„Wir brauchen ein starkes Lieferkettengesetz“, fordern die Fraktionen der Grünen und Unabhängigen, der SPD und der Linken Liste im Reutlinger Gemeinderat. Ihr Antrag zielt darauf, der Initiative von 34 Städten und Gemeinden beizutreten und  den Bundestag aufzufordern, das seit vier Jahren in der Hängepartie befindliche Gesetz zu Menschenrechts- und Sozialstandards in den Lieferketten zu beschließen.

Missstände im Handel abbauen

Seit 2012 trägt Reutlingen den Titel „Fair-Trade-Stadt“. Der Titel wurde 2020 erneuert. Darauf sind die antragstellenden Fraktionen stolz, sehen aber weiterhin Handlungsbedarf. Der bisher im Einzelhandel, in den Kirchengemeinden, der Zivilgesellschaft und der Politik verankerte nachhaltige faire Handel reiche nicht aus. Dies soll mit dem Lieferkettengesetz nochmals verstärkt werden. „Missstände wie Kinderarbeit und Hungerlöhne können nicht weiter Alltag in Ländern des Südens sein. Wir tragen eine Verantwortung für den weltweiten Handel und die Lebensbedingungen auf der Welt. Schäden an Umwelt und Natur in den Ländern des Südens sind Folgen unseres derzeitigen Wirtschaftens. Ungleiche Lastenverteilung bedrohen die Existenz vieler kleiner Produzenten im Süden.“

Vor der Bundestagswahl verabschieden

Das seit 2017 in der Regierungskoalition vertagte Gesetz ist notwendig, um die EU-Gesetzgebung in nationales Recht umzusetzen. Mit dem Antrag soll sich Reutlingen zu seiner globalen Verpflichtung bekennen und allen die Möglichkeit geben, mehr für die Durchsetzung soziale und ökologische Standards in der Welt zu tun. Mit der Unterstützung der Initiative soll versucht werden, eine Verabschiedung des Gesetzes noch vor der Bundestagswahl zu erreichen.