Mit einer neuen Variante der Rathaus-Sanierung wartet die FDP auf. Sie schlägt vor, das gesamte Areal an die GWG zu verkaufen und dann die von der Stadtverwaltung selbst genutzten und vermieteten Räumlichkeiten zurück zu mieten. „Es wird immer mehr üblich, auch Verwaltungsgebäude nicht selbst zu bauen oder zu sanieren“, betont Stadt- und Kreisrätin Regine Vohrer. Als Beispiel verweist sie auf den Landkreis, der ein neues Landratsamt durch Investoren bauen lassen will.

Verkaufspreis soll Gutachterausschuss festlege.

„Da wären wir mit der städtischen Tochter GWG ja noch besser dran“, ergänzt Stadträtin Sarah Zickler. Zu den Aufgaben der Wohnungsgesellschaft  gehöre auch der Bau und die Unterhaltung von Infrastruktureinrichtungen. Als Partnerin der Stadt betreue die GWG bereits heute den Bau und die Instandhaltung zahlreicher stadtnaher Einrichtungen. Deshalb biete es sich an, ihr das gesamte Rathaus-Gelände mit den sanierungsbedürftigen Verwaltungsgebäuden zu übertragen. Den Verkaufspreis soll der Gutachterausschuss festlegen. Und der Mietpreis könne sich am Durchschnitt der Gewerberaummieten in der Innenstadt orientieren.

Rathaus gehört in die Mitte der Stadt

Für die FDP steht fest, dass Gemeinderat und Stadtverwaltung auch künftig am bisherigen Standort arbeiten sollen. „Das Rathaus gehört in die Mitte der Stadt und nicht an die Peripherie“, betont Fraktionsvorsitzender Hagen Kluck. Für die Unterbringung der Verwaltung während der Sanierungszeit kann er sich das Post-Areal vorstellen. „Die GWG soll aber auch gleich prüfen, welche Teile der Stadtverwaltung im Zuge der Sanierung des Gerberviertels an der Bushaltestelle Stadtmitte untergebracht werden können“, fordert Stadtrat Kluck.

An den gastronomischen Nutzungen durch Alexandre und Joli soll sich nach Meinung der Liberalen nichts ändern. Gerade die Gaststätte Joli müsse auch während der Sanierung des Querbaus am Oskar-Kalbfell-Platz weiter betrieben werden können.

Keine Konkurrenz machen

Von der Unterbringung weiterer Gewerbebetriebe in den Rathaus-Erdgeschossen hält Regine Vohrer nichts: „Schon heute gibt es Leerstände in der Umgebung, und die werden sich nach der Corona-Krise noch vermehren“. Da komme es nicht gut, wenn die Stadt den privaten Vermietern Konkurrenz mache. Außerdem seien die vielen städtischen Bediensteten ein wichtiger Belebungsfaktor für das Stadtzentrum.

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Reutlingen

Die Federführung der Sanierungsmaßnahmen sollen nach dem FDP-Vorschlag beim Gebäudemanagement der Stadtverwaltung bleiben. Hier seien nach den entsprechenden Beschlüssen des Gemeinderats wichtige Vorarbeiten geleistet worden. Die Weiterarbeit für die GWG lässt sich laut Sarah Zickler so regeln, dass die Wohnungsgesellschaft dafür einen Verwaltungskostenbeitrag an die Stadt abführt.

Mit Denkmalamt verhandeln

Sehr wichtig ist den Liberalen, dass die GWG mit dem Denkmalamt über die Möglichkeiten tiefgreifender Modernisierungen im Inneren der Gebäude verhandelt. Das sei nicht nur aus Kostengründen nötig, sondern schaffe auch zeitgemäße Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und der Verwaltungsabläufe. Wenn man zweistellige Millionenbeträge in die Hand nehme, müsse dabei hinterher ein Rathaus herauskommen, dass allen modernen Erfordernissen entspricht und die Zukunftsfähigkeit der Stadtverwaltung verstärkt.