Reutlingen / RALPH BAUSINGER  Uhr
Die Stadt wird das erste und zweite Obergeschoss des Altenpflegeheims Ringelbach zu einer Unterkunft für 100 Flüchtlinge und Asylsuchende umbauen. Die geschätzten Kosten betragen rund 465 000 Euro.

Offizieller Bauherr ist die Stiftung Altenhilfe, die von der Stadt eine kostendeckende Miete erhalten wird. Das Gebäude wurde in den Jahren 1927 bis 1929 errichtet und bis zu seiner Stilllegung 2013 als Altenpflegeheim genutzt.

Seit Frühjahr 2014 hat der Landkreis Flüchtlinge im Erdgeschoss untergebracht. Nach Umbau und Sanierung bietet der Bauteil Bellinostraße Platz für 100 Flüchtlinge in der so genannten Anschlussunterbringung - jedem Flüchtling stehen damit 4,5 Quadratmeter zur Verfügung. Im ersten Stock gibt es neben einer Küche, vier Sanitärräumen und einem Verwaltungs-/Aufenthaltsraum zwölf Zimmer, die mit jeweils zwölf Personen belegt werden. Im zweiten Geschoss sollen 52 Personen wohnen. Nach dem gestrigen Beschluss, den der Gemeinderat mit großer Mehrheit gegen die Stimmen der beiden Linken-Stadträte Thomas Ziegler und Jessica Tatti gefasst hatte, "können wir sofort loslegen", wie Peter Geier als Leiter des Gebäudemanagements Reutlingen sagte. Die beiden Geschosse sollen dann im August 2016 bezogen werden können

"Wir machen uns ernsthafte Sorgen über das Vorgehen des Gemeinderates", äußerte Jessica Tatti heftige Kritik am Gremium. Die von der Linken abgelehnte Unterbringung der Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften habe in der Stadt zu ablehnenden Reaktionen geführt. Tatti kritisierte, dass die Entscheidung des Rates zu den Gemeinschaftsunterkünften nicht mit den Anträgen zur Schaffung preiswerten Wohnraums verbunden worden sei. Ferner wollte sie wissen, ob es Gespräche mit dem Landkreis über eine spätere Übernahme der Gemeinschaftsunterkünfte gebe.

Sprecher der anderen Fraktionen wiesen Tattis Kritik zurück. FWV-Stadträtin Annette Leininger nannte die Ansichten "weltfremd" und verwies darauf, dass es sich bei den Gemeinschaftsunterkünften nur um eine "Anschluss- und nicht um eine Dauerunterbringung" handle. Es sei geradezu "frech, dass Sie uns vorwerfen, wir würden den Asylanten Unzumutbares zumuten", sagte Leininger.

Rainer Löffler kommentierte Tattis Äußerungen als "wirkliches Trauerspiel". Die Stadt befinde sich in einer "Ausnahmesituation und müsste größte Anstrengungen unternehmen, um eine Unterbringung in Zelten oder Hallen zu vermeiden. "Wir haben es in Reutlingen geschafft, Unterkünfte zu schaffen, die den Standards entsprechen", sagte der CDU-Stadtrat.

Es sei traurig, merkte SPD-Fraktionsvorsitzender Helmut Treutlein in Richtung Jessica Tatti an, "dass Sie die Anstrengungen, die in der Stadt geschehen, nicht würdigen". Dei Grünen-Stadträtin Gabriele Janz räumte zwar ein, dass der Rat das Thema "Schaffung bezahlbaren Wohnraums" in der Vergangenheit nicht intensiv genug beackert habe. Man könne aber niemandem absprechen, dass er sich keine Gedanken gemacht habe.