Pfullingen Fassade in der Kritik

Ob die Platten an der 2016 eröffneten Schönberghalle sich über das zulässige Maß hinaus verschoben haben, sollen jetzt gerichtlich bestellte Gutachter bewerten.
Ob die Platten an der 2016 eröffneten Schönberghalle sich über das zulässige Maß hinaus verschoben haben, sollen jetzt gerichtlich bestellte Gutachter bewerten. © Foto: . Foto: Evelyn Rupprecht
Von Evelyn Rupprecht 08.06.2018

Sie ist ein Hingucker für Laien wie für Fachleute. Die Schönberghalle ist Hugo-Häring-Preisträgerin, weil ihr „Baukörper ein schlichtes und elegantes Erscheinungsbild“ zu bieten hat, wie es die Architekten-Kreisgruppe in ihrer Würdigung formuliert hat. Für die Stadtverwaltung ist der Bau allerdings noch aus einem ganz anderen Grund ein Hingucker. Denn die großen Fassaden-Platten haben aus ihrer Sicht Makel. „Sie weisen Biegungen auf und Überzahnungen an den Stößen“, erklärt Stadtbaumeister Karl-Jürgen Oehrle. Ob die Veränderungen am Äußeren der Halle sich noch im zulässigen oder bereits im nicht mehr tolerierbaren Bereich befinden, soll ein Beweissicherungsverfahren klären.

Als die Halle im Februar 2016 nach zweijähriger Bauzeit eröffnet wurde, da war über sie zwar schon viel diskutiert worden – unter anderem, weil sie mit rund sieben Millionen Euro Baukosten deutlich teurer geworden ist, als es in den Planungen vorgesehen war, – an der Fassade gab es zu dem Zeitpunkt aber wohl noch nichts auszusetzen. „Erst als ein Sommer und ein Winter vergangen waren“, so Oehrle, wurden die Veränderungen sichtbar – in einem Maße, das für die Stadt Anlass war, noch innerhalb der Gewährleistungsfrist zu handeln. Da sich die Platten an allen vier Seiten bewegt hatten, wurde ein Vermesser beauftragt die Verschiebungen zu dokumentieren – wovon noch immer die kleinen weißen Markierungen zeugen, die an der Seite zur Laiblinschule hin zu sehen sind. Weil die damals mit der Fassade beauftragte Firma und ihre Subunternehmer die Veränderungen am Hallen-Äußeren allerdings anders bewerten, als die Stadt, wurden vom Gericht Gutachter bestellt, die prüfen sollen, ob es sich um relevante Makel handelt und „die Bauleistung nicht so erbracht wurde“ wie gewünscht, oder ob kein weiterer Handlungsbedarf besteht, weil das zulässige Maß nicht überschritten wurde. Ein Prüf-Vorgang, der sich offenbar hinzieht und zu dem sich Karl-Jürgen Oehrle auch gar nicht ausführlich äußern möchte, „weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt“.

Gerade die Außenoptik war es indes, die die Architekten-Kreisgruppe im vergangenen Jahr so sehr gelobt hatte. Vor allem „die Rhythmisierung der Beton- und Glasfassaden“ hat die Experten veranlasst, den Berliner Architekten Herbert Hussmann für seine Arbeit zu loben. Das Gebäude allerdings hatte schon in seiner Planungsphase für Diskussionen im Gemeinderat gesorgt. Nicht jeder Stadtrat stand später zu dem Beschluss, eine über 300 000 Euro teure Lamellen-Akustik-Decke einzubauen, die Halle messetauglich machen sollte. Im Nachhinein musste dann auch noch ein Schutzboden verlegt werden, weil die Grundfläche zwar für den Sportbetrieb, aber nicht für gesellschaftliche Veranstaltungen geeignet war.

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