Schulen Geld ist auch heute für viele das Wichtigste

Pfullingen / Von Gabriele Böhm 05.07.2018

Mit der Familie ins Museum?  Carmen (Jenny Pflaum) und Ramón (Vincent Hummel) sind alles andere als begeistert. Doch dann erleben sie und ihre Eltern Senora Maria (Désirée Krems) und Senor José (kurzfristig eingesprungen: Belinda Hess) in Lima eine farbenprächtige, grandiose „interaktive Multivisionsshow“ über die Eroberung des Inkareichs durch die Spanier im 16. Jahrhundert. Das Musical „Das Gold der Inkas“ von Rainer Butz, das die Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Schiller-Gymnasiums an zwei Tagen in den vollbesetzten Pfullinger Hallen aufführten, wurde von Constanze Barocka unter der Gesamtleitung von Jochen Rahn aufwendig inszeniert.

Der Museumsbesuch als Rahmenhandlung, bei der Museumsführer Pedro (Leal Köksal) die Geschichte von Inkakönig Atahualpa (überzeugend mit „verletztem Stolz“: Romy Sommer) und den Überfall der spanischen Eroberer unter General Francisco Pizarro (Dimitrios Kikidis) erzählte, ließ die Familie eine glanzvoll, mitreißende Aufführung erleben. Schülerinnen und Schüler waren textsicher, Ablauf und Umbauten funktionierten reibungslos und das Spiel auf der Bühne harmonierte perfekt mit dem hervorragenden Unterstufenorchester (Leitung Jochen Rohn und Ute Brandmaier). Bewundernswert war auch der Gesang der jungen Akteure. Mit Einzelmikrophonen waren sie gut zu verstehen, jedoch wurde der Text des Chores in weiten Passagen leider nicht deutlich. Das Problem war laut Rohn bekannt, der aber bei der Premiere bekennen musste: „Wir haben leider noch keine Lösung gefunden.“

Nach Flöten, Trommeln und einem umherirrendem Licht öffnete sich der Vorhang und gab den Blick auf eine Kulisse des Anden-Hochlands (Bühnenbild: Friederike Just und die Bühnenbild-AG) frei, vor der die Inkas von ihrem Alltag sangen: Coca-Blätter helfen gegen fast alles, es gibt Kartoffeln und für den König nur das Beste aus reinem Gold. Durch „Qipu“-Schnüre, eine Knotenschrift, erfahren sie von der Ankunft der Spanier. Diese betreten in prächtigen Kostümen unter Tarantella- und Kastagnettenklängen die Bühne. Auch hier gab es eine überzeugende, sehr kurzfristige Krankheitsvertretung. Amy Schneberger spielte den Konquistador Cristobal de Fuente. „Wir sind die Stärksten!“ singen die Spanier, die nicht nur nach dem Gold gieren, sondern auch verlangen, dass die „heidnischen Wilden“ den christlichen Glauben annehmen. Der Herrscher Atahualpa wird Gefangener im eigenen Haus, sein Weltbild gerät ins Chaos. Die Musik wird zum Trauermarsch, zu dem der König singend fragt: „Was ist mit mir geschehen?“ Bewundernswert, mit wie viel Sensibilität sich die jungen Schauspieler in die Handlung einfühlten.

Auch das Gebet des Priesters Huilla Uma (mystisch: Liridona Ferati) an den Schöpfergott Viracocha und der Trost der Königsschwester Huoco (Sophia Bassias) helfen nicht. Obwohl  ein Raum mit Gold gefüllt wird, lassen die Spanier Atahualpa nicht frei. Die am Bühnenrand stehende Museumsfamilie singt davon, dass Geld auch heute noch für viele das Wichtigste ist. Dann wird es noch luxuriöser. Kaiser Karl V. (Max Valleix) und seine Gattin Dona Isabella (Luzi Schenck) sitzen auf ihrem Thron und beklagen die leere Staatskasse. Grandios auch Thore Schmid als Herold Hercúleo, der mit kräftiger Stimme die lange Reihe von Titeln des Herrschers parat hatte. Das bereits angekündigte Gold aus Peru kommt für die Wünsche der Kaiserin gerade recht. In Südamerika lässt Atahualpa gegenüber seiner Schwester seiner Wut auf die fremden Männer, die „Haare im Gesicht“ haben, freien Lauf. Sie haben ihn zum Tod verurteilt, verzichten jedoch auf eine Verbrennung, so dass die Geister früherer Inkaherrscher ihn in ihre Mitte aufnehmen können. Nach so viel Dramatik entspannte sich das Publikum, als alle Akteure das Lied des Kondors sangen und empfahlen: „Fahr mal nach Peru“.

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