Von Norbert Leister und Evelyn Rupprecht

Der Aspekt des Denkmalschutzes steht einer entsprechenden Genehmigung nicht entgegen“: Das ist der entscheidende Satz in dem am Freitag veröffentlichten Urteil des Verwaltungsgerichts Sigmaringen zur Windpark-Klage (wir haben berichtet). Nach der Gerichtsverhandlung am Donnerstag im Rathaus Lichtenstein sowie bei Vor-Ort-Terminen bei Holzelfingen und im Schloss selbst folgte nun das Urteil in Sachen Windräder.

Die Klage auf Genehmigung der Errichtung von Windenergieanlagen beim Schloss Lichtenstein war teilweise erfolgreich, teilte das Gericht nun mit. Was sich dahinter verbirgt? „Mit dem Urteil wird das Land verpflichtet, über den Antrag (der Firma Sowitec, Anm. d. Redaktion) auf Genehmigung der Errichtung der Windenergieanlagen erneut zu entscheiden“, war abschließend in dem Urteil zu lesen, dem in den nächsten Wochen noch eine ausführliche Begründung folgen wird. Mit dem Bau beginnen darf Sowitec jetzt aber noch nicht, Fragen des Naturschutzes müssen bei einer erneuten Bewertung des Landes geprüft werden.

Bei der Willmandinger Firma, die bei Undingen fünf Windräder aufstellen will, ist man erleichtert. Den Gegnern des Vorhabens wird das Urteil der 9. Kammer des Verwaltungsgerichts Sigmaringen hingegen ganz und gar nicht schmecken: Die Verfechter eines Windräder-störungsfreien Schloss-Blicks sehen nämlich die Ansicht des Denkmals in seiner Gesamtheit gefährdet. Schließlich gehöre die Landschaft in der Umgebung des Schlosses unabdingbar dazu, wie Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege am Donnerstagvormittag im Rathaus Lichtenstein betonten. Dort tagte das Gericht zunächst fast zwei Stunden vor annähernd 100 Interessierten, danach waren die Prozessbeteiligten in einem langen Tross zu einem Aussichtspunkt bei Holzelfingen gefahren.

Vor Ort hatte das Willmandinger Unternehmen Sowitec sich als Kläger in dem Verfahren verhandlungsbereit gezeigt und dem Landratsamt angeboten, auf zwei der Räder zu verzichten. Davon wollte Dr. Claudius Müller als Landratsamt-Vertreter allerdings nichts wissen: Schließlich spiele es keine entscheidende Rolle, ob der Blick nun von drei oder fünf Windrädern beeinträchtigt werde, meinte er.

Harald Rudolph, Geschäftsführer der Sowitec, zeigte sich gestern erfreut über den Ausgang der Verhandlung. „Das war die erste Etappe. Jetzt müssen wir abwarten, ob das Landratsamt in die nächste Instanz geht“, gab er sich auf Anfrage unserer Zeitung vorsichtig optimistisch. Jetzt gehe es nicht mehr um den Denkmal-, sondern um den Naturschutz. Zunächst müsse wohl untersucht werden, ob in dem Plangebiet ein Rotmilanhorst wieder belegt worden sei. „Ich denke, dass wir eine Nahrungsfluganalyse machen müssen“, bereitet sich Rudolph auf die artenschutzrechtlichen Fragen vor, die es voraussichtlich zu klären gilt. Das Urteil wertet er als Signal, „dass es möglich ist, Windräder auf der Schwäbischen Alb zu bauen“. Allerdings müsse man die Urteilsbegründung erst noch abwarten.

Abwarten wollen auch das Regierungspräsidium Tübingen und das Landratsamt Reutlingen für die „dieses Ergebnis unerwartet ausgefallen“ ist.  Man werde, heißt es in einer etwas dürren Mitteilung, in den nächsten Wochen den angekündigten Zugang der Entscheidungsgründe zu diesem Urteil abwarten und nach deren Prüfung über das weitere Vorgehen entscheiden.