Pfullingen Fürstliches Wirken hinterließ Spuren

Bauten Herzog Christophs in Pfullingen: Das Schloss mit der Rundbogenbrücke über die Echaz aus den 1560er Jahren; hier in einer Gesamtansicht der Heilanstalt Flamm, um 1890.
Bauten Herzog Christophs in Pfullingen: Das Schloss mit der Rundbogenbrücke über die Echaz aus den 1560er Jahren; hier in einer Gesamtansicht der Heilanstalt Flamm, um 1890. © Foto: pr
Pfullingen / STEFAN SPILLER, STADTARCHIV PFULLINGEN 12.05.2015
In freier Namensvariation erinnert auf den ersten Blick nur noch Pfullingens Christofstraße an den bedeutenden württembergischen Herzog, dessen Geburtstag sich am 12. Mai zum 500. Mal jährt.

Dabei war die Bedeutung Herzog Christophs für Pfullingen weitaus größer als diese kurze Verbindungsstraße in familiärer, fürstlicher Nachbarschaft zur Ulrichstraße, benannt nach Christophs Vater, vermuten lässt.

So entstanden in der Regierungszeit Herzog Christophs 1550 bis 1568 zahlreiche Residenzschlösser, zu denen neben Brackenheim, Neuenbürg oder Grafeneck auch der Neubau des Pfullinger Schlosses gehörte. Anstelle der ehemaligen Burg der Pfullinger Rempen ließ der Herzog in den Jahren 1560 bis 1565 unter seinem Baumeister Aberlin Tretsch eine rechteckige Vierflügelanlage im Stil der Renaissance errichten, die ihren Nordflügel leider Mitte der 1830er Jahre durch Abbruch einbüßen sollte.

Eine zeitgenössische Inventarliste nennt als Räumlichkeiten u.a. Tafelstube, Fürsten-, Jungfrauen- (also Prinzessinnen-) und Kanzleikammer. Mit der Errichtung des Schlosses erfolgte wahrscheinlich auch der Bau der heute noch bestehenden Rundbogenbrücke über die Echaz im Verlauf der Schloßstraße.

Die erhebliche Summe von rund 460 000 Gulden, die der Herzog in seiner Regierungszeit für die Schlossbauten aufwandte - der Pfullinger Neubau schlug mit rund 17 000 Gulden zu Buche - deutet darauf hin, dass es sich nicht einfach nur um eine persönliche Liebhaberei gehandelt hat. Seine zahlreichen Residenzbauten repräsentierten fürstliches Ansehen und Machtanspruch nach innen wie außen.

Solche Ansprüche lassen sich als typische Epochenphänomene der Frühen Neuzeit begreifen, in der vor allem unter dem Eindruck der Reformation eine Herrschaftsverdichtung einsetzte.

Der architektonischen Versinnbildlichung landesherrlicher Macht entsprachen auf den Gebieten des Rechts oder der Verwaltung schriftliche Regelungswerke, die immer mehr Lebensbereiche erfassten.

So fiel in die Regierungszeit Herzog Christophs auch die Publikation der ersten Fassung des Württembergischen Landrechts 1555, das in Teilen seiner nachfolgenden Fassungen bis zum Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahr 1900 Grundlage des württembergischen Privatrechts blieb.

In den Kontext der bedeutenden Regelungswerke der Frühen Neuzeit gehört auch die Große Kirchenordnung Württembergs aus dem Jahr 1559, mit der Herzog Christoph unter Beratung des Reformators Johannes Brenz auch das Schulwesen Württembergs grundlegend organisierte.

Der erste Pfullinger Schulhausbau geht dabei ebenfalls auf eine Anordnung Christophs aus dieser Zeit zurück. Er entstand Ende der 1550er Jahre etwas südlich des Kirchturms der Martinskirche unter anderem aus Baumaterial der auf herzoglichen Befehl abgebrochenen Georgskapelle, die sich auf dem Gipfel des markanten Pfullinger Hausbergs befunden hat.

Im Rahmen der "Pfullinger Sonntagstouren" von Stadt und Geschichtsverein soll das Jahr seines 500. Geburtstages noch einmal Anlass sein, das Wirken Herzog Christophs in Pfullingen zu beleuchten.