Pfullingen Fast alle lebten einst vom Fluss

Zu Gast beim Geschichtsverein: Hans Hubert Krämer erzählte Industriegeschichte(n). Foto: Herdin
Zu Gast beim Geschichtsverein: Hans Hubert Krämer erzählte Industriegeschichte(n). Foto: Herdin
JÜRGEN HERDIN 05.03.2012
Einem Jahr reger Aktivität - vor allem mit der Sonderausstellung "Schloss" - folgt für den Geschichtsverein in diesem Jahr die große Herausforderung mit dem Thema "Industrie- und Sozialgeschichte(n).

Mit durchaus etwas Neid blicken viele im Pfullinger Geschichtsverein auf den Bestand des Reutlinger Industriemagazins, aus dem der dortige Förderverein ein veritables Industriemuseum unter den Shed-Dächern beim Hauptpostamt machen möchte.

Und viel Anerkennung gab es bei der Hauptversammlung des Pfullinger Geschichtsvereins auf seiner Jahresversammlung, als Hans Huber Krämer vom Reutlinger Förderverein in seinem Lichtbildvortrag die bereits vorhandenen Schmuckstücke aus vergangenen Jahrhunderten vorstellte.

Drehbankgetriebe, Gewindeschneidmaschinen und Dampfmaschinen, die Links-Links-Strickmaschine der Firma Stoll und Webstühle präsentierte Krämer - samt einem Überblick der Industrialisierung und Mechanisierung im Laufe von sechs Jahrhunderten. Und hinzu kam ein besonderes Exponat: Eine Maschine zur Herstellung von Maschendrahtzaun, die - wie doch etwas makaber - lange Zeit in der DDR zur Grenzsicherung eingesetzt war und die, nach der Wende, zurückgekauft wurde, nun in Reutlingen steht. "Alles den Bach hinunter": Wasser bewegte viele Mühlen an der Echaz, so Krämer, der auch wusste, dass das Reutlinger Bruderhaus 1890 seine Papierfabrik schließen und nach Dettingen auswandern musste, weil am Oberlauf die Pfullinger Textilproduktion den Fluss stark verschmutzt hatte.

Heute kommen regelmäßig Berufsschüler in das Industriemagazin, weil sie an 30 voll funktionsfähigen Modellen aus Holz die Arbeitsweise - beispielsweise eines Transmissionsriemens - kennen lernen und ausprobieren können.

In Pfullingen stand beim Geschichtsverein zunächst eine Rückschau auf das erlebnisreiche Jahr 2011 an. So würdigte der stellvertretende Vorsitzende Martin Fink nicht nur die Aktivität bei der Realisierung der Sonderausstellung " Schloss-Geschichten", auch verwies er auf die ehrenamtliche Arbeit bei der Betreuung der vom Schwäbischen Albverein betreuten "Mühlenstube", in der von beiden Vereinen betreuten Baumannschen Museumsmühle. Im vergangenen Jahr wirkte der Verein zudem bei der ehrenamtlichen Betreuung der Pfullinger Museen mit, wozu nun auch die Dauerausstellung zur Klostergeschichte im Waschhaus gehört, und die gut besuchte Dokumentationsstätte Villa Louis Laiblin, deren Konzeption und Einrichtung zusammen mit dem Stadtarchiv und dem Kulturamt anlässlich des 150. Geburtstags des Pfullinger Ehrenbürgers und schwäbischen Mäzens entstanden ist. Herausgegeben wurden in der Reihe "Beiträge zur Pfullinger Geschichte" die beiden umfassenden Werke von Dr. Hermann Taigel über Pfullingen in der Weimarer Republik und im "Dritten Reich".

Am 5. Mai beginnt mit dem Maimarkt auch wieder die Museumssaison. Und bis dahin wird noch eine Menge zu tun sein. Denn der Geschichtsverein hat sich 2012 ganz dem Thema "Pfullinger Industrie- und Sozialgeschichte" verschrieben, eine Sonderausstellung, die an besagtem Samstag eröffnet wird.

Der Terminkalender ist voll und reiht sich passend in das diesjährige Thema der "Pfullinger Kulturwege" ein - "Mensch sein in Pfullingen".

Die Bevölkerung ist unter anderem eingeladen zu Führungen oder zum VHS-Termin "Leben in Pfullingen vor 100 Jahren". Am "Tag des offenen Denkmals" Anfang September wird die ehemalige Fadenfabrik Knapp vorgestellt, auch gibt es einen Erzählabend über die ehemalige Weberei Burkhardt.