Betzingen/Pfullingen Ganz filigrane Arbeit

Die Pfullinger Werkstatt Anton Geiselhart und der Betzinger Metallgestaltungsbetrieb von Roland Hamm haben gemeinsam den historischen Ausleger der "Alten Post" in Nagold restauriert.
Die Pfullinger Werkstatt Anton Geiselhart und der Betzinger Metallgestaltungsbetrieb von Roland Hamm haben gemeinsam den historischen Ausleger der "Alten Post" in Nagold restauriert. © Foto: Angela Steidle
Betzingen/Pfullingen / ANGELA STEIDLE 02.04.2015
In Gemeinschaftsleistung haben zwei renommierte Handwerksbetriebe aus Betzingen und Pfullingen der "Alten Post" in Nagold ihr Wahrzeichen, einen Ausleger, restauriert und vergoldet.

Ein eher seltener, aber nicht unbekannter Gast im Reutlinger Restauratoren- und Kunsthandwerk ist der Ausleger der historischen "Post" aus Nagold. Dank eines großzügigen Sponsors ist das etwa vier mal vier Meter große Metallbild des Kunstschmieds Baldenhofer aus Freudenstadt, das dieser im Jahr 1907 gefertigt hatte, diesmal nur knapp vor dem Verfall gerettet worden.

"Etwa 5000 Blatt Gold liegen auf dem Metall, wenn wir hier fertig sind", erklärt Handwerksmeister Harald Roßmeißl nicht ohne Stolz. Auch weil "der Goldjunge, der das gemacht hat", sein Sohn Chris ist. Der junge Maler hat "ordentlich Strecke gemacht. Dem haben die Augen geflimmert", erzählt Monika Geiselhart. Weil das auch im Außenbereich bei Kirchturmzier nötig ist, wurde die "Nagolder Post" überlappend doppelvergoldet, bis auf die Trägerkonstruktion, in allen Einzelheiten und Details der verflochtenen Kunstschmiedearbeit, nach den Vorgaben des Landesdenkmalamtes und vor allem dort, wo sich gerne der Rost ansetzt.

Eine immense Arbeit, weil jedes flirrende Blatt Gold mit dem Pinsel einzeln und vorsichtig von Hand "angeschossen" wird, auf eine "Mixtion" als Trägerbasis. Auch die Medaillons und Motivflächen, die später übermalt wurden, erhielten eine Goldgrundierung. Als die Aufnahmen in der Werkstatt Geiselhart in Pfullingen entstanden, war die Basis nahezu komplett. Die Postkutsche samt Insassen war im Rohzustand auf Papier abgenommen worden und wurde später von Hand wieder nachgezeichnet. Eine Präzisionsarbeit, bei der jeder Pinselstrich sitzen muss.

Vor etwa 30 Jahren logierte das Wahrzeichen des Hotels zur "Alten Post" und standesgemäße Zierde der ehemals ersten Adresse unter den Nagolder Herbergen schon einmal in der Pfullinger Werkstatt Anton Geiselhart. "Damals mussten von der Metall-Unterkonstruktion nur Teile ersetzt werden", erinnert sich Monika Geiselhart, "der Ausleger ist bei uns repariert und gehätschelt worden. Wir haben das Know-how dazu, seit die Firma existiert". "Kirchen machen wir viele", ergänzt Malermeister Harald Roßmeißl, "alles was glänzt. Auch den Erzengel Gabriel auf der Reutlinger Marienkirche. Das ist eine sehr heikle Geschichte mit den Kugeln oben drauf und ihren Preziosen. Jedes alte Ding hat seine Geschichte."

Die zweite Restaurierung im Reutlinger Handwerk war grundlegend und eine Gemeinschaftsleistung. Diesmal wurde das Monstrum aus verrostetem Metall komplett zerlegt und entblättert. Roland Hamm vom Metallgestaltungsbetrieb in Betzingen hatte zunächst sämtlichen Zierrat entfernt, Teile davon originalgetreu nachgeschmiedet, die Trägerkonstruktion in Massivbauweise nachgebaut, geschweißt und dann alles wieder Stück für Stück zusammengeschraubt. Der Betzinger Metallgestalter besitzt die Ausbildung zum Restaurator im Handwerk und beim Landesdenkmalamt einen entsprechenden Ruf.

Bei einem Festakt vor Ostern wurde das gastronomische Flaggschiff der Stadt Nagold, die Sterne-dekorierte "Alte Post", wieder um ihren restaurierten Ausleger ergänzt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel