Eine deutsche Fußballmeisterschaft an der Achalm – das Großereignis im Juni 2020 wirft seine Schatten voraus. Am Dienstagabend hatten TSG Reutlingen und TSG Inklusiv zu einem Pressegespräch geladen. „Wenn man die Begeisterung in den Augen der Menschen mit geistiger Beeinträchtigung sieht, wenn sie in der baden-württembergischen Landesauswahl spielen dürfen – das ist schon unglaublich“, sagte Fritz Quien, der dieses Team trainiert und die Spieler im ganzen Ländle aussucht.

„Vor drei Jahren haben wir hier bei der TSG Inklusiv zum ersten Mal über die Möglichkeit gesprochen, die Deutsche Meisterschaft nach Reutlingen zu holen“, erläuterte Dr. Martin Sowa, der in den vergangenen vier Jahrzehnten dem Inklusionssport an der Achalm zu riesigem Erfolg verholfen hat. Dabei ist natürlich klar, dass es Sowa nicht allein um die Durchführung einer Deutschen Meisterschaft geht: Dieses „Groß-Event“ soll natürlich nachhaltig wirken, soll die Inklusion nicht nur bei der TSG, sondern auch bei möglichst vielen weiteren Fußballvereinen in der Region dauerhaft vorantreiben.

„Wir werden Fußballmannschaften in der Region ansprechen, damit sie eine Patenschaft für eines der anreisenden Teams aus Brandenburg, dem Saarland oder anderen Bundesländern übernehmen“, sagte Sowa. Damit werde das Erfolgsrezept der TSG Inklusiv weiterverfolgt, das da heißt: „Inklusion geschieht durch Begegnung.“

Mit der Deutschen Meisterschaft (DM), die vor allem auf dem SSV-Sportgelände an der Kreuzeiche ausgetragen wird, „zeigen wir vor allem eine hohe Wertschätzung für Menschen mit geistiger Behinderung“, unterstrich Kim Laudage als DM-Organisationschef der TSG. „So ein Großereignis macht man nicht einfach so nebenher“, betonte Sowa. Nach den Ausführungen von Albrecht Happe (Geschäftsführer der TSG Inklusiv) werden für die Durchführung, Planung und Organisation der Meisterschaft mit allem Drum und Dran rund 55 000 Euro gebraucht. Dabei sei die Versorgung der anreisenden Gäste „mit einem vernünftigen Essen“, so Sowa, nur ein kleiner Teil des Ganzen.

Weitreichende Pläne

Die Pläne gehen auch viel weiter als die Organisation der Fußballspiele: Schüler können am Fußball-Training der TSG Inklusiv teilnehmen. Mental beeinträchtigte Spieler gehen in Schulen und „fungieren dort als Botschafter in eigener Sache, sie laden zu gemeinsamen Trainingsstunden ein“, ergänzte Sowa. Ein inklusiver Fußball-Court soll voraussichtlich im Bürgerpark angeboten werden. Schüler können als „Einlaufkinder“ und Cheerleader bei der DM mitmachen. Schulbands und Hiphop-Gruppen umrahmen die Veranstaltung musikalisch. Eine Kooperation mit der Hochschule soll die sozialen Medien mit einbinden. Die Vielfalt der Ideen der Organisatoren erscheint fast unendlich, bis hin zu möglichen Meisterschafts-Würsten und DM-Brötchen, die Metzger und Bäcker herstellen könnten. „Und wir werden in den kommenden Monaten immer wieder auf die DM hinweisen“, versprach Sowa.

Während des Turniers vom 14. bis 18. Juni 2020 wird es eine „Players Night“ im franz K. mit vielen Künstlern geben, gemeinsame Freizeitaktivitäten aller Spieler werden geplant, gemeinsame Abende mit Partnervereinen, ein Empfang beim OB und vieles mehr soll die Veranstaltung tatsächlich zu einem Event machen. Dort sollen sich Menschen begegnen, Kontakte geknüpft werden und möglichst viele Vereine sich für Menschen mit Behinderungen öffnen. „Was wir dringend brauchen, sind Sponsoren“, betonte Sowa. Und wenn alles so läuft wie geplant, „dann wollen wir die Deutsche Fußballmeisterschaft für Menschen mit mentalen Beeinträchtigungen auch 2021 wieder nach Reutlingen holen“, hat der große Mann des Behindertensports weiterhin große Pläne.