Pfullingen Fünf minus zwei: Bleiben drei

Pfullingen / EVELYN RUPPRECHT 18.10.2014
Der Wahl-Sonntag kann kommen: Drei von fünf Kandidaten sind noch im Rennen um den Chefsessel im Rathaus. 150 Helfer erwarten die Pfullinger an den Urnen. Allein: Die Bürger geben schon jetzt Rätsel auf.

Da klingt Ordnungsamtsleiter Manfred Wolf, sonst ein resoluter und zuversichtlicher Mann, denn doch ein bisschen geknickt. "Bis zur Wochenmitte haben nur 1250 Leute Briefwahlunterlagen beantragt", liest er die doch etwas frustrierende Zahl vom Bildschirm seines Computers ab. Verglichen mit anderen Wahlen und auf eine Gesamt-Beteiligung hochgerechnet, wären das 50 bis 60 Prozent. Vor wenigen Wochen war Wolf noch guten Mutes von über 80 Prozent Wahlbeteiligung ausgegangen. Wie sich das eben gehört und landesweit Usus ist, wenn ein neuer Schultes gewählt werden soll.

Trotzdem hofft der Ordnungsamtschef, dass die Pfullinger am Sonntag wider Erwarten in Scharen in die 14 Wahllokale kommen, dass die 150 Helfer viel zu tun haben werden und, dass die Bürger doch noch die Kurve bekommen, und den demokratischen Entscheidungsprozess befördern. Die Stadtverwaltung steht jedenfalls bereit.

Wenn die Wahllokale um 18 Uhr schließen, beginnt der stressigere Teil der Arbeit für Wolf und Kollegen: die Auszählung. "Der erste Bezirk müsste um 18.20 Uhr reinkommen, um 18.30 Uhr der zweite", ist sich der Ordnungsamtsleiter sicher. All das wird via Leinwand in den Rathaus-Sitzungssaal und auf den Marktplatz übertragen. Um 19 Uhr dürfte das Ding im Kasten sein. Dann wird der Vorsitzende des Wahlausschusses, der amtierende Bürgermeister Rudolf Heß, vors Volk treten und das vorläufige Ergebnis verkünden.

Obwohl sie nur ein einziges Kreuz machen müssen: Leicht werden es die Pfullinger nicht haben. Denn von fünf Kandidaten auf dem Wahlzettel sind nur drei noch wirklich im Rennen. Die anderen haben ihren Rückzug erst nach dem Ende der Bewerbungsfrist bekannt gegeben: Weshalb sie auf der Liste noch aufgeführt sind.

Einer der beiden ist René Schultz, ein 33-jähriger Bäckermeister, der angetreten ist, weil die deutschen Kicker die WM gewonnen haben. Schultz hatte gewettet: "Wenn die Weltmeister werden, werde ich Bürgermeister." Aber Achtung: Es liegt nicht an den aktuell desolaten Leistungen der DFB-Elf, dass der Bäcker in dieser Woche die Wahlkämpferei an den Nagel gehängt hat. Er will einfach nicht mehr.

"Die Frau und der Schrenk können das besser", hat er mit Blick auf seine Mitbewerber erkannt. Nichtmal mehr wählen gehen will der Pfullinger Familienvater am morgigen Sonntag.

Auch beim dritten Namen auf dem Stimmzettel sollten die Wähler tunlichst nicht ihr Kreuz machen. Karin Bauer hat sich aus persönlichen Gründen aus der Kandidatur verabschiedet. Sie soll aber noch immer viele Anhänger in der Stadt haben - und wird vielleicht sogar einige Stimmen bekommen. Ganz ohne Wahlkampf.

Eine andere Chefsessel-Anwärterin hat sich dafür in den vergangenen Wochen - wenn auch mit einer kurzen Unterbrechung - ganz schön ins Zeug gelegt. Nachdem Sabine Lauffer schon aufgegeben hatte, ist sie wieder zurückgekommen ins Rennen. Wie die 55-jährige Wirtschaftsfördererin aus Baden-Baden die vergangenen Wochen sieht? "Sie waren anstrengend, aber auch ergiebig und spannend. Da ich selber keine professionelle und teure Beratung für den Wahlkampf beauftragen wollte, wurde bis auf das Plakatieren der gesamte Wahlkampf nur von meinem Mann und mir alleine gestemmt", erklärt sie. Vor allem der Kontakt zu den Menschen in Pfullingen habe ihr viele Tore zu wichtigem Hintergrundwissen geöffnet. Lauffer will zwar nicht den Wählern vorgreifen und spekulieren, geht aber am Sonntag "von einem erfreulichen Ergebnis aus."

Das tut auch Michael Schrenk. Der 44-jährige Herbertinger Bürgermeister freut sich auf den 19. Oktober. Zum einen, "weil dann der Wahlkampf vorbei ist." Zum anderen, weil er "zuversichtlich dem Votum der Wähler entgegenblickt". Und das nach vier Wochen, in denen er "auf herzliche Menschen und offene Türen" getroffen ist. "Ich hatte viele schöne und positive Begegnungen", bilanziert er.

Nicht nur in Pfullingen, sondern auch in Kirchentellinsfurt steht indes der 56-jährige Sozialmediziner Dr. Horst Raichle auf dem Stimmzettel. Weil sein Erfolg beim ersten Wahlgang in Kirchentellinsfurt aber nicht wirklich durchschlagend war, konzentriert er sich jetzt auf Pfullingen. "Hier ist das Publikum doch viel offener und städtischer." Weshalb er seinen Sohn am Sonntagabend nach Kirchentellinsfurt schicken wird, während er im Pfullinger Rathaus höchst persönlich erscheinen will.

Ach ja: Ganz unten auf dem Wahlzettel ist noch Platz für weitere Vorschläge. Wer da seinen Favoriten eintragen will, der muss nicht nur dessen Namen korrekt schreiben können. Der Vorgeschlagene muss auch unverwechselbar sein. Eine Berufsbezeichnung oder eine Adresse wären ideal.