Begriffe wie "Variometer, Höhenmeter, Seitenruder und Bremsklappen" können und sollen sie alle auch erklären können, aber ob das dann auch mit dem Fliegen klappt? Frohen Mutes machte sich die erste Gruppe auf zum Flugplatz Übersberg, um mehr als nur Grundzüge des Segelfliegens zu lernen.

Und es war eine Premiere: Ganz neue Wege geht in diesem Schuljahr die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule Reutlingen mit ihrer Segelflug-AG - in Kooperation mit dem Luftsportverein Reutlingen.

Eine Segelflug-AG? Das passt doch für ein technisch und auf Physik ausgerichtetes Gymnasium, dachte sich der Lehrer Remigius Klink. Die Idee fand Anklang, 14 Schüler meldeten sich. Und das alles so zum Spaß? Weit gefehlt.

Schließlich gehe es auch um neue Baustoffe (an den Flugzeugen) und eine Menge Flug-Physik, so Klink, "das deckt sich doch bestens mit unserem Schulprofil" - und damit war dann auch Schulleiter Rolf König von dem Projekt überzeugt.

Zweimal gibt es an den kommenden Freitagen anspruchsvolle Theorie in Form von Schnell-Kursen, viermal wird dazu noch geflogen, am Freitag gab es auf dem Übersberg beides: Philipp Nierkamp, ein erfahrener Pilot des Luftsportvereins Reutlingen (LVR), nahm die Jungs sogleich unter seine Fittiche.

Fertig angeschnallt und mit dem obligatorischen Fallschirm auf dem Rücken, war der Zwölftklässler Philipp Meyle der erste Schüler, der vorne im Flieger sitzen durfte - und zuvor den Funk samt Sprechprobe zu absolvieren hatte. In beiden Segelflugzeugen sitzen Pilot und Schüler hintereinander, beide haben die identischen Instrumente. Und so konnte Philipp Meyle abheben, angezogen von einer 400 PS starken Seilwinde ging es ab in den Himmel über Reutlingen und Pfullingen. In gut drei Sekunden beschleunigt das Seil der Winde das Fluggerät auf gut 100 Stundenkilometer.

Das beeindruckte dann auch Hendrik Mertens, Florian List, Andreas Kelm und Alexander Werner, allesamt Zwölf- und Dreizehntklässler, die das Gefühl der Grenzenlosigkeit "unter den Wolken" erleben durften. Denn über die - am Freitag wenigen - Wolken dürfen Segelflugzeuge eigentlich nicht hinaus.

Vor allem durften die Schüler hier und da auch selber Kurven fliegen und so das rund 300 Kilogramm schwere Fluggerät, eine "ASK 21", lenken - alles freilich überwacht vom hinten sitzenden Piloten. Unter ihnen ist als Lehrkraft auch Jan von Richthofen, der Urenkel des legendären "Roten Barons", Manfred von Richthofen.

Länger als eine Viertelstunde hielt es die Himmelsstürmer am frühen Nachmittag zumeist nicht oben, es mangelte noch an der nötigen Thermik. Ist diese aber besonders gut, können die Vögel aus Fiberglas und High-Tech an Bord eine Distanz von über 500 Kilometern schaffen. Einer von Deutschlands Profi-Segelfliegern wird den beiden AGs "einen Vortrag über Theorie und Praxis halten", weiß LVR-Pressesprecher Martin Leiensetter. Es folgen nun fünf weitere Freitage, an denen vor allem das Kartenlesen und die so wichtige Navigation auf die beiden Gruppen der Steinbeis-Schüler zukommt.

Ebenso gibt es eine Schnellbleiche in Sachen Aerodynamik, Meteorologie, Instrumentenkunde und Luftrecht. Letzteres ist gerade für die Segel- und die Motorflieger vom Übersberg sehr wichtig. Denn eine der (Stuttgart)-Einflugschneisen für die großen Jets verläuft auf der Luftlinie zwischen Kleinengstingen und Tübingen, das sind keine drei Flugminuten vom Übersberg entfernt.

Als Sahnehäubchen - und vielleicht lockt das die Jungs auch in den Luftsportverein - wird Verkehrspilot und LVR-Mitglied Georg Tröndle über den Beruf des Piloten informieren. Auch die Deutsche Flugsicherung (DFS) wird in einem Vortrag Berufe im Bereich dieses Unternehmens vorstellen.