How do you define inclusion? Live it“, steht auf den T-Shirts der Gesangs-Gruppe Mixit aus England. Und wie Inklusion gelebt wird, das zeigt das Kultur vom Rande-Festival nun schon zum siebten Mal, wenn mitten in der Stadt wieder eine Woche lang internationale Ensembles spielen, singen und tanzen: „Menschen mit besonderen Fähigkeiten“, wie Festival-Organisatorin Rosemarie Henes vom BAFF („Bildung Aktion Feste Freizeit“) immer wieder betont, die gemeinsam mit ihrer Schwester Prof. Elisabeth Braun das besondere Festival Anfang des Jahrtausends ins Leben gerufen hat.

Die emeritierte Sonderpädagogik-Professorin wurde deshalb nun von OB Barbara Bosch und Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele mit der Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen ausgezeichnet, weil das „in Deutschland einzigartige“ Festival, das „schon längst im Herzen der Stadt angekommen“ sei, „ohne sie gar nicht möglich wäre“. Prof. Elisabeth Braun gab die Auszeichnung zwar weiter an „alle anderen“, die das Festival organisieren, unterstützen und im Hintergrund mithelfen. „Aber eine müsse es vorantreiben“, so Barbara Bosch - und das alles ehrenamtlich: „Ohne Sie wären viele Initiativen nicht entstanden“. Und so freute sich die Festivalmacherin über die „Schachtel“ mit der Medaille und hoffte, dass die Stadt ihre (Geld)-„Schachtel nach wie vor aufmachen“ wird.

Die inklusive Band „Walking On The Moon“ aus Bochum wiederum quittierte die Ehrung mit einer deutschsprachigen Version von „What A Wonderful World - Was für eine herrliche Welt“ voller „verschiedenster Menschen“.

Und so hat sich auch zur Festival-Eröffnung im und vor dem Zirkuszelt im Bürgerpark eine große und bunte Menge verschiedenster Menschen versammelt, um den schwungvoll in Szene gesetzten Popsongs der britischen Gruppe „Mixit“ zu lauschen, mit ihren mehrstimmigen Songs und dynamischen Choreographien. Die Gruppe Hijinx Theatre wiederum kommt ebenfalls aus Großbritannien und fährt mit ihrem Stück „Elevator“ diverse Stellwände und ebenfalls verschiedenste Menschen durch die Gegend, die sich dabei tanztheatralisch begegnen und alle möglichen Formen der pantomimischen Kommunikation durchspielen. Mit den Stellwänden werden Hindernisse, Begrenzungen und Beschränkungen aufgebaut und wieder überwunden. Man findet sich, verbringt mit den Fremden eine gewisse Zeit und driftet wieder auseinander: ein Kommen und Gehen aller Arten von Menschen bei ihren zufälligen Begegnungen, die nicht nur sich gegenseitig, sondern auch die umgebenden Räume aus-checken, Bewegungsspielräume ausloten, mit und ohne Krücken, und versuchen, (körperliche) Einschränkungen zu überwinden.

Diesen Versuch erfolgreich meistert wiederum der Breakdancer Stix aus Augsburg, der trotz seiner Gehbehinderung, oder gerade deshalb, mit seinen zwei Krücken und zu knackigem Soundtrack eine waghalsige Tanzperformance hinlegt. Und so verweisen die kurzen Programmausschnitte bei der Festival-Eröffnung schon mal darauf, was Vielfältiges in der kommenden Woche an verschiedenen Orten in der Stadt alles so geht: Theater, Tanz, Gesang, Film, Workshops, Kunstaktionen und und und.

Statt der üblichen Grußworte gab‘s bei der Auftaktveranstaltung außerdem filmische Einspieler von den jeweiligen Trägern und Unterstützern des Festivals: Harald Sickinger, Thomas Geprägs und Franziska Schiller von „Kultur ohne Ausnahme“ haben sie jeweils an ihrem  Arbeitsplatz besucht und zum Festival befragt. OB Bosch kann sich ein „Leben ohne Kultur gar nicht vorstellen“, das Festivalprogramm sei eines der „Wunder dieser Erde“. Carmen Würth als Schirmherrin findet: „Jeder Bürger sollte dazu beitragen, dass unser Leben fröhlicher wird“.

Der Dekan der Ludwigsburger Fakultät für Sonderpädagogik Prof. Dr. Wolfgang Mack sieht die „Inklusion als Ausdruck einer sich verändernden Gesellschaftskultur“, und Bruderhaus-Diakonie-Vorstand Lothar Bauer betont die Wichtigkeit einer „Kultur der Teilhabe“. Martin Keller von der Lebenshilfe will auf dem Festival „Spaß haben wie alle andern auch“ und die Landesbehindertenbeauftragte Stephanie Aeffner wünscht sich fürs Festival noch einen größeren Bekanntheitsgrad.

Terminvorschau Festival Kultur vom Rande: