Reutlingen Fortschritt für Stadtbahn

Der Gemeinderat favorisiert für die Stadtbahn einen Haltepunkt westlich der Siemensstraße als optimal für „Storlach“ und „Voller Brunnen“.
Der Gemeinderat favorisiert für die Stadtbahn einen Haltepunkt westlich der Siemensstraße als optimal für „Storlach“ und „Voller Brunnen“. © Foto: Ralf Ott
Reutlingen / RALF OTT 01.07.2016
Mit einem ganzen Paket an Beschlüssen hat der Reutlinger Rat gestern Abend das Projekt Regional-Stadtbahn weiter vorwärts in Richtung Start gebracht.

Mit mehreren Beschlüssen hat der Reutlinger Gemeinderat gestern Abend das Projekt Regional-Stadtbahn im Bereich des „Planfeststellungsabschnitts 5“ – also der vorhandenen Gleisstrecke der Bahn auf Reutlinger Gemarkung – sowie der Innenstadtstrecke und der so genannten Gomaringer Spange vorangebracht. Vorgesehen ist, das Planfeststellungsverfahren bis Oktober abzuschließen, so dass ab Januar nächsten Jahres mit den Bauvorbereitungen und im Sommer mit den Bauarbeiten gestartet werden könnte. Der „erste Betriebstag“ könnte dann im November 2019 in den Kalender eingetragen werden, rechnete Dierk Wöhrmann, Abteilungsleiter für Verkehr, vor.

Auf dem Weg dorthin wird die Stadtverwaltung nach dem gestrigen Beschluss des Gemeinderats einen Bebauungsplan „Regional-Stadtbahn Innenstadtstrecke“ aufstellen. Das geschieht parallel zum Planfeststellungsverfahren, wie Oberbürgermeisterin Barbara Bosch verdeutlichte und bietet auch die Plattform für die Bürgerbeteiligung.  Unterm Strich wurden insgesamt bislang 460 000 Euro für die Planung ausgegeben, mit weiteren 330 000  Euro wird gerechnet. Der Anteil der Baukosten, die allein auf die Stadt entfallen, liegt bei 685 000 Euro, wobei es sich laut Stadtplanungschef Stefan Dvorak um den Stand aus dem Jahr 2006 handelt.  Wie der Planungsexperte gegenüber dem Gremium betonte, sollte das „Modul 1“ der Regional-Stadtbahn – der Abschnitt zwischen Herrenberg und Bad Urach – natürlich kein „Torso“ bleiben. Aus Reutlinger Sicht kommen hier die Fortführung der Strecke durch die Innenstadt sowie die „Gomaringer Spange“ ins Spiel. Für die geradlinige Variante vom Hauptbahnhof durch die Garten- und Albstraße liegt bereits eine standardisierte Bewertung vor. Doch da hier kein Platz für eine eigenständige Trasse ist, gibt es nach derzeitigem Recht auch keine Zuschüsse auf der Grundlage des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG). Anders sieht dies aus, wenn die Stadtbahn durch die Lederstraße auf einer gesonderten Trasse in Richtung Alb geführt wird. Daher wird nun, nach einstimmigem Ratsbeschluss, auch für diese Streckenführung eine standardisierte  Bewertung erfolgen. Keine Mehrheit fand der von den Grünen beantragte Zusatz, die Trassenführung so zu wählen, dass der umfangreiche Baumbestand in jedem Fall erhalten wird. Beschlossen wurde auch, in die weiteren Vorplanungen für die „Gomaringer Spange“, also der Fortsetzung der Bahn in Richtung Steinlachtal, das städtische Eisenbahninfrastrukturunternehmen sowie die RSV und die Fair-Energie einzubeziehen. Die Strecke könnte auf der früheren Eisenbahntrasse eingerichtet werden, auf einem Teilabschnitt liegen sogar noch Schienen. Ebenfalls grünes Licht gab der Rat für die Prüfung einer alternativen Trassenführung entlang der Landesstraße und der damit möglichen Anbindung des Gewerbegebiets „Erweiterung Auchtertstraße“. Nicht zuletzt ermöglicht die jetzt beschlossene Einrichtung einer Gesellschaft die weitere gemeinsame Planung zwischen den beteiligten Partnern der Regional-Stadtbahn, deren städtische Projektleiterstelle wiederum um fünf Jahre verlängert wurde.

Kritisch äußerten sich die Grünen zu einer möglichen Trassenführung durch die Lederstraße. „Wir werden keiner Stadtbahn zustimmen, für die hunderte von Bäumen gefällt werden“, betonte Holger Bergmann.  Obendrein biete die Gartenstraße ein weitaus höheres Erschließungspotenzial an Fahrgästen durch Schulen, Behörden und die Wohnbebauung. Baubürgermeisterin Ulrike Hotz unterstrich, es sei notwendig die bisherigen Untersuchungen zur Lederstraße durch ein standardisiertes Verfahren  zu ergänzen.

FWV-Rat Erich Fritz sagte, es handle sich um eine Grobplanung und keine „Weichenstellung“, während CDU-Fraktionschef Rainer Löffler das Bebauungsplanverfahren lobte und die Stadtbahn als „wichtigen Baustein für das Mobilitätskonzept“ wertete. Zustimmung für die FDP – „wir stehen hinter der Stadtbahn“ – signalisierte Hagen Kluck und WiR-Stadtrat Jürgen Straub nannte sie ein „Zukunftsprojekt“.

Einhellige Zustimmung gab es von Seiten des Gremiums für die Planungen der beiden zusätzlichen Haltestellen, die als „Mobilitätsschwerpunkte“ sowohl barrierefrei eingerichtet wie auch mit einem Fahrrad- und Carsharing-Angebot ausgestattet werden sollen. Der Haltepunkt Bösmannsäcker könnte vor allem Mitarbeitern der Firma Bosch den Umstieg auf die Stadtbahn erleichtern. Der Rat hat dem städtischen Vorschlag, eine direkte Querungsmöglichkeit der Gleise zu schaffen, zugestimmt. Im Bereich „Storlach“ und „Voller Brunnen“ wiederum will die Stadt den Haltepunkt auf die westliche Seite der Siemensstraße verlegen, weil hier das Fahrgastpotenzial größer ist. Geht es nach dem Willen von Stadt und Gemeinderat, sollen beide Änderungen in die Planfeststellung einfließen.