Landgericht Freispruch und forensische Psychiatrie

Tübingen/Reutlingen / swp 18.05.2018

Staatsanwalt Benedikt Quarthal und Pflicht-Verteidiger Matthias Hunzinger forderten das gleiche Strafmaß im gestrigen Prozess vor dem Landgericht für einen 20-jährigen Iraker, der einen gleichaltrigen Saudi niedergestochen hatte: Freispruch und eine anschließende Unterbringung im Maßregelvollzug, also in der forensischen Psychatrie.

Der Vorsitzende Richter Armin Ernst schloss sich dem in seiner Urteilsverkündung an. Der Angeklagte, der aus einem kurdischen Gebiet stammt, und das spätere Opfer kannten sich flüchtig. Im September verbrachten sie den Abend unabhängig voneinander in einem Reutlinger Jugendzentrum. Danach kam es in einer Unterkunft zum unvermittelten Angriff: Der Saudi wurde durch vier Messerstiche schwer verletzt.

Stimmen befahlen die Tat

Der Irakter flüchtete nach seiner Tat zu Fuß, ließ sich kurz darauf zunächst wiederstandlos wieder von einer Polizeistreife festnehmen. Als er aber auf dem Revier schließlich seine Fingerabdrücke abgeben sollte, leistete er rabiate Gegenwehr.

Am zweiten Prozesstag hatte der psychiatrische Gutachter Hermann Ebel dem Angeklagten eine schizophrene Psychose attestiert. Dieser hatte beim Prozessauftakt angegeben, dass ihm Stimmen die Tat befohlen hatten. Ebel empfahl deshalb die Einweisung in den Maßregelvollzug.

Wie es um den Aufenthaltsstatus des asylsuchenden Irakers nach diesem Freispruch wegen Schuldunfähigkeit steht, konnte Pflichtanwalt Hunzinger gestern noch nicht sagen. Was jedoch feststeht: Gutachter werden von nun an jährlich überprüfen, wie es um die psychische Stabilität und die Psychosen des jungen Irakers steht.