Neujahrsmorgen Fleißige Helfer räumen im Morgengrauen auf

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Jürgen Herdin 01.01.2014

Ob die fleißigen, muslimischen Heinzelmännchen gestern zum Jahresauftakt zu früh dran waren oder einfach die Nachtschwärmer zu spät? Jedenfalls war die Jugend der Ahmadiyya-Gemeinde Reutlingen bereits mit Müllzangen und blauen Säcken bewehrt unterwegs, um die Hinterlassenschaften der diversen Feuerwerke wegzuschaffen – als ein versprengtes Grüppchen feuchtfröhlich gelaunter Jugendlicher auf der Pomologie noch immer ballerten.

Etwa 200 Mitglieder zählt die aus Pakistan stammende islamische Glaubensgemeinschaft in Reutlingen, die von anderen Gruppierungen, wie natürlich etwa den Islamisten, angefeindet wird, weil sich die Ahmadiyyas ausschließlich friedlichem Handeln in Religion und Politik verschrieben haben.

Die große Putzete gibt es übrigens bundesweit, sie ist freiwillig und unentgeltlich. Rund 50 Leute stark ging es zum Jahresbeginn auch recht schnell voran. „Deutlich weniger Müll als sonst“, befand einer der Helfer – und wechselte über das kleine Brückle seinen Einsatzort – vom Volkspark ging es hinüber zur Pomologie.

Seit nunmehr 16 Jahren greifen die Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat am Neujahrsmorgen zu Besen und Schaufel. Die Ahmadi-Muslime verrichten zunächst ihr Tahajjud-Gebet – dies bereits im letzten Drittel der Nacht. Sie bitten dabei für ein segensreiches Jahr für die Menschheit und für den Frieden in der Welt. Es folgt ein gemeinsames Frühstück und eine kurze Einstimmung auf die „ehrenvolle Arbeit“, was sich „Waqar-e-Amal“ nennt. Hierbei steht der folgende Vers des Heiligen Koran im Vordergrund: „Allah gebietet Gerechtigkeit und uneigennützig Gutes zu tun.“ Und daher erwarten sie keine Gegenleistung für ihre Arbeit. Und gerade dabei sind sie sehr konsequent. Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren vor, dass Spaziergänger schon im Morgengrauen des Neujahrstags mit ihren Hunden Gassi gingen und angesichts der Putztruppe ihren Geldbeutel zückten – als Dankeschön. Nur sehr selten wurde das von der Ahmadi-Jugend angenommen. Und wenn doch, dann deshalb, um das Geld ihrerseits als Spende für einen guten Zweck weiterzugeben.