Reutlingen Facelift für die „Königin“

Bezirkskantor Torsten Wille am Manual der Rieger-Orgel auf der Empore der Marienkirche.
Bezirkskantor Torsten Wille am Manual der Rieger-Orgel auf der Empore der Marienkirche. © Foto: Peter U. Bussmann
Von Peter U. Bussmann 12.04.2018

Wenn Bezirkskantor Torsten Wille von „seinem“ Instrument erzählt, das er als Marienkirchen-Organist von Eberhard Becker übernommen hat, gerät er ins Schwärmen: Die 1988 von der international renommierten Firma Rieger aus Schwarzach/Vorarlberg in das bestehende Holzgehäuse eingebaute Orgel sei eine „Königin“. Sie war damals eine der ersten Orgeln, die in der Tradition der französischen Kathedralinstrumente symphonisch gestimmt ist – damals noch umstritten, heute längst Standard im Orgelbau.

Qualitativ sei das Instrument „sehr hochwertig“ und auch nach dieser langen Zeit in Betrieb „immer noch in einem erstaunlich guten Zustand“, berichtet Wille beim Pressetermin auf der Empore. Doch ganz ging der Zahn der Zeit nicht an ihr vorbei, kleine mechanische Mängel zeigen sich, für eine bessere Luftzirkulation lässt der Organist eine Türe in der Seite offen, kurzum, „eine Restaurierung ist überfällig“.

Bei dieser Gelegenheit, so Wille, könne auch das Instrumentarium „etwas korrigiert, modernisiert und erweitert werden“. Mit 53 Registern sei die Orgel ohnehin für diesen Kirchenraum „an der unteren Grenze ausgelegt“. „Ein paar mehr solistische Farben und mehr leise Töne“ würden dem Instrument gut tun, „aktuell wirkt sie deshalb manchmal etwas zu laut“, attestiert der Experte der „Königin“.

Derzeit prüft eine Kommission mit Sachverständigen weitere Schritte, gedacht ist an den Dreiklang von „klassischer Überholung, Modernisierung und Erweiterung des Bestehenden“, sagt Wille: „Das ist das klassische Vorgehen bei berühmten Orgeln.“ Und dazu zähle das Reutlinger Instrument zweifelsohne. So lockt der Reutlinger Orgelsommer seit Jahren renommierte Organisten in die Marienkirche wegen ihrer Klangkulisse und -pracht.

Ein solches Projekt, weiß auch der Musiker, koste allerdings eine sechsstellige Summe und dauere wegen Lieferfristen von zwei Jahren insgesamt rund drei Jahre. Die Kirchengemeinde könne ein solches Unterfangen allein aber nicht stemmen und sei auf Spenden angewiesen.

Da trifft es sich gut, dass Multi-Musikalist Martin Künstner – Orchestermusiker, Chorleiter, Dirigent und Kulturmanager – seinen 60. Geburtstag am 14. April dazu nutzen will, „anderen etwas zu schenken“. Schließlich wurde der gebürtige Köngener „als Nicht-Reutlinger hier sehr gut aufgenommen“.

Künstner präsentiert am Sonntag, 22. April, 18 Uhr, in der Marienkirche als Benefizkonzert Georg Friedrich Händels „Das Alexanderfest oder Die Macht der Musik“. Ausführende sind einige WPR-Kollegen Künstners, das von ihm geleitete Ebinger Kammerorchester, der von ihm gegründete und geleitete Philharmonia Chor sowie die von ihm geleitete Betzinger Sängerschaft. Die Alt-Solopartie singt seine Tochter Mirjam Künstner, deren Partnerin Johanna Kapelari übernimmt den Sopran-Solopart, Matthias Bein ist als Bass-Solosänger und Johannes Petz als Tenor mit von der Partie.

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