Dass er auf die Bühne gehört, ja, dass er eine Rampensau ist, das war dem Mann, der am Abend des 27. September bei der achten Supertalent-Staffel zu sehen sein wird, schon im zarten Bubenalter klar: Damals, als er in Ohnastetten beim Krippenspiel in der Kinderkirche erstmals vor ein größeres Publikum getreten ist.

Es folgte die Schlagzeuger-Ausbildung beim Würtinger Musikverein. Irgendwann hatte er eine eigene Rockband. Nur: Damals waren die Auftritte noch sein Hobby. Sein Geld hat Schnitzler 25 Jahre lang als Werkzeugmacher verdient. 2008 war Schluss damit. Der Künstler im Älbler war nicht mehr aufzuhalten. Er zog in die Großstadt, nach Reutlingen. Und wurde Mootisave.

Der Künstlername - er ist völlig sinnfrei. Zusammengestöpselt aus Buchstabenkombinationen, mit denen Schnitzler nur ein einziges Ziel verfolgt: Sie sollten bei Google noch nie aufgetaucht sein. Und so ist Mootisave - mal ganz unabhängig davon, ob ihn die Erfolgswelle dereinst tatsächlich ganz weit nach oben tragen wird - auf jeden Fall schon mal eines: einzigartig. Mootisave ist Gema-geschützt. Weltweit versteht sich.

"Wie mich gibt es keinen Zweiten", kommt es dem 44-Jährigen über die eisblau geschminkten Lippen, die zu Mootisave gehören wie die verspiegelten Schuhe, der Hochglanz-Hut mit Strass-verzierter Krempe, der Pailletten-Anzug, die silberne Fliege und die blechernen Armschützer.

Letztere sind Teil seiner Rüstung - schließlich hat Schnitzler 2010 die Achalmritterschaft gegründet, was an Mootisave nicht ganz vorbeigegangen ist. Aber eben nur "nicht ganz". Die Frage, ob die Kunstfigur mehr Vergangenheit oder mehr Zukunft hat, drängt sich schnell auf, angesichts dessen, dass Schnitzler in seinem Outfit auch stark an einen Alien erinnert. Etwas Intergalaktisches haftet ihm an. Dabei ist seine "Message" durchaus irdischer Natur.

"Das Zusammenleben der Menschen muss besser funktionieren. Wir müssen an einer besseren Welt arbeiten. Frieden ist meine Botschaft", redet Mootisave nicht nur seiner Interviewpartnerin ins Gewissen. "Das habe ich auch dem Dieter gesagt." Der Dieter - das ist in diesem Fall ein Mann mit dem Nachnamen Bohlen. Und dem, so Schnitzler, habe er auch erklärt, "dass mein Talent nicht im Singen oder im Tanzen liegt, sondern mein Talent, das ist das Überbringen einer Botschaft".

Die Message, die hatte der Multi-Kreative allerdings schon vor einem Jahr im Gepäck, als er sich zum ersten Mal aufgemacht hat, um Deutschlands Supertalent zu werden. Damals hat er leichtfüßig alle Casting-Hürden übersprungen. "Ich wäre schon in den richtigen Fernsehshows gewesen", erzählt Schnitzler nicht ohne Stolz. Wichtig ist dabei allerdings das Wörtchen "wäre." Und auch das "hätte" spielt bei seinem Scheitern eine nicht geringe Rolle. Denn hätte der Ritter im vergangenen Jahr nicht beim Schwörtagsfest so wild mit der Oberbürgermeisterin geschwoft - er wäre wohl nicht gestürzt und es hätte ihm nicht die Achilles-Sehne zerfetzt. An einen schmissigen Auftritt auf der RTL-Bühne war danach nicht mehr zu denken.

