Dunkle Wolken stehen am Himmel, immerhin regnet es am Mittwochmorgen während der Pressekonferenz zur Eröffnung des Reutlinger Wellenfreibads nicht, das am Montag, 15. Juni, seine Tore öffnen wird. Die Badegäste müssen sich allerdings aufgrund der Corona-Pandemie auf zahlreiche Einschränkungen einstellen. „Ein normaler Badebetrieb wird in diesem Jahr nicht möglich sein. Das sind Erfahrungen, auf die ich gerne verzichtet hätte“, sagt Necdet Mantar.

Kritik am Vorpreschen der Politk

Der Leiter der Reutlinger Bäder kritisiert deutlich das Vorpreschen der Politik. Mit der Ankündigung, dass die Bäder bereits ab 6. Juni öffnen dürften, habe sich die Landesregierung über die Interessen der für die Bäder Verantwortlichen hinweggesetzt. Dieser Termin sei, betont Mantar, einfach nicht zu schaffen gewesen, was zu einem Shitstorm in den sozialen Medien geführt habe.

Das Wellenfreibad, das nicht mehr den Namenszusatz „Markwasen“ trägt, in relativ kurzer Zeit herzurichten, sei ein „Riesenkraftakt“ gewesen, betont Betriebsleiter Lukas Ebinger – gerade auch mit Blick auf die zahlreichen Hygiene- und Abstandsvorgaben.

Einteilung in mehrere Zeitphasen

So haben die Stadtwerke die Badezeiten in mehrere Bereiche („Slots“) eingeteilt. Die erste Phase geht werktags von 6.30 bis 10.30 Uhr, samstags und sonntags von 7.30 bis 10.30 Uhr. Phase zwei von 11 bis 15 Uhr und Phase drei von 15.30 Uhr. Dazwischen liegen jeweils 30 Minuten Pause, in denen das Bad komplett geräumt werden muss. Auch wer Tickets für zwei aufeinander folgende Zeitphasen erworben hat, muss das Bad verlassen. Für den ersten Slot werden am Anfang maximal 400 Tickets verkauft, in  den anderen beiden Zeitphasen stehen jeweils 1000 Tickets, sodass maximal 2400 Besucher das Bad nutzen können.

Appell an Eigenverantwortung der Besucher

Damit der Betrieb überhaupt unter den Voraussetzungen einer Pandemie funktionieren kann, appelliert Mantar an die Eigenverantwortung der Badegäste. Werden die Regeln nicht eingehalten, können einzelne Bereiche oder das komplette Bad geräumt und geschlossen werden.
Für die einzelnen Becken wurde je nach Größe eine Höchstzahl von Schwimmern festgelegt. Um dies sicherzustellen, muss  sich jeder, der ins Becken will, ein farbiges Bändchen aus einer Box mit Desinfektionsmitteln holen. Nach dem Schwimmen werden die Bändchen wieder zurückgelegt, und der Nächste darf ins Becken. Einen Wellenbetrieb wird nicht geben.

Konzept mit Kreisgesundheitsamt abgestimmt

In geschlossenen Räumen wie Umkleidekabinen oder Toiletten müssen die Badegästen Mundschutz tragen. Abstandregeln müssen eingehalten werden. Das gilt übrigens auch für das Achalmbad. Das Hygiene- und Sicherheitskonzept wurde mit dem Kreisgesundheitsamt abgestimmt: „Wir können sagen, wir haben alles Erdenkliche getan“, unterstreicht Mantar.

Freibadfest fällt aus

Nach zwei Wochen Erfahrung will die Bäderleitung eine erste Zwischenbilanz ziehen. Mantar: „Wir werden schauen, ob wir die Zahl der Schwimmer nach oben korrigieren können.“ Eines ist aber schon jetzt sicher: Ein Freibadfest wird es in diesem Jahr nicht geben.
Waren in den vergangenen Jahren bis zu 20 Mitarbeiter in Hochbetriebszeiten im Einsatz, schätzt Mantar, dass sich deren Zahl verdoppeln wird. Zudem werden vier Security-Mitarbeiter für eine gewisse Zeit das Personal unterstützen. Auf der Gegenseite stehen niedrigere Energie- und Unterhaltungskosten. Dennoch werden die gestiegenen Personalkosten und die geringeren Besucherzahlen werden dazu führen, dass der Abmangel aller Reutlinger Bäder von jährlich 3,5 bis 4,5 Millionen Euro in diesem Jahr deutlich höher ausfallen wird.

Tickets nur online

Tickets können vorerst nur online erworben werden. Das Verkaufssystem, das neu angeschafft werden musste, soll voraussichtlich heute, Freitag, 12. Juni, starten – Eintrittskarten gibt es dann unter www.reutlinger-baeder-de. Einzel- und Punktekarten, die sich derzeit im Umlauf befinden, sind während des Pandemiebetriebs ungültig. Karten, die während der Pandemiezeit ablaufen, werden nach der Freibadsaison auf Antrag verlängert. Es gibt nur zwei Tarife, Erwachsene zahlen drei Euro pro, Kinder und Jugendliche 1,50 Euro. Im Gegensatz zu den Vorjahren müssen auch Kinder unter sechs Jahren Eintritt bezahlen.
Es gibt auch wieder einige  Neuerungen. So sind 54 Schließfächer mit einer Powerbox ausgerüstet, an der vier Smartphones gleichzeitig aufgeladen werden können. Und für kommendes Jahr ist die Sanierung des Kleinkinderbeckens vorgesehen, die rund 3,7 bis 3,8 Millionen Euro kosten wird.