Reutlingen Fixsterne, Freiheit und Chaos

Tanztheater: "Use your name" (oben links) und "Caos" (unten). Oben rechts das Team mit (von links) Sandra Omlor, Enrico Urbanek und Karen Schultze. Fotos: pr/Kipp (1)
Tanztheater: "Use your name" (oben links) und "Caos" (unten). Oben rechts das Team mit (von links) Sandra Omlor, Enrico Urbanek und Karen Schultze. Fotos: pr/Kipp (1)
Reutlingen / KATHRIN KIPP 04.03.2015
Das Tonne-Tanztheaterfestival geht nun schon in die 16. Runde. Und auch dieses Mal - am 6. und 7. März in der Planie - sind bei den vier Produktionen wieder Tänzer und Choreographien aus aller Welt dabei.

"Es gibt doch ein paar tanzbegeisterte Zuschauer in Reutlingen", meint Tonne-Intendant Enrico Urbanek. Und so hat sich das Konzept des Theaters, mehrere Kurz-Produktionen an einem Abend zu zeigen, über die Jahre bewährt. Das Tanztheater-"Festivälchen" ist aber nicht nur eine Gelegenheit fürs Publikum, zu schauen, was in der freien Tanzszene derzeit alles so geht, sondern auch für die Tänzer und Choreographen, sich zu treffen, auszutauschen und gegenseitig zu begutachten.

So werden auch dieses Mal wieder verschiedene choreografische Handschriften gezeigt: "Da ist für jeden was dabei", hofft Enrico Urbanek. Und vor allem funktioniert Tanztheater ja meist ohne Worte. Man muss also beim Zuschauen nicht einmal sein Sprachzentrum bemühen, sondern kann sich zurücklehnen, Augen und Hirn ebenfalls frei (mit-)tanzen lassen und wild losinterpretieren.

Den Auftakt macht dabei jeweils die Company Idem: Die beiden Choreographen Matthias Kass (Deutschland) und Clément Bugnon (Schweiz) waren mehrmals zu Gast in Reutlingen. Dieses Mal tanzen sie allerdings nicht selbst, sondern lassen tanzen und zwar Islam El Shafey (Frankreich), mit dem sie eigens für die Tonne eine Uraufführung produziert haben.

Die Company Idem steht bei ihren Produktionen für "originelles Spiel mit ausgefallenen Bühnenelementen" und schafft so "interessante Räume", findet Tonne-Dramaturgin Karen Schultze. Dieses Mal stellen die Truppe eine Apparatur auf die Bühne, auf die der Tänzer quasi als "Astrodicticum Simplex" (so heißt auch das erfolgreichste deutschsprachige Wissenschafts-Blog) mit den Beinen fixiert ist, als eine Art Planet, der sich nur um sich selbst drehen kann. Der Tänzer versucht also, "nur über Bewegung Freiheit zu erlangen", erläutert die Dramaturgin Sandra Omlor. Es geht also darum, beim "Ständig-um-sich-selbst-Drehen" zu versuchen, der Routine zu entkommen, aber auch um die Spannung zwischen Beschränkung und Freiheit, Halt und Haltlosigkeit. Und letztlich um die Frage, "ob man überhaupt schon bereit ist für die Freiheit".

Zum ersten Mal in Reutlingen ist die griechisch-berlinerische Compagnie Porson's Khashoggi (Xenia Alexandrou und Andrea Rama). Sie stellen eine Produktion vor, in der es zu einer Art Duell der Selbstdarsteller kommt: Matina Kokolaki und Andrea Rama tanzen die zwei Politikerpersönlichkeiten "Zeno und Nero", die über Bewegung einen Konkurrenzkampf im Selbstdarstellen ausführen, dabei versuchen, Kontakt aufzunehmen, sich zu beeinflussen und gegenseitig auszustechen. Das Stück ist bei einer Choreographie-Plattform im Karlsruher ZKM entstanden, feierte seine Uraufführung in Berlin und kommt nun direkt in die Planie.

Sonia Rodriguez aus Spanien wiederum choreographiert und tanzt alles selbst, ihr Solo ist ein "Caos", eine "traumhafte Suche nach dem Gleichgewicht angesichts einer überwältigenden Menge von Möglichkeiten". Sonia Rodriguez hat mit diesem schon etwas älteren Stück mehrere Preise gewonnen, arbeitet darin mit den Gegensätzen Licht und Dunkel, Natur und Technik, es geht um "den Versuch, sich selbst in der Welt zu entdecken", so Sandra Omlor.

Nach der Pause gibt es dann ein halbstündiges Stück von gleich drei Choreographen: Yaron Shamir (Israel), Na Hoon Park (Südkorea) und Vito Alfarano (Italien) haben kürzlich in Südkorea das Stück gemeinsam entwickelt - und zwar beim "International Dance Festival", wo der interkulturelle Austausch im Vordergrund steht. Und wie das so ist, wenn Leute aus aller Welt zusammenkommen, es geht immer um kulturelle Identität. Und so sind in "Use your name" alle Tänzer gleich gekleidet und erfahren die gleichen Einschränkungen, versuchen aber, sich aus dieser Gleichmacherei der Globalisierung zu befreien und ein eigenes kulturelles Profil zu zeigen.

Internationales Tanztheater XVI - Aufführungen und Karten

Termine Internationales Tanztheater XVI, eine Reihe des Tonne-Theaters, jeweils in der Tonne-Spielstätte Planie 22: mit Choreografien von Company Idem, Compagnie Porson's Khashoggi, Sonia Rodriguez sowie Yaron Shamir, Na Hoon Park und Vito Alfarano.

· Freitag, 6. März, 20 Uhr

· Samstag,7. März, 18 Uhr.

Karten: Telefon: (07121) 93770, www.theater-reutlingen.de.

SWP