Was dann in diesem Jahr passierte, das hat selbst einen Mann mit dem Selbstbewusstsein eines Frank Christoph Schnitzler vom Hocker gehauen: Das Fernsehen hat sich nochmal gemeldet. Im Frühjahr. "Hallo hier ist RTL. Dieter Bohlen will sie wieder haben", tönte es da aus dem Hörer. Und Mootisave kam ins Schwitzen. Denn so ein Showact will gut vorbereitet sein. Der selbst komponierte Song "Our future" - Schnitzler hat in bewusst in Englisch geschrieben, "weil es ja ein Aufruf ist, den die ganze Welt verstehen soll" - musste noch tänzerisch wie darstellerisch abgerundet werden.

Ein Vorhaben, bei dem Schnitzler tatkräftige Unterstützung von den Damen der Jazztanz-Gruppe des TSV Sondelfingen bekommen hat. Sie haben inzwischen nicht nur einen Videodreh mit ihm durchgezogen, drei der Jazz-Tänzerinnen sind sogar mit Mootisave nach Wiesbaden gefahren, wo die Aufzeichnung der Supertalent-Show über die Bühne ging.

Jedem Kenner des Formats wird es beim Lesen sofort aufgefallen sein: Um in die richtigen Shows zu kommen, hätte der nach dem Sehnen-Riss genesene Schnitzler schon wieder sämtliche RTL-Castings übersprungen haben müssen. Und ja: Er hat.

In Wiesbaden war die Jury ganz hin und weg von Mootisave und seinen Begleiterinnen. Vor allem der Mode-Designer Guido Maria Kretschmer wollte die Tänzerinnen "gleich anfassen", erinnert sich Mootisave. Allerdings ist das Jury-Mitglied den Damen nur an den Stoff gegangen. Wie der beschaffen ist, das wollte Kretschmer schon ganz genau wissen. Zumal die Damenriege auch sonst bei dem Auftritt ins Auge gefallen sein dürfte - hat sie doch fleißig Mootisave-Fan-Fähnchen geschwenkt während sie den Background ausfüllte.

Für den Hauptakteur indes war die Erfahrung vor dem Studio-Publikum aufzutreten und zu wissen, "dass einem später Millionen Menschen zugucken" überwältigend. "Eine 20 Meter breite Bühne - und sämtliche Kameras waren auf mich gerichtet": Mootisave ist immer noch ganz verzückt, wenn er von der Aufzeichnung der Show erzählt. Und auch die Jury sei total nett. Dieter Bohlen und Guido Maria Kretschmer sind jetzt übrigens genauso im Besitz von Mootisave-Fan-Shirts und Prospekten der Achalmritterschaft wie Lena Gercke und Bruce Darnell. Überhaupt: Schenken kann man Prominenten ja nie genug. Weshalb der Reutlinger dem Quartett auch noch seine aktuelle Single in die Hände gedrückt hat.

Aber war er nun ein Erfolg, der Auftritt? Ist Mootisave weitergekommen oder scheidet er aus der Staffel aus? Darüber darf er nicht sprechen. Der Ritter muss eisern schweigen, weil ihm das vertraglich so auferlegt wurde.

Wer wissen will, wie es mit Mootisave weitergeht, muss am 27. September um 20.15 Uhr schon RTL anschalten - oder sich zum Public viewing ins Billy Bobs, in den Rappen oder die Wirtschaft am Gartentor begeben, wo gemeinsam Mootisave geguckt wird. Schnitzler glaubt, dass dann in Reutlingens Kneipen einiges los sein wird. Weil, zumindest sieht er das so, "die ganze Stadt hinter mir steht".

Und wie hat nun das Publikum bei der Fernseh-Aufzeichnung reagiert? "Die eine Hälfte hat applaudiert - und die andere Hälfte hat gepfiffen." Aber dass nicht alle von ihm begeistert sind, ist ihm nicht neu. "Neider hatte ich schon immer", sagt Mootisave. Solche, die es nicht vertragen, dass er im Mittelpunkt steht. Trotzdem ist Schnitzler die personifizierte Zuversicht: Sollte es beim Supertalent weitergehen - er hätte noch ein Plätzchen frei im Terminkalender.