Von Evelyn Rupprecht

An zehn Stellen hatten die Gasleitungen in der Marktstraße schon Lecks – allein sechs Mal ist dort im vergangenen Jahr Gas ausgetreten. Kein Wunder also, dass Bürgermeister Michael Schrenk in der jüngsten Gemeinderatssitzung von „Gefahr im Verzug“ sprach und Sonja Seeger, die technische Leiterin der Stadtwerke, mit Nachdruck darauf verwies, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Zumal die Leitungen in der Marktstraße die komplette Innenstadt bedienen. Angesichts dessen, „dass das Gefährdungspotenzial hoch ist und wir eine verlässliche Versorgung sicherstellen müssen“, wie es UWV-Stadtrat Martin Fink auf den Punkt brachte, stimmte das Gremium denn auch ohne große Umschweife der Sanierung zu, die 1,4 Millionen Euro kosten wird und aus dem Etat der Stadtwerke gestemmt wird.

850 Meter Gasmittel- und 220 Meter Gasniederdruck-Leitungen sollen in diesem Jahr in der Marktstraße zwischen der Übergabestation Albstraße und der Einmündung Hauffstraße erneuert werden. Zwischen April und Oktober ist die Sanierung geplant – also außerhalb der Heizperiode. Aber auch wenn das Netz in einer Zeit saniert wird, in der die Leitungen nicht so stark beansprucht sind wie sonst: problematisch dürften die Arbeiten trotzdem werden.

„Die Trassenplanung hier ist gar nicht so einfach“, wie Sonja Seeger erklärte. Das Verkehrsaufkommen auf der Marktstraße ist hoch. „Wir versuchen natürlich weitestgehend am Rand der Straße zu bauen“, so die technische Leiterin. Zu Verkehrsbehinderungen wird es allerdings trotzdem kommen. Zumal die Stadt gleichzeitig auch die Wasserleitungen auf einer Länge von 760 Metern austauschen lässt. Bei ihnen ist der Erneuerungsbedarf zwar nicht ganz so stark wie bei den Gasrohren, aber beide Leitungsarten gleichzeitig zu erneuern, ist weitaus wirtschaftlicher. „Das ist kostengünstiger als die Alleinverlegung“, so Seeger. Und noch einen Vorteil haben die Parallelarbeiten an Gas und Wasser: Beiden Leitungen können jetzt in einem Graben untergebracht werden.

Saniert wird indes auch, weil die Fair-Netz GmbH, an die die Stadt ihr Gasnetz verpachtet hat, Druck gemacht hat. Bei einer Rohrnetzbegehung im Sommer 2018 hatte der Reutlinger Energieversorger festgestellt, dass die Schadensrate in der Marktstraße hoch und die Erneuerung der Leitungen „unaufschiebbar erforderlich ist“. Weshalb auch Stadträtin Traude Koch (GAL) keine Chance mit ihrem Antrag hatte, die Sanierung noch zu schieben, „und erst eine öffentliche Diskussion über die Trasse der Stadtbahn“ zu führen, wie Koch forderte.

Genehmigt haben die Räte vergangene Woche nicht nur die Ingenieurleistungen an das Büro Hermann und Mang zu vergeben, sondern auch die Tief- und Rohrlegearbeiten der Fair-Netz zu übertragen.