Reutlingen Frage nach dem fairen Lohn

Albert Seiz, Christian Bäumler, Adalbert Ewen und Kai Schweppe (von links) äußerten sich beim Jahresauftakt der Gewerkschaft CGM zum Thema "Mehr Geld - mehr Motivation?" Foto: Norbert Leister
Albert Seiz, Christian Bäumler, Adalbert Ewen und Kai Schweppe (von links) äußerten sich beim Jahresauftakt der Gewerkschaft CGM zum Thema "Mehr Geld - mehr Motivation?" Foto: Norbert Leister
NORBERT LEISTER 27.03.2012
Steigert mehr Geld die Motivation der Beschäftigten? Dieser Frage ging am Sonntag die Christliche Gemeinschaft Metall (CGM) bei ihrem Jahresauftakt in den Räumen des DRK-Ortsverens auf den Grund.

"Geld ist nicht alles - aber ohne Geld ist alles nichts." Mit etwas anderen Worten bearbeitete Kai Schweppe als Vertreter des Arbeitgeberverbands Südwestmetall am Sonntag bei der Christlichen Gewerkschaft das Thema "Mehr Geld - mehr Motivation?" Geld sei zweifellos wichtig, sagte der gelernte Ingenieur, "aber die Motivation kommt aus den einzelnen Beschäftigten heraus". Noch etwas anders formuliert bedeute das: "Die Motivation jedes Einzelnen ist die natürliche Ordnung der Dinge."

Hergeleitet hat Schweppe als Leiter der Abteilung Arbeitspolitik bei Südwestmetall diese Aussage mit einem regelrecht wissenschaftlich-philosophischen Diskurs über verschiedene Thesen und Theorien - an deren Ende für ihn die Erkenntnis stand: Faire und gute Bezahlung der Beschäftigten sei die Grundlage der Motivation. Ohne diese Basis würden die Mitarbeiter aber demotiviert. Gleichzeitig seien Wertschätzung und gute Führungsarbeit deutlich wichtiger als noch mehr Geld. Reutlingens CGM-Vorsitzender Albert Seiz hatte diese Aussage schon zu Beginn der Jahresauftaktveranstaltung vorweggenommen: "Geld ist wichtig, weil wir ohne Geld nicht leben können." Ebenso wichtig seien aber auch Arbeitsumfeld und Arbeitsbedingungen. Ganz ähnlich sah das Adalbert Ewen als Bundesvorsitzender der CGM in seinem Grußwort: Laut einer Studie seien 58 Prozent der Arbeitnehmer mit ihrem Einkommen zufrieden. Was aber im Umkehrschluss nicht bedeute, dass sie nicht gerne mehr nehmen würden. Nur: Der Motivation förderlich sei dieses Mehr nicht. Die Frage drehe sich somit vor allem um den Punkt, was denn ein "fairer, gerechter Lohn" sei. "Amerikanische Manager verdienen heute 343 mal mehr als ihre Angestellten", behauptete Ewen. Mit Gerechtigkeit habe so eine Entwicklung doch wohl kaum etwas zu tun, so seine Schlussfolgerung. Grundsätzlich sei es wichtig, die auseinanderklaffende Schere wieder zusammenzuführen, denn: "Die oberen Entgelte von Angestellten sind um 15,5 mal höher als die der unteren Angestellten."

Christian Bäumler, Landesvorsitzender der CDA Baden-Württemberg, deutete in seinem Grußwort auf weitere Aspekte, die unter dem Thema des Tages "Mehr Geld - mehr Motivation?" hinein spielen würden: Die Grundlage von der Umverteilung der in den Unternehmen erwirtschafteten Gelder sei, "dass die Wirtschaft wächst", so Bäumler. Wenn das gegeben sei, dann müssten die Beschäftigten am Erfolg beteiligt werden. Das gelte auch für die Leiharbeit, wobei in diesem Themenfeld das Problem sich nicht nur auf die gleiche Bezahlung erstrecke, sondern auch auf die gleichen Arbeitsbedingungen der Fest-Angestellten. Albert Seiz dazu: "Man sollte die Leiharbeit nicht verteufeln." Es gebe durchaus auch Beschäftigte, die gar keine feste Anstellung anstreben würden und: "Viele Leiharbeiter sind doch erst mal froh, überhaupt arbeiten zu können." Angekündigt - aber nicht zum Jahresauftakt der Reutlinger CGM gekommen - war im Übrigen Thomas Strobl, Vorsitzender der CDU Baden-Württemberg. Auch er hätte zu dem Thema Geld und Motivation reden sollen. Aber: Der Wahlkampf im Saarland und in Nordrhein-Westfalen erfordere seine Anwesenheit an anderen Orten.