Hayingen Frischer Wind im Tiefental

Hayingen / OTTO PAUL BURKHARDT 02.07.2016
Am Naturtheater Hayingen tut sich was: Silvie Marks und Johannes Schleker, das neue Regie- und Autorenduo, zeigen dort einen „Spätzles-Western“. 

Eine „Weltpremiere“? Der „erste schwäbische Spätzles-Western“? Schon die Ankündigung des neuen Stücks „Im wilden Südwesten“ macht klar: Hier ist „großes Augenzwinkern“ angesagt. Silvie Marks und Johannes Schleker, das neue Regie- und Autorenduo am Naturthater Hayingen, wollen „etwas Neues ausprobieren“. Vielleicht so eine Art „Heimatstück im Westerngewand“, sagt Schleker. Ein „Italo-Western“, der aber im „schwäbischen Südwesten“ spielt. Das kann ziemlich heiter werden. Aber es geht, in zweiter Schicht sozusagen, auch um gesellschaftliche Umbrüche, um „bröckelnde“ Sicherheiten und wankende „Machtstrukturen“.

Damit kein Zweifel aufkommt: „Unser primäres Ziel“, sagt Johannes Schleker, „ist es, das Publikum zu unterhalten“ – aber gleichzeitig auch so etwas wie „eine Gesellschaftsanalyse“ anzudeuten. Und der Typ „Western Cowboy“, meint Silvie Marks, passt nun mal ganz gut zu manch schwäbischen Charakter-Querköpfen, die ja oft als „wortkarg“ und „eigenbrötlerisch“ beschrieben werden. Insgesamt 60 Akteure und nochmal rund 20 Mitwirkende hinter der Szene sind bei dem neuen Stück beteiligt. Der ausführliche Titel lautet „Im wilden Südwesten – Ein schwäbisches Eldorado“: Premiere ist jetzt am Sonntag, 3. Juli, 14.30 Uhr (siehe Info).

 Seit Anfang des Jahres sind Silvie Marks und Johannes Schleker, die kurz als „marks & schleker“ firmieren, nun als Regie- und Autorenduo am Naturtheater Hayingen tätig. Daraus soll dann, wenn alles gut geht, eine künstlerische Leitung werden, und solche Doppelspitzen sind bekanntlich durchaus üblich. Ihre erste Visitenkarte – eine schwäbische Umarbeitung von „Tom Sawyer“ – haben „marks & schleker“ bereits abgegeben. Die überwiegend positive Resonanz zeige, so Schleker: „Unsere erste Bewährungsprobe haben wir, glaube ich, ganz gut gewuppt.“

Klar, der „Erwartungsdruck“, sagt Marks, sei spürbar groß. Doch dass man sie beide nach Hayingen geholt hat, bedeute auch, dass eine „Bereitschaft zu Veränderungen“ durchaus vorhanden sei. Schleker sieht ebenso viel „Innovationspotenzial“ am Naturtheater.

Jetzt aber steht die Premiere des neuen Stücks „Im wilden Südwesten“ ins Haus. Und da, erzählt Schleker, soll die „ganze Breite und Tiefe der Bühne“ bespielt werden. Selbstverständlich kommen da auch – und das ist sowohl Hayinger wie auch Western-Tradition – allerlei Pferde und Kutschen zum Einsatz, versichern Marks und Schleker.

Beide haben in Hildesheim am Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur studiert, einer bundesweit angesehenen, renommierten Ausbildungsstätte, von der so bekannte Regisseure wie Sebastian Nübling kommen. Sie sind dort seit Jahren als freie Gruppe „marks & schleker“ aktiv. Beide wohnen noch dort. „Wir hatten noch keine Zeit, umzuziehen“.

Johannes Schleker, 1982 in Reutlingen geboren, stammt aus jener Familie, die das Naturtheater Hayingen gegründet und maßgeblich geprägt hat. Er selbst hat, bevor er nach Hildesheim ging, 14 Jahre in Hayingen als Schauspieler auf der Freilichtbühne im Tiefental mitgewirkt.

Auch Silvie Marks (Jahrgang 1983), die in Esslingen aufgewachsen ist, hat sich schon früh fürs Theater interessiert – im Jugendspielclub der Württembergischen Landesbühne etwa. Im neuen Stück des Duos – „Im wilden Südwesten“ am Hayinger Naturtheater – wird „em broidschda Schwäbisch“ gesprochen. Sie beide reden im Alltag kaum oder gar nicht mehr Dialekt. Es ist  halt so, sagen sie lachend, „dass wir viel besser schwäbisch schreiben als sprechen“.

