehaltenen Annonce im Gemeindeblättle: Ehrenamtliche Fahrer für Bürgerauto gesucht! So startete dann ab 20. April 2015 das Kooperationsmodell aus Fahrerteam und Gemeinde, die mit einem Fahrzeug und einem Internetkalender, in dem die Fahrer und die Fahrgäste eingetragen werden, die passende Infrastruktur bereitstellte.
Dazu gehörten auch ein Parkplatz und ein Schlüsseldeponie- und Übergabesystem sowie die technische Betreuung des Autos. Zwei Fahrer übernahmen in den Anfängen den Telefondienst und arbeiteten im Kalender den so entstehenden Fahrplan aus. Dieser war mit vier Halbtagsschichten an vier Tagen pro Woche noch überschaubar. Bald jedoch nahm die Nachfrage stetig zu, sodass der Fahrplan sukzessiv ausgeweitet wurde. Die Gemeinde hatte zwischenzeitlich für den Koordinations- und Telefondienst die komplexer gewordene Fahrplangestaltung in die kompetenten Hände von Frau Hotz übergeben.
Das inzwischen 12-köpfige Team im Jahr 2019 deckt nun alle Wochentage zu insgesamt 30 Stunden Fahrzeit ab. Die Selbstverwaltung ohne Verein mit regelmäßigen Teamsitzungen ist Bestandteil geblieben. Von Anfang an hatte sich das besondere Eninger System der Haus-zu-Haus-Fahrten etabliert, welches bedeutet, dass die Fahrgäste grundsätzlich von einem vereinbarten Ort abgeholt und zum Zielort gebracht werden. Es existieren somit weder feste Fahrzeiten noch Haltestellen wie in anderen Gemeinden. Alle Fahrgäste schätzen genau dieses Verfahren, auch wenn das Bürgerauto für manche Passanten oft unterbesetzt aussieht. Das liegt aber -trotz aller Bemühungen bei der Fahrdienstannahme- in der Natur der Sache, dass sich vor allem Arzt-, Zahnarzt-, Physio- oder auch Friseur- und Fußpflegetermine nicht über alle Praxen und Läden hinweg so harmonisieren lassen, dass stets ein vollbesetztes Auto unterwegs ist. Dennoch kann sich die Auslastung des gemeindeeigenen Bürgerautos sehr gut sehen lassen: Hatte das BA im ersten Jahr bei 204 Fahrtagen im Jahr fast 1.400 Fahrten und knapp 800 Personen befördert so standen wir 2019 bei 250 Fahrtagen und über 3.500 Fahrten sowie über 1900 Fahrgäste. Die fahrerische Gesamtleistung beträgt von den Anfängen bis heute über 14.000 Fahrten für über 7.000 Fahrgäste, die übrigens zu 80 Prozent weiblich sind. Die Fahrgäste zeigen den Fahrern ihre Dankbarkeit manchmal z.B. mit Getränken, Backwaren oder Süßigkeiten.
Eine gute Erfahrung war und ist es zu sehen, dass das Bürgerauto, trotz der grundsätzlichen Benutzbarkeit von allen Bürgern, nahezu komplett von denjenigen gewählt wird, die es aufgrund von Handicaps auch am meisten benötigen. Als vorrangigste Ziele haben sich Besuche bei Physio-, Arzt-, Zahnarzt- und Fußpflegepraxen vor Einkaufsfahrten und Friseurbesuchen herausgestellt. Friedhofs- und Freibadbesuche rangieren auf niedrigem Niveau. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass die Fahrer einige Nebenunterstützungen leisten, indem sie Geh-, Einkaufs- und Transporthilfe leisten, wo es nötig ist. Man kann also erkennen, dass das Eninger Bürgerauto eine besondere Einrichtung ist, von der gerade auch die Gemeinde hinsichtlich des Ansehens bei den Bürgern profitiert. Auf der anderen Seite kann das Bürgerauto aber nicht alles leisten: Krankentransporte, Schul- oder Kitafahrdienste sind weder technisch noch zeitlich möglich.
Ausblick: Aktuell wurde der in die Jahre gekommene Bus ersetzt. Der neue Ford Transit Connect (Diesel EURO 6d TEMP) ist kleiner und wendiger als das Vorgängerauto, ist sparsamer und produziert weniger Abgase. Er ist ab sofort auf den Eninger Straßen zu sehen und verspricht mit neuster Sicherheitstechnologie und beidseitigen Schiebetüren eine höhere Sicherheit und mehr Comfort.
Die zeitweise, Corona bedingte Fahrpause, sowie der derzeit noch eingeschränkte Fahrplan hat das BA statistisch im vergangenen Jahr natürlich zurückgeworfen, aber darauf kann es bei einer derartigen Pandemie, die alle gesellschaftlichen Bereiche betraf und immer noch betrifft auch nicht ankommen. Es war tröstlich zu hören, dass die Fahrgäste vollstes Verständnis hatten und sich während der Fahrpause durch Angehörige, Freunde und Nachbarn behelfen konnten. Nach dieser Pause fährt das Bürgerauto seit Mitte September wieder, allerdings auch derzeit immer noch mit leicht reduzierten Umfang, strengen Hygieneregeln und nur einem Fahrgast.
Dank: Die Erfolgsgeschichte ist zum Großteil der ständig steigenden Nachfrage der Eninger Bürger/ innen zu verdanken, aber auch der Initiative und der laufenden Unterstützung vonseiten der Gemeinde, allen voran Herrn Fausel, der stets ein offenes Ohr für das Bürgerauto-Team hat. Ganz besonderen Dank gebührt dem Engagement aller ehrenamtlichen Fahrern / in und auch Frau Hotz, die mit ihrem klug vorausschauenden Zeitfenstersystem und ihren individuell verschiedenen Anpassungen allen Fahrern und den Wünschen der Fahrgästen entgegenkommt. Auf dieser Basis wird das Bürgerauto 2021, bei einem hoffentlich bald wieder kommenden Normalbetrieb, sicherlich auch die nächsten Jahre die Erfolgsgeschichte weiterschreiben!