Pfullingen Gegründet in Zeiten des Sparzwangs

Die Vorsitzenden des Vereins Klaus Tross-Weinacht (vorne links) und Gerhard Gümbel stellen zusammen mit Bücherei-Chefin Fleur Hummel (hinten rechts) und ihrer Stellvertreterin Karola Adam das Geburtstagsprogramm vor.
Die Vorsitzenden des Vereins Klaus Tross-Weinacht (vorne links) und Gerhard Gümbel stellen zusammen mit Bücherei-Chefin Fleur Hummel (hinten rechts) und ihrer Stellvertreterin Karola Adam das Geburtstagsprogramm vor. © Foto: Gabriele Böhm
Von Gabriele Böhm 10.10.2018

Die Flyer sind fertig, das 20-jährige Bestehen naht mit Riesenschritten: Am 20. Oktober feiern die rund 230 „Freunde der Stadtbücherei Pfullingen“ mit einem bunten Programm für jede Altersstufe den runden Geburtstag. Die Stadtbücherei selbst gibt es schon seit 111 Jahren. 1998 wurde der Freundeskreis gegründet, um die Bibliothek vielseitig zu unterstützen. „Beispielsweise hat der Verein die Ausleihtheke mitfinanziert“, sagt Klaus Tross-Weinacht, der Erste Vorsitzende der „Freunde“. Auch wenn die Bücherei DVDs anschaffen wolle, sei der Verein zur Stelle. Da ihm vor allem die Kinder- und Jugendförderung am Herzen liege, wurden bunte Sitzpilze sowie ein gelber Vorhang besorgt, mit dem die Kinder-Vorlese-Ecke von Geräuschen und äußerer Umtriebigkeit abgeschirmt werden kann. Die Lesungen für Kinder, die wöchentlich stattfinden, seien ebenfalls eine Initiative des Fördervereins, aus dessen Reihen sich die Vorleser auch rekrutierten, so Bücherei-Leiterin Fleur Hummel. „Wir könnten das personell gar nicht schaffen“, meint sie. Dankbar sei sie auch für die Mittel, mit denen sie Kinderbuchklassiker, denen Seiten fehlten, wieder neu ankaufen könne.

Vor 20 Jahren, weiß Hummels Kollegin Karola Adam, habe die Stadt unter Sparzwängen gestanden. Die damalige Leiterin Felicitas Vogel habe sich etwas einfallen lassen müssen und Professor Dr. Hermann Fischer für einen Verein gewinnen können. „Im Wesentlichen durch seine Kontakte hat sich ein Netzwerk für die Stadtbücherei aufgebaut.“ Das sei in einer Zeit, in der viele Bibliotheken massive Kürzungen hätten hinnehmen müssen, ein klares Bekenntnis zur Pfullinger Einrichtung gewesen. Auch Gemeinderäte seien heute Mitglieder des Vereins. „Insgesamt haben wir von der Stadt einen großen Rückhalt. Zusammen mit dem Verein hat die Bücherei ein gutes Standing“, so Fleur Hummel.

„Wir fördern auch Lesungen von Autoren, die in den Schulen aus ihren Werken vorlesen“, erläutert der stellvertretende Freundeskreis-Vorsitzende Gerhard Gümbel. Finden die Lesungen in der Bibliothek statt, übernimmt der Verein die gesamte Organisation. „Auch das ist eine sehr große Hilfe für uns“, meint Hummel.

Die stellvertretende Bücherei-Leiterin Karola Adam war selbst Gründungsmitglied des Vereins. „Unsere Mitglieder sind einfach kulturell interessiert. Begonnen hat die Mitgliedschaft oft durch das Leseinteresse der Kinder. Aber viele Eltern sind geblieben, wenn die Kinder schon längst erwachsen waren.“ Der Vorstand besteht aus vier, der Beirat aus acht Mitgliedern.

„Unsere Einnahmen bekommen wir vor allem durch Eintritte und Sponsoren zusammen“, so der Vorsitzende. Zweimal im Jahr gebe es „Dankeschön-Veranstaltungen“. In der Reihe „Freunde im Klostergarten“ würden Autoren und Künstler eingeladen. „Es gibt Lesungen, Musik und Theater“, berichtet Gümbel. Das Melchinger Theater Lindenhof und Heiner Kondschak seien ebenso schon zu Gast gewesen wie die Schriftstellerin und Journalistin Mely Kiyak. Ferner bietet der Verein seinen Mitgliedern einen jährlichen kulturellen Ganztages-Ausflug.

Die Ziele, die sich der Verein bei seiner Gründung gesetzt habe, seien noch heute gültig. „Im Fokus stehen die Kinder- und Jugendarbeit, die Darstellung der Stadtbücherei in der Öffentlichkeit, die Aufbauhilfe bei Ausstellungen und die Spenden- und Förderbeiträge“, fasst Tross-Weinacht zusammen.

Am 20. Oktober zum 20. Geburtstag des Fördervereins wird es morgens für die Kinder das Figurentheater „Phoenix“ mit dem passenden Stück „Freunde“ geben, darüber hinaus Kinderschminken, Basteln, Vorlesen und ein Gastspiel des Zauberers Nikolai Striebel aus Reutlingen. Striebel tritt am Nachmittag noch einmal für die Erwachsenen auf. Felicitas Vogel wird die vergangenen 20 Jahre Revue passieren lassen. Erzählerin Isolde Sanden trägt abends Märchen für Erwachsene vor.

Danach sorgen „Die Spätzünder“ mit ihrem schwäbisch-kabarettistischen Programm für Vergnügen. Musikalisch wird Rade Soric den Abend begleiten, Beiratsmitglied Harald Schneider moderiert.

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