In Hayingen sehen sie ihren Auftrag auch darin, fürs Naturtheater eine Art „Strukturanalyse“ zu erarbeiten. Einerseits gehe es darum, wieder mehr Kontinuität in die Bühne zu bringen (nach vielen Jahren mit häufig wechselnden Regisseuren), andrerseits wird auch zu prüfen sein, ob und wie die „Format- und Produktpalette“ des Naturtheaters zu „erweitern“ sei. Wie kann sich eine traditionelle Amateurtheaterbühne den gewandelten Anforderungen der Zeit stellen?

Über das Stück wollen marks & schleker vor der Premiere nicht zu viel verraten. Nur soviel: Es geht um die Frage „was ist Heimat“, was bedeutet es, zurückzukehren, wenn man lange weg war? Verhandelt werden unter anderem wegbrechende Sicherheiten und angebliche „dunkle Bedrohungen von außen“. Doch „es geht nicht um Tagespolitik“, sagt Marks, sondern um „gesellschaftliche Strukturen“. Wie dann am Ende die Heimkehrer und die Daheimgebliebenen miteinander zurecht kommen, wird sich am Sonntag erstmals zeigen – vielleicht gibt’s ja auch nach Italo-Western-Manier so etwas wie „die sieben glorreichen Schwaben“, wer weiß. Unterhaltung und Brechtsches Lehrstück  – diese beiden Ebenen sind, so Marks und Schleker, durchaus vereinbar.  

Bühnenbildnerin Jana Fahrbach hat einen chicen Saloon auf die Freilichtbühne im Tiefental gebaut, sogar mit einer ausrollbaren Westerntheke. Und fast vergessen: Viel Musik wird es geben, der musikalische Leiter Stefan Wurz, Schöpfer mehrerer bekannter Rockmusicals, Splatteropern und Film-Soundtracks, wird rund 50 Einspielungen beisteuern, darunter auch 25 Songs. Lassen wir uns also überraschen von der „Weltpremiere“ am Sonntag, vom „ersten schwäbischen Spätzles-Western“. Saloon und Theke stehen jedenfalls schon bereit.

Premiere – Aufführungen – Karten

Premiere „Im wilden Südwesten – Ein schwäbisches Eldorado“, ein Stück von und in der Regie von Silvie Marks und Johannes Schleker: Premiere ist jetzt am Sonntag, 3. Juli, 14.30 Uhr im Naturtheater Hayingen. Angekündigt ist das Stück als „Der erste schwäbische Spätzles-Western“.

Weitere Aufführungen: bis 4. September jeweils samstags 20 Uhr und sonntags 14.30 Uhr. Am 13./14. August keine Aufführungen.

Karten: mit Platzwahl im Internet auf der Website www.naturtheater-hayingen.de und unter ? (0180) 50 50 286 (14 Cent/min. aus dem Festnetz der DTAG, Handykosten können abweichen).

Die jüngste Produktion von „marks & schleker“ in Hildesheim trägt den Titel „Ich wünsche mir den Ausnahmezustand – Ich glaube, da hätte ich gute Karrierechancen“. Das Stück versteht sich als eine Art „Katastrophen-Simulator“ für alle ab 14 Jahren. In der Ankündigung heißt es „Wir setzen auf die ordnende Kraft der Katastrophe und das schöpferische Potenzial des Chaos. Gemeinsam mit dem Publikum wollen wir das Undenkbare denken.“

Premiere – Aufführungen – Karten

Premiere „Im wilden Südwesten – Ein schwäbisches Eldorado“, ein Stück von und in der Regie von Silvie Marks und Johannes Schleker: Premiere ist jetzt am Sonntag, 3. Juli, 14.30 Uhr im Naturtheater Hayingen. Angekündigt ist das Stück als „Der erste schwäbische Spätzles-Western“.

Weitere Aufführungen: bis 4. September jeweils samstags 20 Uhr und sonntags 14.30 Uhr. Am 13./14. August keine Aufführungen.

Karten: mit Platzwahl im Internet auf der Website www.naturtheater-hayingen.de und unter ? (0180) 50 50 286 (14 Cent/min. aus dem Festnetz der DTAG, Handykosten können abweichen).

Die jüngste Produktion von „marks & schleker“ in Hildesheim trägt den Titel „Ich wünsche mir den Ausnahmezustand – Ich glaube, da hätte ich gute Karrierechancen“. Das Stück versteht sich als eine Art „Katastrophen-Simulator“ für alle ab 14 Jahren. In der Ankündigung heißt es „Wir setzen auf die ordnende Kraft der Katastrophe und das schöpferische Potenzial des Chaos. Gemeinsam mit dem Publikum wollen wir das Undenkbare denken.“

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